Während des Gottesdienstes in Krzyżowa, der vom damaligen Bischof Alfons Nossol initiiert und geleitet wurde, umarmten sich die Regierungschefs beider Länder beim Friedensgruß. Dieses Zeichen wurde als symbolischer Beginn eines neuen Kapitels der Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland gewertet.
Die Messe in Krzyżowa war Teil eines mehrtägigen Besuchs von Bundeskanzler Kohl in Polen, der am 9. November 1989 begann. Dieser Besuch wurde jedoch durch den Fall der Berliner Mauer unterbrochen, die Deutschland 28 Jahre lang in zwei Staaten geteilt hatte. Zwei Tage später kehrte Kohl nach Polen zurück und nahm am 12. November an der Messe in Krzyżowa teil.
In seiner Predigt während der Versöhnungsmesse betonte Bischof Alfons Nossol, dass der Akt der gegenseitigen Vergebung ein heroisches Unterfangen sei, das notwendig ist, um ein neues Kapitel im Zusammenleben zweier durch die Geschichte geprägter Nationen zu schreiben:
„Lasst uns alle darum bitten, lasst uns Christus anflehen, uns die Gnade zu schenken, die zu einer echten und dauerhaften Versöhnung zwischen unseren Völkern führt.“
In seiner Ansprache nach der Messe sagte Premierminister Tadeusz Mazowiecki († 2013), dass diese Messe das Gefühl der Brüderlichkeit zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk stärke
„Diese Messe ist ein Zeichen des gemeinsamen Willens, eine bessere Zukunft zu gestalten.“
Das Treffen des ersten nichtkommunistischen polnischen Premierministers und des Kanzlers des sich wiedervereinigenden Deutschlands in Krzyżowa hatte einen symbolischen Charakter, zumal es an einem Ort stattfand, der während des Zweiten Weltkriegs Zentrum einer antinazistischen Widerstandsgruppe war. Diese Gruppe wurde von Helmuth James Graf von Moltke und Peter Yorck von Wartenburg organisiert.
Bundeskanzler Helmut Kohl († 2017) äußerte die Hoffnung, dass aus Krzyżowa, einem Ort, an dem so viel von der geistigen Tradition Deutschlands entstanden ist, ein Werk der Freundschaft hervorgehen werde, das zu einem neuen, freien Europa beiträgt:
„Lasst uns vom Altar aufbrechen in eine gute, friedliche und von Gott gesegnete Zukunft für unsere Völker – für das polnische Volk, für die Deutschen und für uns alle in Europa.“
Das Schloss der Familie von Moltke, auf dessen Innenhof 1989 die Versöhnungsmesse stattfand, beherbergt heute die Stiftung „Krzyżowa“ für Europäische Verständigung.
Nach Angaben der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung konnten die meisten deutschen Teilnehmer wegen Visabeschränkungen nicht anreisen. Einer der wenigen Anwesenden war der Historiker Jochen Köhler, der die Zeremonie in einer Reihe seltener Fotografien festhielt. Die Stiftung veröffentlicht diese Aufnahmen nun erstmals öffentlich, nachdem Köhlers Familie Anfang des Jahres seine Forschungsbibliothek und sein Archiv gestiftet hatte.
IAR/PR/ps