Deutsche Redaktion

Streit um US-Truppen: Tusk attackiert Opposition und Präsidenten

18.05.2026 10:07
Ministerpräsident Donald Tusk hat Oppositionschef Jarosław Kaczyński und Präsident Karol Nawrocki scharf kritisiert. Kaczyński versuche, Polen die Schuld für Entscheidungen Washingtons über eine Verringerung des militärischen Engagements der USA in Europa zuzuschieben, schrieb Tusk am Sonntag auf der Plattform X. Nawrocki wiederum „bewirft im Beisein anderer Staats- und Regierungschefs in Bukarest den eigenen Staat mit Schmutz“, erklärte der Regierungschef.
Polish Prime Minister Donald Tusk.
Polish Prime Minister Donald Tusk.Photo: PAP/Piotr Nowak

Kaczyński wies die Vorwürfe zurück. „Sicherheit und die Position in der Nato baut man auf Vertrauen auf, das Tusk konsequent untergraben hat“, schrieb der Vorsitzende der nationalkonservativen PiS ebenfalls auf X. Die Folge sei ein Rückgang der Sicherheit der Polen. Tusks „Nervosität und Emotionalität“ seien nur ein Beweis für dessen Schwäche und schwere Fehler.


Hintergrund der Auseinandersetzung sind Medienberichte über mögliche Änderungen bei der Präsenz amerikanischer Truppen in Europa. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Freitag berichtet, das Pentagon habe Pläne für die Rotation von 4000 US-Soldaten nach Polen gestoppt. CNN meldete unter Berufung auf Quellen im US-Verteidigungsministerium, die Entscheidung von Pentagon-Chef Pete Hegseth sei Teil mehrerer Maßnahmen zur Reduzierung der amerikanischen Streitkräfte in Europa.


Das polnische Nationale Sicherheitsbüro erklärte dagegen am Samstagabend, die Berichte beträfen Polen weder direkt noch langfristig. Derzeit laufe lediglich die reguläre Rotation amerikanischer Truppen und Ausrüstung. Tusk hatte bereits am Freitag erklärt, die Veränderungen seien logistischer Natur und hätten keinen Einfluss auf die Sicherheit Polens.

Auslöser für Tusks Kritik an Nawrocki waren Äußerungen des Präsidenten bei einer Konferenz in Bukarest. Dort war Nawrocki gefragt worden, ob sich der Aufenthalt des früheren Justizministers Zbigniew Ziobro in den USA negativ auf die polnisch-amerikanischen Beziehungen auswirken könne. Nawrocki erklärte, dies dürfe kein Thema im Kreis internationaler Gäste sein. Zugleich sagte er, Ziobro habe in Polen nicht mit einem fairen Prozess rechnen können. Dies werde jedoch die Beziehungen zwischen Warschau und Washington nicht beeinträchtigen.


PAP/IAR/jc