DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Bittere Abrechnung mit dem Jahr 2025
„Verschwinde! Komm nie wieder. Ich will dich nie mehr sehen. So jemanden brauchen wir nicht mehr" – mit diesen Worten rechnet der Journalist und Publizist Jacek Żakowski in seiner Kolumne für das Wirtschaftsblatt Dziennik/Gazeta Prawna mit dem scheidenden Jahr 2025 ab.
Zugleich füge er hinzu, dass es eigentlich nicht seine Schuld gewesen sei, dass es bereits das vierte Jahr des tragischen Krieges Russlands gegen die Ukraine gewesen sei. Es hätte uns jedoch dieses hilflose und unentschlossene Schauspiel der Freunde der Ukraine ersparen können, heißt es: besonders die jämmerliche „Kriegsmüdigkeit" und das Motto „Es ist nicht mein Krieg", das von Putins Trollen unter einigen Politikern und Bürgern des Westens verbreitet worden sei. Mit jedem weiteren Monat hätten zum Beispiel immer mehr Waffen und Geld aus westlichen Munitionslagern und Banken gefehlt. „Diesen Schandfleck werden wir dir nicht vergeben", so Żakowski über das Jahr 2025.
Es sei auch ein weiteres Jahr des Massakers in Gaza durch Israel gewesen. Nicht nur der Massenmord an Zivilisten sei zu einem Problem geworden, sondern auch die tragische Gleichgültigkeit, mit der die westliche Welt dies hingenommen habe. Selbst die Polen, die wie kaum jemand anderes wüssten, was es bedeute, in bombardierten Trümmern zu leben, hätten das ganze Jahr über Waffen aus Israel bezogen und dorthin unter anderem Sprengstoff verkauft, lesen wir. „Dir, Jahr 2025, und uns Polen wird die Geschichte dies nie verzeihen", so der Autor.
Wie es weiter heißt, sei zwar das Jahr 2024 für die fatale Wahl der Amerikaner und Donald Trump mit all seinem launischen Narzissmus verantwortlich gewesen, aber dieses Jahr trage die Schuld an den daraus resultierenden Konsequenzen: nicht nur an der Erpressung, Demütigung und Auslieferung der Opfer auf dem Altar der Aggressoren in der Ukraine und Gaza, sondern auch an der konsequenten Zerstörung eines Bündnisses, das 75 Jahre lang Frieden in Europa garantiert habe. Selbst in den schlimmsten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg sei Amerika nie so offen feindlich gegenüber Europa wie in diesem Jahr gewesen.
„Du hast uns, die Polen und andere Europäer, ohne Scham in eine tödlich gefährliche Zange zwischen dem mit Raketen drohenden Putin, dem mit Sanktionen erpresserischen Trump, dem wirtschaftlich kolonialisierenden Xi Jinping und unserer eigenen Unfähigkeit gepresst", schreibt Żakowski. Der Autor sehe auch die Wahl des Präsidenten in Polen als Katastrophe. Das ganze Jahr über sei kein einziges bedeutendes Problem gelöst worden. Die Demokraten in Polen hätten nicht einmal die Fähigkeit gehabt, ihren Vorsprung gegenüber radikalen Trump- und Putin-Sympathisanten zu verteidigen. „Hau ab!" – so Jacek Żakowskis bitteres Fazit in der Tageszeitung.
RZECZPOSPOLITA: Was sollen die Twitter-Kriege überschatten?
Nachdem Wolodymyr Selenskyj erklärt habe, dass es Donald Trump gewesen sei, der nicht wollte, dass Polen an den Friedensgesprächen in Genf teilnehme, sollte man den Schlagabtausch zwischen Premier Tusk und Präsident Karol Nawrocki mit mehr Abstand betrachten, schreibt Michał Szułdrzyński für die konservativ-liberale Rzeczpospolita.
