Deutsche Redaktion

Tusk zum Streit mit der Ukraine: Der Ball liegt bei Kiew

10.06.2026 08:30
Donald Tusk fordert die ukrainische Seite auf, die Initiative in der Frage der Benennung einer Militäreinheit nach den „Helden der UPA“ zu ergreifen. Der Ministerpräsident betonte, dass Polen zwar an einer Deeskalation interessiert sei, Kiew jedoch guten Willen und historisches Verständnis zeigen müsse. Zugleich werde Polen die Unterstützung der EU-Ambitionen der Ukraine nicht als politisches Druckmittel nutzen, erwarte jedoch Beziehungen, die auf Wahrheit und gegenseitigem Respekt beruhen.
Tusk betonte, dass der Aufbau der Beziehungen auf historischer Wahrheit und gegenseitigem Respekt beruhen msse. In dieser Hinsicht habe die Ukraine noch einiges zu tun.
Tusk betonte, dass der Aufbau der Beziehungen auf historischer Wahrheit und gegenseitigem Respekt beruhen müsse. In dieser Hinsicht habe die Ukraine „noch einiges zu tun“. Photo: PAP/Paweł Supernak

Donald Tusk machte am Dienstag gegenüber Medien deutlich, wer aus seiner Sicht die Verantwortung für die Entschärfung der aktuellen Spannungen in den polnisch-ukrainischen Beziehungen trage. Hintergrund ist die Entscheidung Wolodymyr Selenskyjs, einer ukrainischen Militäreinheit den Ehrennamen „Helden der UPA“ zu verleihen. Polens Regierungschef erklärte, sein Appell vom Montag an die Präsidenten zu einem „direkten und offenen Gespräch“ habe sich in erster Linie an die ukrainische Seite gerichtet.

Tusk erwarte von Kiew, Verantwortung für die Lösung der Krise zu übernehmen. Wie er betonte, müsse die Ukraine Eigeninitiative und den Willen zeigen, einen Ausweg aus der schwierigen Situation zu finden. Nach Ansicht des Ministerpräsidenten liege es nun an der ukrainischen Seite, eine Lösung vorzuschlagen, die zur Verringerung der Spannungen beitragen könnte.

Polen wird Unterstützung nicht als Druckmittel einsetzen
Trotz des scharfen Streits um historische Fragen wies Donald Tusk Spekulationen zurück, Polen könnte die EU-Ambitionen der Ukraine als Verhandlungsmasse nutzen. Er kündigte an, dass Polen die Eröffnung weiterer Verhandlungskapitel im EU-Beitrittsprozess der Ukraine nicht blockieren werde, um in dieser konkreten Angelegenheit politischen Druck auszuüben. Der Ministerpräsident betonte, dass es im Interesse Polens liege, die Ukraine im Kampf gegen Russland wirksam zu unterstützen. Zugleich verwies er auf die schwerwiegenden Folgen für Polen, sollte die Ukraine den Krieg verlieren. „Die Ukraine darf diesen Krieg nicht verlieren“, erklärte der Regierungschef.

Tusk teilte außerdem mit, dass er Maßnahmen ergriffen habe, um eine Eskalation der Spannungen auf polnischer Seite zu verhindern. In diesem Zusammenhang führe er Gespräche mit Präsident Karol Nawrocki und werbe dafür, die öffentliche Debatte zu mäßigen. Wie der Premierminister unterstrich, wolle Polen der Ukraine die Möglichkeit geben, von der umstrittenen Entscheidung Abstand zu nehmen oder Schritte zu unternehmen, die deren Auswirkungen für die polnische Öffentlichkeit abmildern. Zudem erklärte er, in der Präsidialkanzlei von Wolodymyr Selenskyj einen „Moment des Nachdenkens“ zu erkennen, was er als positives Signal werte.

Fehlende historische Sensibilität
Donald Tusk äußerte sich trotzdem enttäuscht über die Haltung Kiews. Der Premierminister warf der ukrainischen Seite mangelnde Sensibilität sowie fehlendes „historisches Verständnis“ vor. Nach seiner Einschätzung habe es an Empathie und rationalem Denken im Hinblick auf gemeinsame Interessen gefehlt.

Tusk betonte, dass der Aufbau der Beziehungen auf historischer Wahrheit und gegenseitigem Respekt beruhen müsse. In dieser Hinsicht habe die Ukraine „noch einiges zu tun“. Gleichzeitig stellte er klar, dass er nicht den Eindruck habe, dass die Entscheidung von Wolodymyr Selenskyj gezielt gegen Polen gerichtet gewesen sei. Seiner Ansicht nach handle es sich vielmehr um eine fehlerhafte Politik, die nun korrigiert werden müsse.

PAP/dziennik/ps

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