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Deutsche Redaktion

Nach Putin werden neue „Putins“ kommen

12.05.2022 12:49
Es sei naiv zu glauben, dass Russland ohne Putin demokratischer oder gemäßigter sein werde, meint der russische Schriftsteller Mikhail Schischkin. Außerdem geht es darum, warum rote Farbe in der Diplomatie keine Rolle spielt und wie US-Präsident Joe Biden es geschafft hat, die Amerikaner für die Ukraine zu überzeugen.  
Presseschau
PresseschauShutterstock.com

Dziennik/ Gazeta Prawna: Warum rote Farbe in der Diplomatie keine Rolle spielt 

Die Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna kommt auf die Demütigung des russischen Botschafters Sergej Andrejew am Montag in Warschau zurück. Glücklicherweise, schreibt Zbigniew Parafianowicz, habe der Vorfall auf dem Sowjetfriedhof in Polens Hauptstadt harmlos geendet. Trotzdem, in schwierigen Zeiten habe eine Person, die keinen Pass der Republik Polen hat, eine Tat begangen, die möglicherweise die diplomatischen Beziehungen zwischen Warschau und Moskau beeinträchtigen könnte. Es habe keinen Sinn die Motive der ukrainischen Aktivistin zu untersuchen, die Andrejew mit roter Farbe übergossen hat. Was Sinn mache, sei vorherzusehen, was am Ende all die Aufregung mit sich bringen werde. Der polnische Botschafter in Moskau wurde am Mittwoch ins russische Außenministerium gerufen. Polens Außenminister habe daraufhin angespielt, dass der Pole Russland bald verlassen könnte. Dann würde auch der russische Diplomat Andrejew aus Polen abreisen müssen. Selbst wenn dies zu Stande käme, würde es keine Katastrophe geben. Die Beziehungen zu Russland seien sowieso fast eingefroren.

Geht es nach Parafianowicz, werden derartige Vorfälle mit Diplomaten bei weitem überschätzt. Viel tragischere, wie der Mord an dem russischen Botschafter Andrei Karlov im Jahr 2016 in Ankara, würden seine Ansicht belegen. Der russische Diplomat wurde von einem türkischen Polizisten erschossen, der gleichzeitig „Allahu Akbar!“ gerufen habe. Der Angriff sollte Rache für die russische Bombardierung von Aleppo sein. Anlässlich dieses Mordes habe jede Seite des Konflikts versucht, einen Teil der Narrative zu dem Vorfall für sich zu stehlen. Die Russen argumentierten, dass wie immer die NATO in die Verschwörung verwickelt gewesen sei. Islamische Terror-Organisationen behaupteten der Mord sei ihr Werk gewesen, um ihr internationales Ansehen unter Dschihadisten zu verschärfen. Türkische Behörden wiederum versuchten, Theorien zu schmieden, dass der Angriff von dem einflussreichen muslimischen Gelehrten Fethullah Gülen organisiert worden sei. Dieser wolle Präsident Recep Tayyip Erdoğan stürzen.

Tatsache bleibe, dass die Attentate in einem entscheidenden Moment stattfanden – als die Türkei und Russland versuchten, ihre Beziehungen zu reparieren. Diese seien damals aufgrund der russischen Intervention in Syrien und der Rivalität auf dem Schwarzmeer angespannt gewesen. Obwohl der Mord von der ganzen Welt beobachtet wurde, seien die Beziehungen zwischen Moskau und Ankara nicht zusammengebrochen. Die Welt sei nicht untergegangen. Jetzt werde es ähnlich sein. Auch wenn beide Botschafter gehen und der Rang der polnisch-russischen Beziehungen herabgestuft werde, lautet Zbigniew Parafianowiczs Fazit in Dziennik/Gazeta Prawna. 

