Deutsche Redaktion

Ein Jahr im Amt: Kanzler Merz so unbeliebt wie kaum ein Vorgänger

06.05.2026 11:29
Ein Jahr nach seinem Amtsantritt steckt Bundeskanzler Friedrich Merz in einem massiven Popularitätstief. Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts Forsa bewerten nur noch elf Prozent der Deutschen die Arbeit der Bundesregierung positiv. 87 Prozent äußerten sich dagegen unzufrieden.
Einer der hufigsten Vorwrfe gegen Merz betrifft seinen Kommunikationsstil, der oft als unberlegt und unbeholfen kritisiert wird.
Einer der häufigsten Vorwürfe gegen Merz betrifft seinen Kommunikationsstil, der oft als unüberlegt und unbeholfen kritisiert wird.EPA/Samuel Corum

Damit fällt die Zustimmung sogar schlechter aus als zuletzt bei der Regierung seines Vorgängers Olaf Scholz. Als Merz im Mai 2025 vereidigt wurde, hatte er noch deutlich bessere Werte. Damals überwog in Umfragen zumindest vorsichtiger Optimismus.

Als Hauptgründe für die schlechte Stimmung gelten anhaltende Konflikte innerhalb der Koalition aus CDU/CSU und SPD sowie die schwache wirtschaftliche Entwicklung. Streit gibt es unter anderem über Rentenpolitik, Steuern und den Arbeitsmarkt. Zuletzt sorgte auch die Forderung der SPD nach einer Übergewinnsteuer für Ölkonzerne wegen steigender Energiepreise für Spannungen.

Zudem wächst der Druck durch die oppositionelle Alternative für Deutschland, die in einigen Umfragen inzwischen auf bis zu 28 Prozent kommt. Medienberichten zufolge wird innerhalb der Koalition bereits über mögliche Neuwahlen spekuliert.

Kritik gibt es auch am Kommunikationsstil des Kanzlers. Kommentatoren werfen Merz vor, häufig ungeschickt und konfrontativ aufzutreten.

„Manchmal drückt sich der Kanzler so ungeschickt aus, dass allen außer ihm sofort klar wird, was er diesmal wieder angerichtet hat“, schrieb die Zeitung Nürnberger Zeitung. Die Äußerung des Regierungschefs aus dem vergangenen Jahr über „Probleme im Stadtbild“, die von der Linken als gegen Migranten gerichtet interpretiert wurde, ist inzwischen Teil der deutschen Popkultur geworden und wird unter anderem in Rap-Songs, Stand-up-Programmen und auf urbanen Graffiti verspottet. Von rechter Seite wiederum werfen viele Politiker Merz den jüngsten Schlagabtausch mit US-Präsident Donald Trump über den Krieg mit dem Iran vor. Kurz darauf kündigte Washington den Abzug von rund 5.000 US-Soldaten aus Deutschland an.

Politikwissenschaftler sehen zudem ein grundsätzliches Problem: Viele angekündigte Reformen kämen nur langsam voran, während die wirtschaftliche Lage angespannt bleibt. Die deutsche Wirtschaft stagniert weitgehend, gleichzeitig sorgen internationale Krisen und steigende Energiepreise für zusätzliche Unsicherheit.


IAR/jc

Merz empfängt Selenskyj in Berlin

14.04.2026 10:04
Bundeskanzler Friedrich Merz empfängt am Dienstag in Berlin den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Das Treffen findet im Rahmen deutsch-ukrainischer Regierungskonsultationen statt.

Trump droht mit Truppenabzug aus Deutschland

04.05.2026 08:35
Trotz Differenzen im Umgang mit dem Iran-Krieg bleiben die USA der wichtigste Partner Deutschlands in der NATO. Das versicherte Bundeskanzler Friedrich Merz. Wie er dennoch hinzufügte, habe er eine andere Sichtweise auf den Krieg als US-Präsident Donald Trump.

„Trump als Geburtshelfer der deutschen Macht“

04.05.2026 12:28
Wird Polen zum Profiteur des amerikanischen Rückzugs – oder droht ein deutsch dominiertes Europa? Die angekündigte Reduzierung der US-Truppen in Deutschland und ihre möglichen Folgen für die europäische Sicherheitsarchitektur ist auch in polnischen Kommentarspalten ein wichtiges Thema. Außerdem: Präsident Karol Nawrocki hat am Verfassungstag von der Notwendigkeit einer neuen Verfassung gesprochen. Ist dies tatsächlich ein „Verfassungsmoment“ oder der Versuch, autoritäre Tendenzen zu legalisieren? Mehr dazu in der Presseschau.