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Russische Desinformation will Polen und Tschechen entzweien

26.08.2026 06:00
Ein fingierter Protest zum Schutz der Grenzen in der Region Teschener Schlesien, ein gefälschtes diplomatisches Schreiben und Hackerangriffe sollen antipolnische Stimmungen in Tschechien schüren. Hinter der Provokation stehen wahrscheinlich russische Geheimdienste, berichtetedas tschechische Nachrichtenportal „Seznam Zprávy“. 
In sozialen Medien und ausgewhlten Internetportalen auf beiden Seiten der polnisch-tschechischen Grenze verbreiteten sich Meldungen, wonach Polen die Besetzung eines Teils des tschechischen Staatsgebiets plane. Hinter der Provokation knnten russische Geheimdienste stehen.
In sozialen Medien und ausgewählten Internetportalen auf beiden Seiten der polnisch-tschechischen Grenze verbreiteten sich Meldungen, wonach Polen die Besetzung eines Teils des tschechischen Staatsgebiets plane. Hinter der Provokation könnten russische Geheimdienste stehen.beskidzka24/Krzysztof Marciuniuk

In sozialen Medien und ausgewählten Internetportalen auf beiden Seiten der polnisch-tschechischen Grenze verbreiteten sich Meldungen, wonach Polen die Besetzung eines Teils des tschechischen Staatsgebiets plane. Wie aus einer vom tschechischen Nachrichtenportal „Seznam Zprávy“ veröffentlichten Recherche hervorgehe, handelt es sich um eine komplexe und koordinierte Desinformationskampagne. Hinter der Provokation könnten russische Geheimdienste stehen. Ziel sei es, die Beziehungen zwischen Warschau und Prag zu schwächen.

Gefälschtes Schreiben zu polnischen Gebietsansprüchen

Nach Recherchen von „Seznam Zprávy“ begann die Provokation in Polen mit der Verbreitung eines angeblich offiziellen diplomatischen Dokuments. Das Schreiben, in dem die polnische Seite Gebietsansprüche geltend gemacht haben soll, wurde auf einem Social-Media-Profil veröffentlicht, das sich als das Profil des tschechischen Botschafters in Polen, Břetislav Dančák, ausgab. Die Journalisten des tschechischen Portals weisen darauf hin, dass das Dokument Merkmale einer mithilfe künstlicher Intelligenz erstellten Fälschung aufwies. In der ursprünglichen Fassung enthielt es zudem sprachliche Fehler.

Anschließend wurde die Operation auf Angriffe im Medienbereich ausgeweitet. „Seznam Zprávy“ berichtet, dass Unbekannte eine Kopie des Nachrichtenportals des tschechischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks iRozhlas.cz erstellten und dafür eine täuschend ähnliche Domain registriert hätten.

Auf der gefälschten Seite wurde ein Artikel veröffentlicht, wonach die Bewohner des tschechischen Grenzgebiets aus Angst vor einem Verlust ihres Landes massenhaft Immobilien verkaufen würden.

Auch in Polen kam es zu einem Vorfall: Unbekannte überwanden die Sicherheitsvorkehrungen der Website von Radio PiK und veröffentlichten dort falsche Meldungen über eine angeblich geplante Übernahme von rund 600 Hektar tschechischen Staatsgebiets durch Polen.

Falsches Profil rief zum Protest zum Schutz der Grenzen auf

Das Portal berichtet auch über ein Facebook-Konto unter dem Namen „Adam Sikora“. Das Profil warb für eine angebliche Demonstration, die unter dem Motto „Schutz der tschechischen Grenzen“ auf dem Marktplatz in Třinec stattfinden sollte. Nach Recherchen der Redaktion war die Veranstaltung bei den Stadtbehörden nicht offiziell angemeldet. Dies bestätigte die Třinecer Stadträtin Pavla Golasowská. Zudem wurde in Werbevideos unerlaubt das Logo der Gewerkschaft KOVO verwendet. Die Gewerkschaft distanzierte sich entschieden von der Initiative. Die Recherche ergab, dass sowohl das Profilbild des Organisators als auch von ihm veröffentlichte Fotos eines angeblich zum Verkauf stehenden Hauses in Ropice mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt worden seien.

Behörden und Experten reagieren auf Provokation

Nach Einschätzung der von dem tschechischen Portal zitierten Experten ziele die Operation gezielt auf historische Fragen und lokale Sorgen der Bewohner des Grenzgebiets ab. Wie Eva Klusová, Analystin an der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, betone, greife die Kampagne bereits bestehende gesellschaftliche Konfliktthemen in der Region auf. Die Redaktion erinnert daran, dass das Thema der sogenannten territorialen Schuld bereits früher von kremlnahen Informationskanälen aufgegriffen worden sei.

Die zuständigen Behörden beider Länder befassen sich inzwischen mit dem Fall. In Polen hat NASK Ermittlungen aufgenommen. Eine separate Untersuchung führt das Zentrale Büro zur Bekämpfung der Cyberkriminalität. In Tschechien erstatteten mit der Opposition verbundene Personen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Sie verwiesen auf den möglichen Straftatbestand der Anstiftung zum Hass sowie auf Aktivitäten zugunsten einer ausländischen Macht. Der Sprecher des tschechischen Außenministeriums, Adam Čörgő, bestätigte gegenüber dem Portal, dass das Ministerium über den Fall informiert sei und ihn überprüfe.

rp.pl/ps

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