Bundeswehr-Pioniere unterstützen seit vier Wochen polnische Soldaten beim Bau des Ostschilds an der Grenze zum russischen Königsberger Gebiet. Mehrere Dutzend deutsche Soldaten helfen dort mit Spezialgerät beim Ausbau von Sperren an besonders sensiblen Abschnitten. Mitte Oktober sollen französische Soldaten die Bundeswehr-Einheit ablösen.
Der Einsatz läuft im Rahmen des Programms „Alliierte Unterstützung für den Ostschild“. Bei einem Termin in der Gemeinde Banie Mazurskie nahe der Grenze zeigten polnische und deutsche Militärvertreter am Donnerstag die bisherigen Arbeiten. Nach Angaben von Oberst Marek Pietrzak vom Generalstab werden unter anderem sogenannte Betonigel aufgestellt, Panzergräben angelegt und Materiallager gebaut. Die Arbeiten konzentrierten sich auf Abschnitte, die aus Sicht des Militärs besonders anfällig für Versuche eines Grenzdurchbruchs sind.
"Wir können nicht wissen, was Russland plant"
„Die Soldaten aus Deutschland sind seit einem Monat bei uns. Es handelt sich um mehrere Dutzend Soldaten mit spezialisierter Pioniertechnik“, sagte Pietrzak. Der stellvertretende Chef des polnischen Generalstabs, General Stanisław Czosnek, betonte die Bedeutung der Aufklärung an der Ostgrenze. „Wir haben vollständiges Wissen und bemühen uns, es zu ergänzen, was sich auf der anderen Seite der Grenze befindet, ob es das Königsberger Gebiet oder Belarus ist. Wir arbeiten eng mit Aufklärungs- und Nachrichtendienstelementen der Nato zusammen“, sagte er.
Der Stabschef des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, General Tilo Maedler, stellte die Arbeiten als Beitrag zur Abschreckung dar. „Wir können nicht wissen, was Russland plant, aber je besser wir auf alles vorbereitet sind, was sie planen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Russland tatsächlich militärisch handelt“, sagte Maedler. „Was wir tun, ist der Schutz unserer Freiheit, unserer Demokratie.“
Der Ostschild ist ein polnisches Verteidigungsprogramm zur Sicherung der Grenze zu Russland und Belarus. Es soll die Widerstandsfähigkeit des Staates erhöhen, Abschreckung stärken und den polnischen Streitkräften sowie alliierten Truppen bessere Bedingungen für eine Verteidigung schaffen. Das Vorhaben gilt auch als Teil der baltischen Verteidigungslinie. Neben klassischen Befestigungen wie Panzersperren sind Aufklärungs- und Drohnenabwehrsysteme, Vorratslager sowie die Nutzung natürlicher Hindernisse wie Sümpfe und dichter Wälder vorgesehen.
Ein wichtiger Bestandteil ist das Drohnenabwehrsystem San. Für 18 Batterien wurde am 30. Januar ein Vertrag über ca. 15 Mrd. Zloty unterzeichnet. Das Gesamtsystem umfasst 52 Feuerzüge und 703 Fahrzeuge. Die ersten 3 Feuerzüge sollen bis Ende 2026 an die Armee übergeben werden, der Abschluss der Lieferungen ist für Januar 2028 vorgesehen.
Verteidigungsministerium und Präsidialamt streiten um Schutzschild Ost und Luftabwehr
In Polen wird zugleich über den Stand der Luftverteidigung gestritten. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz erklärte, alle nutzbaren polnischen Systeme seien nach militärischen Vorgaben aufgestellt. Polen baue seit Jahren eine integrierte, mehrschichtige Luftverteidigung auf; diese sei aber noch im Aufbau, und nicht alle Elemente seien bereits geliefert. „Es gibt keinen zweiten Bereich in der polnischen Sicherheit, in den so viel Geld investiert worden wäre wie in die Flugabwehr, Raketenabwehr, Drohnenabwehr, also die Luftverteidigung des polnischen Staates. Das sind über 200 Milliarden Zloty in verschiedenen Verträgen“, sagte Kosiniak-Kamysz.
Aus der Präsidentenkanzlei kam dagegen Kritik. Sprecher Rafał Leśkiewicz sagte, der Ostschild „funktioniert nicht“ und sei „sehr löchrig“. Die Zusicherungen der Regierung zum Schutz des polnischen Luftraums und der Nato-Ostflanke seien „PR-Maßnahmen“. Anlass der Debatte waren Aussagen von General Michał Marciniak, stellvertretender Leiter der Rüstungsagentur. Auf die Frage, ob polnische Städte von Raketenabwehr geschützt seien, hatte er geantwortet, „große Städte heute nicht“, weil um sie herum keine Systeme aufgestellt seien. Leśkiewicz bezeichnete diese Aussage als wahr. Das Verteidigungsministerium verweist demgegenüber auf militärische Priorisierung, bestehende Stationierungen und laufende Beschaffungen.
PAP/adn