Die weiteren Preise gingen an Tianyao Lyu (China) und Shiori Kuwahara (Japan), die sich den vierten Platz teilten. Fünfte wurden Piotr Alexewicz aus Polen und Vincent Ong aus Malaysia, sechster wurde William Yang aus den USA.
Bei der feierlichen Preisverleihung in der Nationaloper überreichte Polens Präsident Karol Nawrocki dem Gewinner die Hauptauszeichnung. „Für Polen ist Fryderyk Chopin nicht nur ein musikalischer Virtuose, sondern auch eine historische Persönlichkeit und ein kultureller Diplomat, der Polen selbst im Exil in seinem Herzen trug“, sagte Nawrocki. Er erinnerte daran, dass Chopin „Polen verkündete und Polen verherrlichte, weil er die polnische Landschaft und die polnische Seele kannte“.
Der Präsident betonte zugleich die weltweite Bedeutung des Komponisten. „Wir müssen bescheiden zugeben, dass Fryderyk Chopin nicht nur unser ist. Pole im Herzen, doch mit seinem Talent Bürger der Welt – das schrieb Cyprian Kamil Norwid. Jeder Chopin-Wettbewerb beweist, dass Chopin durch seine Musik Bürger der ganzen Welt war und ist“, so Nawrocki.
Kulturministerin Marta Cienkowska würdigte die Leistung der jungen Pianisten. „Wie Millionen Menschen auf der ganzen Welt habe ich in den vergangenen drei Wochen täglich die Auftritte verfolgt. Wir sahen nicht nur technische Meisterleistungen, sondern waren Zeugen titanischer Arbeit, außergewöhnlicher Sensibilität und eiserner Disziplin“, sagte sie. „Alle zusammen haben bewiesen, dass die Sprache der Musik keine Grenzen kennt.“
Auch der Marschall des polnischen Parlaments, Szymon Hołownia, nahm mit einem Augenzwinkern Bezug auf die Chopin-Begeisterung im Land. „Während des Wettbewerbs ist es uns gelungen, sogar den Sejm zu ‘verschopinen’. Wir veranstalteten dort zwei Klavierkonzerte, bei denen sich alle politischen Kräfte trafen. Eine Stunde lang waren wir bessere Menschen“, sagte Hołownia.
Neben den Hauptpreisen wurden auch Sonderpreise vergeben. Den Preis des Polnischen Rundfunks für die beste Interpretation von Mazurken erhielt Yehuda Prokopowicz aus Polen. Den Preis der Nationalphilharmonie für das beste Konzert gewann Tianyao Lyu aus China. Den Krystian-Zimerman-Preis für die beste Sonateninterpretation erhielt Zitong Wang, den Preis der Chopin-Gesellschaft für den besten Polonaise-Vortrag Tianyou Li, beide aus China. Der Bella-Davidovich-Preis für die beste Ballade ging an Adam Kałduński aus Polen.
Der Internationale Chopin-Wettbewerb gilt als einer der renommiertesten Klavierwettbewerbe der Welt. Er findet seit 1927 in Warschau statt und wird alle fünf Jahre vom Nationalen Fryderyk-Chopin-Institut organisiert – mit einer Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs.
PAP/jc