Deutsche Redaktion

"Moskaus Propaganda richtet sich verstärkt gegen Polen"

13.02.2026 11:03
Die Verschärfung antiplonischer Töne in Russland fällt zeitlich mit dem Umzug der belarussischen Oppositionsführerin Swjatlana Zichanouskaja nach Polen zusammen, beobachtet Rusłan Szoszyn in der Rzeczpospolita. Was haben Kirchenaustritte mit der Pandemie zu tun? Und: Polnische Unternehmen übernehmen immer häufiger etablierte Marken in Deutschland. Mehr dazu in der Presseschau.
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RZECZPOSPOLITA: Moskaus Propaganda richtet sich verstärkt gegen Polen

Die Woche begann mit mehreren Mitteilungen der wichtigsten russischen Geheimdienste, die sich gegen Polen richteten, erinnert die Tageszeitung Rzeczpospolita. Das Blatt geht der Frage nach, worauf die zunehmende propagandistische Offensive Moskaus gegen Warschau zurückzuführen ist. Die Gründe könnten vielfältig sein, lesen wir.

Polen zählt seit Jahrzehnten zu den entschiedensten Unterstützern einer souveränen und unabhängigen Ukraine in Europa. Ohne humanitäre, militärische, wirtschaftliche und vor allem logistische Hilfe aus Polen wäre die Ukraine kaum in der Lage gewesen, im vierten Jahr in Folge einen umfassenden Krieg gegen Russland zu führen. In Moskau sei man sich zudem bewusst, dass Warschau unter keinen Umständen einem aus ukrainischer Sicht ungerechten Frieden zustimmen werde – etwa in Form einer Kapitulation Kiews, für die Putin laut dem Blatt auch gegenüber Donald Trump werbe.

Putin betrachte Polen als potenziellen Führungsstaat in Mittel- und Osteuropa. Das Land verfüge über die größte Volkswirtschaft der Region und die stärksten Streitkräfte. Darin sehe er eine ernsthafte Bedrohung seiner Politik, sagt Wladimir Ponomarjow, der in Polen den oppositionellen russischen Kongress der Volksdeputierten vertritt.

Er verweist auf die im Oktober in Moskau von der kremlnahen Russischen Militärhistorischen Gesellschaft organisierte Ausstellung „Zehn Jahrhunderte polnischer Russophobie“. Dort seien zahlreiche historische Falschdarstellungen verbreitet worden, unter anderem zur Verantwortung des sowjetischen NKWD für das Massaker von Katyń.

Auffällig sei zudem, dass die Verschärfung antiplonischer Töne in Russland zeitlich mit dem Umzug der belarussischen Oppositionsführerin Swjatlana Zichanouskaja nach Polen zusammenfiel. In Moskau habe man offenbar gehofft, dass Schwierigkeiten ihres Büros in Litauen ihre politische Tätigkeit beenden würden. Warschau unterstütze jedoch weiterhin zentrale Initiativen gegen das Regime von Alexander Lukaschenko und habe Hunderttausenden Belarussen Schutz gewährt. Damit verhindere Polen seit Jahren eine vollständige Eingliederung von Belarus in den Einflussbereich Russlands, so Rzeczpospolita.

TYGODNIK POWSZECHNY: Zwischen Ritualverlust, Pandemie und Vertrauenskrise

Aktuelle Daten zur Apostasie, dem formellen Austritt aus der Kirche, sind in Polen schwer zugänglich. Das Institut für Statistik der katholischen Kirche veröffentlichte offizielle Zahlen nur bis 2010 und bezifferte die Zahl der Austritte damals auf 459. Das Ausbleiben neuerer Statistiken wurde mit der geringen Dimension des Phänomens begründet, schreibt die Wochenzeitschrift Tygodnik Powszeczny.

Versuche, diese Lücke zu schließen, so das Blatt, würden nun zivilgesellschaftliche Initiativen unternehmen. Seit 2020 seien dort mehrere Tausend Musterdokumente für den formellen Kirchenaustritt heruntergeladen worden. Zwar führe nicht jeder Download zu einer tatsächlichen Apostasie, doch die Zahlen würden darauf hindeuten, dass das Ausmaß größer sein könnte als offiziell dargestellt.

Kirchenrechtlich werde Apostasie im Codex des kanonischen Rechts als vollständige Abkehr vom christlichen Glauben definiert. Sie betreffe damit den Kern der Glaubensüberzeugung und gehe über den bloßen Verzicht auf religiöse Praxis hinaus.

Zur Frage der Säkularisierung verweist die Soziologin Katarzyna Zielińska von der Jagiellonen-Universität auf ein Zusammenspiel kultureller und ökonomischer Faktoren sowie auf die Auswirkungen der Pandemie. Die Religiosität in Polen sei stark ritualisiert und von Wiederholung geprägt gewesen; die pandemiebedingten Unterbrechungen hätten diesen Rhythmus gestört. Viele Gläubige seien nach den Lockdowns nicht in die Kirchen zurückgekehrt.

Darüber hinaus sieht Zielińska lokale Ursachen für den beschleunigten Rückgang religiöser Bindungen: die Nähe der Kirche zur Politik, Missbrauchsskandale sowie fehlende systematische Anstrengungen zu ihrer Aufarbeitung. Entscheidend sei dabei weniger das Bekanntwerden der Skandale als vielmehr die Art und Weise, wie Teile der kirchlichen Hierarchie darauf reagiert hätten, schreibt Tygodnik Powszechny.

BUSINESS INSIDER POLSKA: Polnische Unternehmen expandieren nach Westeuropa

Getragen vom anhaltenden Wirtschaftswachstum drängen polnische Unternehmen zunehmend auf westeuropäische Märkte, informiert das Blatt Business Insider Polska. Übernahmen in Deutschland, die vor drei Jahrzehnten noch unrealistisch erschienen, seien inzwischen keine Ausnahme mehr.

Polen habe sich zur führenden Volkswirtschaft Mittel- und Osteuropas entwickelt, und heimische Firmen würden etablierte Marken in Deutschland erwerben.

Die polnische Wirtschaft, die in den 1990er-Jahren noch im Schatten des Kommunismus stand, erreicht heute ein Volumen von rund einer Billion US-Dollar. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg kündigten polnische Unternehmen im vergangenen Jahr 22 Übernahmen in Westeuropa an, davon neun in Deutschland – ein Rekordwert. Im laufenden Jahr werden vier weitere Transaktionen umgesetzt, lesen wir.

Der Abstand beim Lebensstandard zwischen Polen und Deutschland verringert sich kontinuierlich. Das deutsche BIP ist derzeit etwa doppelt so hoch wie das polnische; 2004 lag es noch beim Vierfachen. Nach Einschätzung des Polnischen Wirtschaftsinstituts wandelt sich Polen vom Empfänger ausländischer Investitionen zu einem aktiven Investor im Ausland.

Mit der Annäherung an den Status einer entwickelten Volkswirtschaft kehre sich der Trend um: Aus einem Land, das Kapital anzieht, werde zunehmend eines, das selbst investiert, erläutert Dominik Kopiński, Seniorberater des Instituts. Die Übernahmen betreffen unter anderem die Automobilindustrie, die IT-Branche und die Lebensmittelproduktion.

Zugleich weist das Blatt darauf hin, dass der wirtschaftliche Aufschwung neue Herausforderungen mit sich bringt. Steigende Löhne und Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz könnten die Wettbewerbsfähigkeit des Dienstleistungssektors beeinflussen, der über Jahre zu den tragenden Säulen des polnischen Wachstumsmodells zählte, stellt Business Insider Polska fest.

Autor: Jakub Kukla


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