Der Autor fragt sich, ob die Kritik an den Äußerungen von Karol Nawrocki während der Feierlichkeiten zum Großpolnischen Aufstand nicht als Auftakt zu einem Streit um den Platz an der Telefonkonferenz nach dem Treffen von Donald Trump mit Wolodymyr Selenskyj gedacht gewesen sei. An der Beratung habe letztendlich Karol Nawrocki teilgenommen. In früheren Äußerungen habe dieser erklärt, er übernehme die Verantwortung für die Beziehungen zum US-Präsidenten, während die Rolle des Premiers darin bestehe, an dem Format der „Koalition der Willigen" teilzunehmen, an deren Spitze die Franzosen, Briten und Deutschen stünden.
Zu den jüngsten Aussagen zur Verteidigung der westlichen Grenze habe Tusk dem Präsidenten vorgeworfen, die Bedrohung im Westen und nicht im Osten zu sehen, und ihn zusammen mit der nationalistischen Rechten dem russischen Block zugeordnet. Nawrocki mit dem radikalen Grzegorz Braun in denselben Topf zu werfen, sei politisch geschickt, habe aber wenig mit den Tatsachen zu tun, lesen wir im Kommentar. Im Gegensatz zu Braun, der offen ein prorussisches Narrativ vertrete, stehe Nawrocki auf einer anderen Seite: Er betrachte Russland als Feind und suche Unterstützung in Washington.
Die Zuordnung Nawrockis zum prorussischen Lager führe nur zu einer Schwächung der Autorität des Präsidenten, der an Gesprächen mit Trump über den zukünftigen Frieden teilnehme. Aus demselben Grund sei es unklug, dass Nawrocki in einen Konflikt mit Tusk trete. In der jetzigen Situation brauche Polen sowohl die Autorität des Präsidenten als auch des Premierministers auf der internationalen Bühne. Wenn diese sich jedoch zu leichtfertig stritten, werde dies nicht den gegnerischen Block treffen, sondern das Ansehen des polnischen Staates. „Und der kritische, historische Moment unserer Zeiten beweist, dass wir uns diesen Luxus nicht leisten können", so Michał Szułdrzyński in der Rzeczpospolita.
DO RZECZY: Langsame Annexion des Westjordanlands
Gibt es derzeit ein Land, das alle möglichen internationalen Regeln brutal verletzt, seinen Willen anderen aufzwingt und einfach seine egoistischen Interessen durchsetzt? Diese Frage stellt der Chefredakteur des konservativen Wochenblatts Do Rzeczy, Paweł Lisicki.
Welches Land zögert nicht, im großen Maßstab Gewalt gegen Unschuldige und Wehrlose anzuwenden, sie nach Belieben zu töten, ohne sich darum zu kümmern, was die Weltöffentlichkeit dazu sagt? „Natürlich. Es handelt sich um den engsten Verbündeten unseres engsten Verbündeten, nämlich das ehrwürdige Bollwerk der westlichen Zivilisation im Nahen Osten: Israel", lesen wir.
Was neu an seinem Verhalten sei, sei die Offenheit und Unverschämtheit im Handeln. Zwei Beispiele aus den letzten Tagen würden dies veranschaulichen. Das erste sei die Entscheidung der israelischen Regierung, neunzehn neue Siedlungen im besetzten Westjordanland zu genehmigen. Dreist sei nicht nur die rechtswidrige Entscheidung an sich, sondern die Reaktion auf ihre Kritik: Wer Israel kritisiere, der diskriminiere die Juden, so die offizielle Erklärung. Das zweite Beispiel seien die Aussagen des Verteidigungsministers Israel Katz, der einfach – gegen die Bestimmungen des Friedensabkommens – erklärt habe, dass israelische Militärbasen im nördlichen Gazastreifen errichtet werden sollten.
In beiden Fällen – sowohl im Gazastreifen als auch im Westjordanland – sei die Sache klar: Es gehe um die schrittweise, tatsächliche Vertreibung der dort lebenden Araber und deren Ersetzung durch Juden, so Paweł Lisicki in Do Rzeczy.
Autor: Piotr Siemiński