Zum Jahrestag des Untergangs der Fähre „Jan Heweliusz“ hat Polskie Radio eine Sonderfolge des Podcasts „Heweliusz. Prawdziwa historia“ veröffentlicht. In der siebten Episode der Reihe spricht Journalist Roman Czejarek mit neuen Zeugen, präsentiert bislang nicht veröffentlichte Videoaufnahmen vom Wrack und verfolgt eine weitere Spur, die ihn weit außerhalb Polens führt.
Kapitänin Elżbieta Drożdżowska-Smulewicz, die die Fähre zum Zeitpunkt des Unglücks führte, widerspricht darin der These, das Schiff sei aufgrund konstruktiver Mängel gesunken. Der entscheidende Faktor sei menschliches Fehlverhalten gewesen, sagt sie.
Czejarek hat zudem rund 350 Stunden Videomaterial ausgewertet, das polnische Einsatzkräfte unmittelbar nach der Katastrophe aufgenommen hatten und das vom Leiter des Maritimen Such- und Rettungsdienstes, Sebastian Kluska, digitalisiert wurde.
Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist der deutsche Frachter „Frank Michael“. Experten zufolge könnte ein Ausweichmanöver zur Vermeidung einer Kollision mit dem Schiff eine unmittelbare Rolle beim Untergang gespielt haben. Die Ermittlungen seien lange dadurch erschwert worden, dass nach der Besatzung des Frachters an der falschen Stelle gesucht worden sei.
Die Podcastreihe war 2025 eines der meistgehörten Formate des Senders und verzeichnet inzwischen mehr als drei Millionen Abrufe. Sie ist über die Website des Polnischen Rundfunks sowie YouTube und gängige Podcastplattformen verfügbar.
Die „Jan Heweliusz“ sank am 14. Januar 1993 während eines Orkans auf der Ostsee nahe der Insel Rügen auf dem Weg nach Ystad. 36 Passagiere und 20 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben; neun Seeleute überlebten das Unglück.
IAR/adn