In Polen sollen ihm mindestens 10 Jahre Haft bis hin zur lebenslangen Freiheitsstrafe drohen. Das Bezirksgericht in Vilnius soll jedoch berücksichtigt haben, dass der Verdächtige zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre alt war. Nach dem litauischen Strafgesetz konnte er höchstens zu 10 Jahren Haft verurteilt werden. Zudem verlief das Verfahren im vereinfachten Modus, weil der Ukrainer die Tat gestanden hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre Freiheitsstrafe gefordert.
Die Verurteilung von Daniil B. in Litauen steht nicht im Zusammenhang mit dem Verfahren zum Brandanschlag in Polen. Die Ermittlungen dauern an, und es gibt keine Hindernisse, den Verdächtigen in Polen wegen seiner Beteiligung an diesem Sabotageakt zu verurteilen. Daniil B. wird nicht der direkten Brandstiftung beschuldigt. Nach derzeitigem Stand soll er jedoch das Feuer gefilmt und das Video an einen der Auftraggeber in Russland geschickt haben. Die zweite in diesem Fall angeklagte Person ist der Auftraggeber der Aufnahmen, Oleksandr W. Nach Angaben der Ermittler habe die für den Brandanschlag verantwortliche organisierte, kriminelle Gruppe mindestens acht Personen umfasst.
Anschlagsziel in Litauen nicht zufällig
Wie das Portal Delfi im Frühjahr unter Berufung auf Ermittlungsunterlagen berichtet hat, sei die Wahl des IKEA-Marktes als Anschlagsziel nicht zufällig gewesen. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hatte sich das Unternehmen aus Russland zurückgezogen. Nach Angaben des Portals habe der Brand einen Schaden von fast 500.000 Euro verursacht.
Einige Tage nach dem Brandanschlag auf den IKEA-Markt soll Daniil B. eine Tasche mit Sprengstoff und Zündern für Anschläge auf Einkaufszentren in Litauen und Lettland abgeholt haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben die russischen Auftraggeber dem Verurteilten und seinem Komplizen 10.000 Euro sowie einen BMW 530 für eine Serie von Sabotageakten in Litauen, Lettland und Polen versprochen. Die Täter hätten diese Belohnungen jedoch nie erhalten, wie das unabhängige russische Portal Mediazona informiert hat.
Als Reaktion auf Berichte über eine mögliche Beteiligung Russlands hatte Polens Außenminister Radosław Sikorski die Schließung des russischen Konsulats in Krakau angeordnet. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte daraufhin, diese Maßnahmen würden eine „angemessene“ Antwort nach sich ziehen.
RMF24/ps