Nach Angaben der Stadtverwaltung handelt es sich um einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur zweiten U-Bahn Polens. Der Auftrag umfasst unter anderem eine Machbarkeitsstudie, einen Umweltbericht, geologische Untersuchungen sowie eine Analyse der Auswirkungen des Projekts auf bestehende Gebäude, da die geplante Trasse am historischen Stadtzentrum Krakaus vorbeiführen soll. Die Altstadt gehört zum UNESCO-Welterbe und beherbergt zahlreiche denkmalgeschützte Bauwerke.
55 Prozent der Einwohner wollen U-Bahn in Krakau
Über den Bau einer U-Bahn in Krakau wird seit Jahrzehnten diskutiert. Bei einem Referendum im Jahr 2014 hatten sich 55 Prozent der Teilnehmer für das Vorhaben ausgesprochen. Erst 2024 kündigte der damalige Oberbürgermeister Aleksander Miszalski jedoch konkrete Pläne für den Bau eines U-Bahn-Systems an.
Im September vergangenen Jahres stellte die Stadt den geplanten Streckenverlauf vor. Vorgesehen sind zwei Linien, die von den südwestlichen und südöstlichen Stadtteilen über das historische Zentrum bis in den Osten Krakaus führen sollen. Im Mai dieses Jahres wurde Miszalski, der das Bauvorhaben zu einem zentralen Wahlkampfthema bei der Kommunalwahl 2023 gemacht hatte, durch ein Abwahlreferendum seines Amtes enthoben. Das Projekt wird dennoch weiterverfolgt.
„Infrastrukturprojekt von nationaler Bedeutung"
Der ursprüngliche Zeitplan für den Bau der Krakauer U-Bahn gerät zunehmend ins Wanken. Im September vergangenen Jahres hatte die Stadt angekündigt, die Bauarbeiten sollten 2030 beginnen und das U-Bahn-System bis 2035 fertiggestellt werden. Der derzeit amtierende Oberbürgermeister Stanisław Kracik erklärte jedoch im vergangenen Monat, ein Baubeginn sei voraussichtlich erst zwischen 2040 und 2045 realistisch. Auch die aktuelle Ausschreibung für die Vorplanung sehe für diese Arbeiten allein einen Zeitraum von bis zu 50 Monaten vor.
Der Leiter der Abteilung für Strategie und europäische Fonds der Stadt Krakau, Rafał Solecki, betonte vergangene Woche, der Bau übersteige die finanziellen Möglichkeiten der Stadt. Deshalb seien finanzielle Mittel der polnischen Regierung und der Europäischen Union erforderlich. „Die U-Bahn sollte als strategische Investition von nationaler Bedeutung behandelt werden – ähnlich wie große Bahn-, Straßen-, Luftverkehrs- oder Metropolprojekte, die in anderen Teilen des Landes mit staatlicher Beteiligung umgesetzt werden“, sagte Solecki.
Krakow/nfp/ps