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Sellin über Kriegsentschädigungen: Klage gegen Unternehmen ist Präzendenzfall

21.06.2023 10:31
„Ich glaube nicht, dass es so etwas nach dem Zweiten Weltkrieg in irgendeinem Land jemals gegeben hat“, sagte der stellvertretende Kulturminister Jarosław Sellin gegenüber Polskie Radio 24. Mit seiner Aussage bezog er sich auf die Klagen gegen zwei deutsche Unternehmen auf Entschädigung für polnische Opfer des Zweiten Weltkriegs. Diese Initiative bezeichnete er als interessant und betonte, es lohne sich, die Ergebnisse zu beobachten.
Jarosław Sellin
Jarosław SellinWojciech Kusiński/Polskie Radio

Bei einer Pressekonferenz der Stiftung zur Verteidigung der Kriegsentschädigung am Dienstag informierten Rechtsanwältin Dr. Monika Brzozowska-Pasieka, Präsidentin der Stiftung Obrońcy - Obrońcom, und Rechtsberater Jerzy Pasieka, dass zwei Klagen gegen zwei deutsche Unternehmen beim Landgericht Krakau eingereicht worden seien. Die Kläger seien Erben polnischer Kriegsopfer, die geforderte Entschädigungssumme belaufe sich auf knapp 19 Millionen Zloty.

"Das ist eine interessante Initiative und ein Präzedenzfall“, so Jarosław Sellin. Die Anwaltskanzlei habe beschlossen, nicht den deutschen Staat zu verklagen, sondern bestimmte Unternehmen, die polnische Menschen während des Zweiten Weltkriegs durch Sklavenarbeit ausgebeutet und daraus bestimmte Gewinne erzielt hätten. „Diese Unternehmen haben eine gewisse institutionelle und sogar namentliche Kontinuität", erklärte er gegenüber dem Radiosender.

Die Ergebnisse wolle er beobachten, führt er aus. „Ich denke, sie sind zukunftsweisend, denn in der Tat ist diese rechtliche Kontinuität bestimmter deutscher Unternehmen, die Zwangsarbeiter schrecklich ausgebeutet haben und tatsächlich an deutschen Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs beteiligt waren, nie auf diese Weise rechtlich zur Verantwortung gezogen worden für das, was sie den Menschen angetan haben", bemerkte er.

Abschließend ging der stellvertretende Minister auf die Rückgabe von Kunstwerken ein, die während des Zweiten Weltkriegs geraubt wurden. Das Ausmaß der Verluste sei enorm, dennoch zeigten sich hier zunehmend Erfolge. In den letzten acht Jahren hätte Polen beispielsweise über 700 Werke zurückerhalten.

PAP/js