Deutsche Redaktion

Nawrocki: An die Opfer wurde erinnert, die Täter gerieten in Vergessenheit

27.01.2026 16:50
„Auschwitz ist ein Beweis für die Barbarei der nationalsozialistischen Ideologie, die in Deutschland ihre Heimat fand. Es ist zugleich ein Symbol der Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod Unschuldiger in diesem Staat vor 1939 und der Gleichgültigkeit Westeuropas gegenüber dem, was sich in den Jahren 1939–1941 in Polen ereignete“, sagte Präsident Karol Nawrocki bei den Gedenkfeiern zum 81. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz. „Nach 1945 haben wir der Opfer gedacht, aber die Täter vergessen“, erklärte er.
Der Prsident hat am Dienstag in Oświęcim und Brzezinka an den Gedenkfeiern zum 81. Jahrestag der Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz teilgenommen. Karol Nawrocki sagte, das Lager sei eine von Deutschen organisierte Todesfabrik gewesen.
Der Präsident hat am Dienstag in Oświęcim und Brzezinka an den Gedenkfeiern zum 81. Jahrestag der Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz teilgenommen. Karol Nawrocki sagte, das Lager sei „eine von Deutschen organisierte Todesfabrik“ gewesen. PAP/Jarek Praszkiewicz

Der Präsident hat am Dienstag in Oświęcim und Brzezinka an den Gedenkfeiern zum 81. Jahrestag der Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz teilgenommen. Karol Nawrocki sagte, das Lager sei „eine von Deutschen organisierte Todesfabrik“ gewesen. Dieser Weg, daran müsse man sich erinnern – sowohl die heutigen Polen als auch die führenden Persönlichkeiten der Welt –, habe jedoch viel früher begonnen, im Deutschland der Zwischenkriegszeit, betonte er. Wie er hinzufügte, sei es die deutsche Nation gewesen, die die nationalsozialistische Ideologie unterstützt und Adolf Hitler an die Macht gebracht hatte. Das Verbrechen der deutschen Konzentrationslager, einschließlich Auschwitz, sei staatlich organisiertes Unrecht gewesen, sagte Nawrocki.

„Eine Ideologie, die in einem konkreten Staat ihre Heimat fand – in Deutschland“
Der Präsident erklärte, Auschwitz sei heute ein Symbol und Beweis für die „Bestialität und Barbarei der nationalsozialistischen Ideologie, die in einem konkreten Staat ihre Heimat fand, nämlich in Deutschland“. Es sei zudem – so Nawrocki – „ein Symbol einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod Unschuldiger im Rahmen der Euthanasieaktionen vor 1939 und nach 1939 sowie der Gleichgültigkeit der westeuropäischen Staaten gegenüber dem, was sich in den Jahren 1939–1941 in Polen ereignete“.

Deutschland habe „sechs Millionen Juden ermordet, darunter drei Millionen Bürger der Vorkriegsrepublik Polen“, fuhr Nawrocki fort. Auschwitz hätte verhindert werden können, wenn es deutlich früher eine angemessene Reaktion gegeben hätte. Dazu sei es jedoch gekommen, und daran müsse man heute weiterhin erinnern. „Ewiges Gedenken den Opfern des Holocaust, den Juden, die im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurden – Angehörigen eines Volkes, aber Bürger vieler Staaten, auch meines Heimatlandes, der Republik Polen“, so der Präsident.

Nawrocki: Die Täter gerieten in Vergessenheit
Er betonte zudem, die Welt dürfe nicht gleichgültig gegenüber dem sein, was nach 1945 geschehen sei. Nur 15 Prozent der Täter aus den deutschen Konzentrationslagern seien für die dort begangenen Morde verurteilt worden. Über viele Jahre habe die Welt den Blick von dieser schrecklichen Tragödie und von der Verantwortung für das Geschehen in Auschwitz abgewandt. Nach 1945 habe man der Opfer gedacht, die Täter jedoch vergessen, sagte Nawrocki.

