Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Orden des Weißen Adlers verloren, nachdem er eine ukrainische Militäreinheit nach den „Helden der UPA“ benannt hatte. Am Samstag teilte er in den sozialen Medien mit, die Auszeichnung an Polen zurückgeschickt zu haben. Dabei verwies er auf die Worte von Karol Nawrocki, wonach der Orden keine gewöhnliche Ehrung sei. „Eine solche Auszeichnung setzt nicht nur Verdienste voraus, sondern auch Respekt für die Werte, die das Fundament unserer Gemeinschaft bilden“, erklärte Selenskyj. „Wenn man der Ansicht ist, dass dieses besondere Symbol in den Händen von Katharina II., Benito Mussolini und Gerhard Schröder bleiben kann, werden wir in der Ukraine darüber nicht streiten“, fügte er ironisch hinzu.
Ministerin im Präsidialamt: „Polen erkennt Orden nicht posthum ab“ und keine Einheit der Bundeswehr ist nach „Helden der SS“ benannt
Auf die Haltung des ukrainischen Staatschefs hat die für Auszeichnungen und Ernennungen zuständige Ministerin im Präsidialamt der Republik Polen Stellung genommen. „Präsident Selenskyj erwähnte Benito Mussolini, Katharina II. und Gerhard Schröder, denen diese Auszeichnung nicht aberkannt wurde. Die beiden Erstgenannten sind seit Langem tot, und Polen erkennt den Orden nicht posthum ab. Der frühere deutsche Bundeskanzler hat das polnische Volk zudem nie so offen beleidigt wie der Präsident der Ukraine, auch wenn seine Aktivitäten zugunsten von Putins Russland als schädlich für Polen und Europa zu verurteilen sind“, erklärte Agnieszka Jędrzak. Wie sie erklärte, habe es in Deutschland während Schröders Amtszeit als Bundeskanzler keine Denkmäler zu Ehren Hitlers oder Himmlers gegeben. Auch sei keine Einheit der Bundeswehr nach „Helden der SS“ benannt worden.
„Präsident Selenskyj, der nun beklagt, dass Mussolini, Katharina II. und Schröder der Orden nicht aberkannt wurde, hatte nichts dagegen einzuwenden, als er die Auszeichnung vor drei Jahren selbst entgegennahm. Zudem fügt er der Beleidigung, eine Einheit der ukrainischen Armee nach den ‚Helden der UPA‘ zu benennen, eine weitere hinzu, indem er den Orden per Kurier zurückschickt“, erklärte die Vertreterin des Präsidialamts von Karol Nawrocki. Jędrzak bezeichnete das Verhalten Selenskyjs zudem als „bewusste Kränkung eines Volkes durch den ukrainischen Staatschef, das sich in den vergangenen vier Jahren als bester Freund der Ukraine erwiesen hat“. „Wer einem geholfen hat, als es um Leben und Tod ging, dessen Vorfahren ehre man nicht, indem man ihre Mörder verherrliche", sagte sie. Abschließend betonte sie, Polen werde die Ukraine weiterhin unterstützen, lasse sich jedoch nicht beleidigen.
Nawrocki: Fakten sind nicht verhandelbar
„Fakten sind nicht verhandelbar. Sie ändern sich weder mit politischen Konjunkturen noch aus politischer Zweckmäßigkeit. Tatsache ist, dass die UPA in Wolhynien, Ostgalizien, der Region Lublin und dem Vorkarpatenland mindestens 100.000 polnische Staatsbürger ermordet hat – allein deshalb, weil sie Polen, Juden oder Angehörige anderer Minderheiten waren. Tatsache ist auch, dass die Opfer Dorfbewohner und Einwohner kleiner Städte waren, ganze Familien, Frauen, Kinder und ältere Menschen“, erklärte Präsident Karol Nawrocki in seiner Ansprache am Freitag, in der er die Gründe für die Aberkennung der höchsten polnischen Auszeichnung für Selenskyj erklärt hat.
PAP/RMF/ps