Die Affäre hatte zunächst mit Berichten begonnen, wonach Politiker der regierenden Bürgerkoalition (KO) in der Notaufnahme des Süd-Krankenhauses bevorzugt behandelt worden sein sollen. Medienberichten zufolge erhielten Parteivertreter schneller Zugang zu medizinischer Versorgung als andere Patienten. Zudem geriet der damalige Leiter der Notaufnahme, Dawid Kacprzyk, wegen eines ungewöhnlich hohen Einkommens in die Schlagzeilen.
Inzwischen haben sich die Vorwürfe deutlich ausgeweitet. Der frühere Leiter der Chirurgie, Emil Jędrzejewski, wirft dem Krankenhaus gravierende organisatorische Mängel vor. Diese hätten zu schweren Komplikationen und möglicherweise auch zum Tod von Patienten geführt. Kacprzyk weist alle Anschuldigungen zurück.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug und Amtsmissbrauch. Nach Angaben der Behörden wurden seit 2023 zwölf Todesfälle im Zusammenhang mit dem Krankenhaus gemeldet. Mehrere laufende Verfahren sowie bereits abgeschlossene Fälle werden erneut überprüft.
Der Leiter der Notaufnahme, Dawid Kacprzyk, weist sämtliche Vorwürfe zurück. Über seinen Anwalt bezeichnete er die Anschuldigungen als falsch und rufschädigend und kündigte rechtliche Schritte an. Im Zuge der Affäre trat er aus der Regierungspartei Bürgerkoalition (KO) aus und legte sein Mandat im Warschauer Bezirksrat nieder.
Warschaus Oberbürgermeister Rafał Trzaskowski hat die Krankenhausleitung und den Aufsichtsrat entlassen. Auch gegen den ehemaligen Leiter der Notaufnahme könnten berufsrechtliche Konsequenzen folgen. Die Ärztekammer prüft eine vorläufige Aussetzung seiner Approbation, bis die strafrechtlichen Ermittlungen abgeschlossen sind.
IAR/jc