Heute höre man viel Bewunderung dafür, dass es nach 1945 keinen Weltkrieg mehr gegeben habe, dass die Welt im Frieden gelebt und die Vereinten Nationen funktioniert hätten. Über Jahrzehnte sei es jedoch nicht gelungen, die Menschen zur Verantwortung zu ziehen, die für diesen Tod und für das Symbol, an dem man sich heute befinde, verantwortlich gewesen seien, erklärte der Präsident.

Wie der Präsident erinnerte, habe der deutsche Staat Polen bis heute keine Reparationen für das Unrecht des Zweiten Weltkriegs gezahlt. So lasse sich keine Welt des Friedens aufbauen. Für jedes Verbrechen und jeden Krieg müsse gezahlt und um Entschuldigung gebeten werden. Erst dann könne man das Gefühl haben, seiner heutigen Verantwortung gerecht geworden zu sein, erklärte Polens Präsident Karol Nawrocki in Auschwitz.

1,1 Millionen Menschen ermordet

Am 27. Januar vor 81 Jahren hatte die Rote Armee das Konzentratinslager Auschwitz befreit. Es wurde zum Symbol der von Deutschen an Juden begangenen Verbrechen. Zugleich ist es ein Ort des Martyriums von Polen, Roma und Menschen anderer Nationalitäten.
Die Deutschen hatten das Lager Auschwitz 1940 errichtet, um dort Polen zu inhaftieren. Zwei Jahre später schufen sie Auschwitz II–Birkenau und bauten dort die Infrastruktur für den massenhaften Mord an Juden, vor allem Gaskammern und Krematorien. Zum Lagerkomplex gehörte zudem ein Netz von mehreren Dutzend Nebenlagern. Dort wurden Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt.
In Auschwitz hatten die Deutschen mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet, darunter rund eine Million Juden. Im Lager starben zudem 70.000 Polen, 21.000 Roma, 14.000 sowjetische Kriegsgefangene sowie etwa 12.000 Häftlinge anderer Nationalitäten, darunter Tschechen, Belarussen, Jugoslawen, Franzosen, Deutsche und Österreicher.

PAP/ps

 

Pilecki Institut erinnert mit Film, Musik und Gesprächen an Befreiung von Auschwitz

23.01.2026 12:18
Filmvorführungen, Konzerte sowie Begegnungen mit Zeitzeuginnen, Zeitzeugen und Wissenschaftlern plant das Instytut Pileckiego (Pilecki Institut) vom 24. bis 28. Januar anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des nationalsozialistischen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Die Veranstaltungen finden sowohl in Warschau als auch in der Berliner Außenstelle des Instituts statt.

Infomagazin aus Polen: Den Holocaust niemals vergessen!

27.01.2026 13:40
Heute finden in Polen die Gedenkfeiern zum 81. Jahrestag der Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz statt. Mit dabei sind rund 20 noch lebende ehemalige Häftlinge – Menschen, die die Gräueltaten selbst erlebt und überlebt haben. Doch wenn auch sie eines Tages nicht mehr da sind: Wer wird dann noch aus eigener Erfahrung von diesen schrecklichen Ereignissen erzählen können? Droht die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust langsam zu verblassen? Darüber sprechen wir mit Andrzej Kacorzyk, dem stellvertretenden Direktor des Museums Auschwitz-Birkenau.

Auschwitz: 81 Jahre nach der Befreiung

27.01.2026 10:34
Mit der Teilnahme von rund 20 noch lebenden ehemaligen Häftlingen finden am Dienstag in Oświęcim und Brzezinka die Gedenkfeiern zum 81. Jahrestag der Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz statt. Bei der Zeremonie im früheren Lager Birkenau wird unter anderem der Überlebende Bernard Offen sprechen. An den Veranstaltungen nimmt auch der Präsident Karol Nawrocki teil.

Die letzten Tage von Auschwitz

27.01.2026 11:04
Die Auflösung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz begann bereits im August 1944. Angesichts der heranrückenden Roten Armee versuchten die nationalsozialistischen Behörden, so viele Menschen wie möglich zu ermorden, bevor sie sich zurückziehen mussten. Die Gaskammern waren bis zuletzt in Betrieb. Als Auschwitz am 27. Januar 1945 befreit wurde, lebten nur noch rund 7.000 Häftlinge. Dieses Datum gilt heute als Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, erinnert die Wochenzeitschrift Do Rzeczy.