Die Feierlichkeiten beginnen am Donnerstag mit der Eröffnung der Ausstellung "Der Mann der Revolte. Die Vorder- und Rückseite der Realität der Volksrepublik Polen“ im Deskur-Haus. Die Ausstellung zeigt, welche Rolle der Juni 1976 in der polnischen Geschichte gespielt hat und wie sich der Arbeiterprotest in Radom auf der Achse des polnischen Weges zur Freiheit abzeichnete.
Weiter geht es am Freitag mit musikalischen Darbietungen von Urszula und der Band Dżem auf dem Jagiellonenplatz. Während der Konzerte unter dem Titel "Der Juni der Freiheit in Radom" wird der Verein Radomski Czerwiec'76 mit der Medaille Bene Merenti Civitas Radomiensis, geehrt — der höchsten Auszeichnung der Stadt Radom.
Die offizielle Zeremonie ist für Sonntag geplant. Traditionell wird an der Kreuzung der Czerwca- und der Żeromskiego-Straße 25 eine feierliche Messe zum Gedenken an die Helden vom Juni '76 abgehalten.
Am 25. Juni 1976 war in zahlreichen Betrieben gestreikt worden. Grund dafür waren von der Regierung angekündigte Preiserhöhungen für Lebensmittel. Die größten Arbeiterproteste fanden in Radom, Ursus und Płock statt. Die Proteste wurden von der Polizei brutal unterdrückt und in ganz Polen wurden etwa 2.500 Menschen verhaftet.
Allein in Radom gingen 20-25.000 Menschen auf die Straße. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei und ZOMO-Einheiten. Nach Angaben des Instituts des Nationalen Gedenkens (IPN) wurden dabei 654 Personen verhaftet. Gegen 255 Personen wurden Gerichtsverfahren eingeleitet und Haftstrafen von bis zu 10 Jahren verhängt.
Etwa 900 Radomer Bürgerinnen und Bürger verloren aufgrund ihrer Teilnahme an den Protesten ihren Arbeitsplatz. Eine tragische Folge der Proteste waren die rechtswidrigen Schläge auf Inhaftierte auf den so genannten "Gesundheitswegen" (Reihen von Milizionären, die mit Schlagstöcken auf Menschen einprügelten), die zu einem besonderen Symbol des Juni 1976 wurden.
Die Gedenkfeierlichkeiten zum 47. Jahrestag des Radomer Juni ’76 werden von den Behörden in Radom gemeinsam mit dem Verein „Radom Juni’76" und dem Regionalvorstand der NSZZ Solidarity Radom Land organisiert. Sie stehen unter der Schirmherrschaft von Präsident Andrzej Duda, Partner ist die Woiwodschaft Masowien.
PAP/js