Von den 20 Preisträgern sind 13 nach Straßburg gereist, um die Auszeichnung persönlich entgegenzunehmen. Unter ihnen waren der frühere polnische Präsident und „Solidarność"-Gewerkschaftsanführer Lech Wałęsa, der den Titel eines Herausragenden Mitglieds des Europäischen Verdienstordens erhielt, sowie der ehemalige polnische Ministerpräsident und frühere Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek. Er wurde als Ehrenmitglied des Europäischen Verdienstordens für seinen Einsatz für die europäische Integration ausgezeichnet. Die Ehrungen wurden gemeinsam von der Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen überreicht. Jerzy Buzek und Lech Wałęsa wurden im Europaparlament mit stehenden Ovationen empfangen.
Bei der Entgegennahme des Ordens sagte Buzek, er betrachte die Auszeichnung als Anerkennung für das gesamte Europäische Parlament, dem er 20 Jahre angehört habe. „Die Welt, in der wir von der Friedensdividende, billigem Gas und sicherem Handel mit China profitierten und von den Vereinigten Staaten geschützt wurden, existiert nicht mehr. Unter diesen Bedingungen müssen wir das außergewöhnliche Projekt unserer Union neu erfinden und stärken“, erklärte er.
Wie Buzek betonte, hätten die Polen von einem freien, souveränen und demokratischen Staat geträumt – und dieser Traum sei dank Millionen Menschen und der Führung von Lech Wałęsa Wirklichkeit geworden. „Über Jahre haben wir das Fundament für die Union gelegt, auf dem wir heute eine neue Realität schaffen können – mit militärischer, energetischer und wirtschaftlicher Widerstandskraft sowie einer Unterstützung der Ukraine, so lange sie nötig sein wird“, sagte der Politiker.
Lech Wałęsa erklärte, er nehme die Auszeichnung als Anerkennung für den erfolgreichen Kampf der „Solidarność" entgegen, an deren Spitze er gestanden habe. „Mir liegt daran, dass die EU und die Generation der Solidarność Erfolg haben. Dazu möchte ich beitragen.“ Der frühere Präsident warnte zudem, Russland könne „die Führung in einer unipolaren Weltordnung übernehmen“, sollte es der Ukraine gelingen, die Ukraine zu erobern. „Wir müssen alles tun, um das zu verhindern“, appellierte Wałęsa.
Umstrittene Auszeichnung für Angela Merkel
Zu den Ausgezeichneten gehören unter anderem die frühere deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der ehemalige portugiesische Präsident und Premierminister Aníbal Cavaco Silva, der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, die moldauische Präsidentin Maia Sandu sowie die ukrainische Menschenrechtsaktivistin Oleksandra Matwijtschuk. Die Nominierung Merkels, die unter anderem für den „Brückenbau zwischen Ost und West“ geehrt wurde, sorgte für Kontroversen. Der ehemaligen Kanzlerin wird vorgeworfen, mit ihrer milden Russlandpolitik zur Schwächung der europäischen Sicherheit und indirekt auch zum russischen Angriff auf die Ukraine beigetragen zu haben. Bei der Entgegennahme der Auszeichnung erklärte die deutsche Politikerin, die EU stehe unter Druck. Die Versprechen von Frieden, Wohlstand und Demokratie, die sie ihren Bürgern bislang gegeben habe, seien heute nicht mehr selbstverständlich.
Zu den Preisträgern, die ihre Auszeichnung nicht persönlich in Straßburg entgegennehmen konnten, gehörten auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj – unter anderem für die Vertretung europäischer Werte – sowie die Mitglieder der irischen Band U2 für ihr gesellschaftliches Engagement und die Förderung europäischer Werte durch ihre Musik.
IAR/PR/ps