Dziennik: Nach Putin werden neue „Putins“ kommen 

Wie das Blatt Dziennik schreibt, glaube einer der größten russischen Schriftsteller, der in der Schweiz im Exil lebt, es sei naiv zu glauben, dass Russland ohne Putin demokratischer oder gemäßigter sein werde. In einem Interview mit der belgischen Tageszeitung "De Standard" soll der Schriftsteller Mikhail Schischkin überzeugt haben, dass Russland durch den Krieg in der Ukraine zu einer wirtschaftlichen, politischen und psychologischen Ruine werde. Er rechne damit, dass nach einer Zeit des Chaos und der Anarchie wieder neue Diktatoren die Macht in Russland übernehmen werden. Der Westen werde keine andere Wahl haben, als sie zu akzeptieren. Entscheidend bleibe, dass Russland sein nukleares Arsenal unter Kontrolle behalte. Die Geschichte Russlands sei deshalb ein Teufelskreis, soll der russische Literat ohne Optimismus in der belgischen Zeitung zugeben. Nach Putin werde es deshalb neue „Putins“ geben.

Der Autor behaupte auch, russische Soldaten wüssten nicht, warum sie in der Ukraine ihr Leben riskieren, während die Ukrainer für ihr Land, ihre Familien und ihre Freiheit kämpfen. Deshalb könne der Kreml diesen Krieg nicht gewinnen. Durch die Propaganda, glaube Schischkin, würde auch früher oder später die Wahrheit in Russland ans Tageslicht kommen. Seiner Meinung nach würden viele Russen trotzdem weiterhin die "Kreml-Lügen" glauben. Wenn man ihnen zum Beispiel Bilder von dem Verbrechen in Butscha zeige, sei ihre Reaktion völlig vorhersehbar. Viele Russen würden überzeugt sagen, es sei schrecklich, "was diese ukrainischen Faschisten ihren eigenen Bürgern antun", so Schischkin abschließend in seinem Interview für "De Standard". 

Rzeczpospolita: Biden hat die USA zur Ukraine überzeugt 

Jędrzej Bielecki indes schreibt in der Rzeczpospolita, dass US-Präsident Joe Biden ein Land übernommen habe, das in den Isolationismus abrutschte. Heute aber, lesen wir, wolle nur jeder dritte Amerikaner Kiew nicht unterstützen. Das Ausmaß der Hilfe sei beispiellos. Während sich der Konflikt im dritten Monat verschärfe und die Schwäche der russischen Armee immer deutlicher werde, ändere sich die Strategie des Weißen Hauses.

Nach seinem Besuch in Kiew habe Verteidigungsminister Lloyd Austin zugegeben, dass es Amerika jetzt nicht nur darum gehe, die Ukraine zu verteidigen, sondern auch Russland selbst zu schwächen. In Zukunft soll es eine ähnliche Invasion nicht mehr wiederholen können. Amerikanische Geheimdienste wiederum sollen betonen, Putin sei ihrer Meinung nach bereit, diesen Krieg "sehr lange", vielleicht Jahre, zu führen. Aber die USA, heißt es im Blatt, würden auch hier ihre Unterstützung daran anpassen.

Am Montag unterzeichnete der US-Präsident das Lend-Lease-Gesetz. Es sei nach einem ähnlichen Plan aus dem Jahr 1941 modelliert worden, der Amerikas europäischen Verbündeten dabei half, sich dem Dritten Reich zu stellen. Dies bedeute ein sehr weitreichendes Engagement der USA in der Ukraine. Das 40-Milliarden-Dollar-Hilfspaket soll den Bedarf Kiews bis September decken. Was die Amerikaner zu solchen Entscheidungen ermutige, sei die hervorragende Verwendung dieser Mittel durch die Ukrainer. Dank der Hilfe Amerikas sollen sie Russland davon abhalten, eine effektive Offensive im Donbass zu starten.

Es gebe aber auch Grenzen, die Joe Biden bei der Unterstützung der Ukraine nicht überschreiten wolle. Insbesondere gehe es um die vermutete Hilfe amerikanischer Geheimdienste bei der Liquidierung russischer Generäle durch ukrainische Truppen. Oder um die Koordinaten des russischen Flaggschiffs „Moskau“, das im Schwarzmeer versenkt wurde. Biden soll befürchten, dass dies Putin davon überzeugen könnte, dass die USA nicht nur die Ukraine unterstützen, sondern bereits in direkter Konfrontation mit Amerika stehen.



Piotr Siemiński