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Neue Mitte-Partei in Polen: Hennig-Kloska gründet Unia Centrum

13.07.2026 12:15
In Polen formiert sich mit der Unia Centrum eine neue Partei in der politischen Mitte. Für die Regierungskoalition bedeutet das zunächst Stabilität – zugleich bereitet sich der neue Akteur auf einen möglichen eigenständigen Wahlantritt 2027 vor.
Vorsitzende der neuen Gruppierung soll Umweltministerin Paulina Hennig-Kloska werden.
Vorsitzende der neuen Gruppierung soll Umweltministerin Paulina Hennig-Kloska werden.PAP/Marek Zakrzewski

Warschau – In Polen entsteht eine neue Partei in der politischen Mitte. Das von Klimaministerin Paulina Hennig-Kloska geführte Stowarzyszenie Centrum schließt sich der Unia Europejskich Demokratów (UED) an. Gemeinsam treten beide künftig als Unia Centrum auf. Die neue Formation basiert formal auf dem Statut der UED, die im Parteienregister unter der Nummer 12 geführt wird und ihren Namen ändert. Hennig-Kloska übernimmt den Vorsitz.

Die Neugründung ist auch für die Regierungsmehrheit von Bedeutung, die nach der Wahl vom 15. Oktober 2023 entstanden ist. Hennig-Kloska versicherte, die Unia Centrum werde – ebenso wie der Parlamentsklub Centrum – ein starker Pfeiler der Regierungskoalition bleiben. Kurzfristig signalisiert die neue Partei damit keinen Bruch in der Koalition. Zugleich formiert sich in der Mitte ein eigenständiger Akteur, für den ein selbstständiger Antritt bei der Parlamentswahl 2027 das Basisszenario ist.

Eine Gruppierung für diejenigen, die "ein zentristisches Polen wollen" 

Der Europaabgeordnete Michał Kobosko sagte bei der Vorstellung in Warschau: „Wir verbinden zwei politische Milieus: das Umfeld, das hinter dem Parlamentsklub und dem Verein Centrum Polska steht, geführt von Klimaministerin Paulina Hennig-Kloska, und das Umfeld der bisherigen Unia Europejskich Demokratów, deren Vorsitzende Elżbieta Bińczycka ist.“ Die Partei wolle Wählerinnen und Wähler ansprechen, die ein zentristisches Polen wollten – mit Blick auf Wirtschaft, Unternehmertum und Klimaschutz.

Hennig-Kloska kündigte für September eine Programmkonvention an. Die Unia Centrum werde auf „die wirtschaftliche Entwicklung des Landes unter Wahrung des Umweltschutzes“ setzen und sich auf Werte berufen, „die dem Aufbau der Grundlagen eines freien Polen nach 1989 zugrunde lagen“. Nach ihren Worten soll die Partei wirtschaftsfreundlich, umweltorientiert und proeuropäisch sein.

Der Parlamentsklub Centrum war im Februar nach einer Spaltung von Polska 2050 entstanden. Hennig-Kloska hatte die Wahl zur neuen Vorsitzenden von Polska 2050 gegen Katarzyna Pełczyńska-Nałęcz verloren und die Partei anschließend mit mehreren Parlamentariern verlassen. Der Klub zählt 15 Abgeordnete und 3 Senatoren. Ende Mai wurde der Verein Centrum Polska registriert.

Nach Angaben Hennig-Kloskas haben fast alle Parlamentarier des Klubs Centrum ihren Beitritt zur neuen Partei angekündigt; vier Personen zögerten demnach noch. Der Abgeordnete Ryszard Petru habe die Programmerklärung nicht unterzeichnet, erkläre aber seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit, auch mit Blick auf die Programmkonvention im September. „Wir rechnen mit seinem großen Beitrag, und darauf haben wir uns in Wirtschaftsfragen verständigt“, sagte Hennig-Kloska.

Eigenständiger Antritt zu Parlamentswahlen als Grundszenario

Für die Wahl 2027 nannte die Parteivorsitzende einen eigenständigen Antritt als Grundannahme. Kooperationen schloss sie nicht aus. Zu einer möglichen gemeinsamen Liste mit Polska 2050 sagte sie jedoch: „Ich weiß nicht, ob Polska 2050 überhaupt verschiedene Koalitionen zulässt.“ Weiter erklärte sie: „Wir tragen eher noch alte Probleme im Herzen. Auch wenn man in der Politik niemals nie sagt, sehe ich vorerst keine Reflexion über das, was geschehen ist, um von irgendeiner Änderung unseres Ansatzes zu sprechen.“

Die Unia Centrum will nach eigenen Angaben besonders das Wählerpotenzial des früheren Bündnisses Dritter Weg erreichen. Hennig-Kloska sagte, dieser Teil der Wählerschaft beteilige sich derzeit weniger aktiv am politischen Leben, weil er kein passendes programmatisches Angebot finde. „Wir wollen diese Wählerschaft wecken“, erklärte sie.

Die frühere UED-Vorsitzende Elżbieta Bińczycka wird eine der stellvertretenden Vorsitzenden der neuen Partei. Sie sagte: „Indem wir unser Umfeld konsolidieren, möchte ich, dass wir mit einer Stimme über Prinzipien, Bürgerrechte, Menschenrechte und all das sprechen, worauf die gesamte demokratische Kultur des Westens gegründet ist.“ Weitere stellvertretende Vorsitzende sollen Kobosko, Mirosław Suchoń und Ewa Szymanowska werden. Generalsekretär wird der Centrum-Abgeordnete Rafał Kasprzyk.

Programmatisch nennt die Unia Centrum eine starke und wettbewerbsfähige Wirtschaft, Unterstützung für Unternehmertum, stabile und gut bezahlte Arbeitsplätze, eine verantwortliche Energiewende, starke Selbstverwaltungen, Sicherheit sowie eine starke Position Polens in der Europäischen Union. Im Europäischen Parlament will sich die Partei nach Angaben Koboskos der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) anschließen.

PAP/adn

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