Deutsche Redaktion

Neue Sicherheitslage: Litauen will Atomwaffenverbot aus der Verfassung streichen

03.07.2026 11:45
Die bisherige Regelung stammt aus der Zeit nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Staatspräsident Nausėda argumentiert, die Sicherheitslage habe sich seitdem grundlegend verändert.
Der litauische Prsident Gitanas Nauseda trifft am 18. Juni 2026 in Brssel, Belgien, zu einem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europischen Union ein. REUTERSYves HermanArchivfoto
Der litauische Präsident Gitanas Nauseda trifft am 18. Juni 2026 in Brüssel, Belgien, zu einem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union ein. REUTERS/Yves Herman/ArchivfotoREUTERS/Yves Herman/Archivfoto

Litauen will das in seiner Verfassung verankerte Verbot von Atomwaffen und ausländischen Militärbasen aufheben. Präsident Gitanas Nausėda teilte mit, die Parlamentsparteien hätten sich auf den Beginn des Verfahrens geeinigt. Für eine Änderung sind zwei Abstimmungen mit einer Zweidrittelmehrheit nötig.

Die bisherige Regelung stammt aus der Zeit nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Nausėda argumentiert, die Sicherheitslage habe sich seitdem grundlegend verändert. Litauen grenzt an Belarus und an die russische Exklave Königsberg/Kaliningrad. Seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine hat das Land seine Verteidigungsausgaben verdreifacht, die Armee ausgebaut und die Grenzen verstärkt.

Die Debatte betrifft auch Deutschland: Litauen bereitet Infrastruktur für eine dauerhaft stationierte deutsche Brigade vor, die ab 2027 im Land präsent sein soll.

Eine Verfassungsänderung wäre jedoch nicht gleichbedeutend mit einer tatsächlichen Stationierung von Atomwaffen. Nach Angaben Nausėdas gibt es derzeit keine solchen Pläne. Die Streichung des Verbots solle lediglich künftige Optionen eröffnen, falls die Sicherheitslage dies erfordert. Litauen bleibe Vertragspartei des Atomwaffensperrvertrags. Parlamentspräsident Juozas Olekas hält einen Beschluss noch in diesem Jahr für möglich.

IAR/adn

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