„Putin hat noch zwei Karten“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident. Eine davon sei eine mögliche Mobilmachung. Diese wäre für Putin allerdings mit erheblichen politischen Risiken verbunden. Wenn Russland dafür auch auf die Bevölkerung großer Städte wie Moskau und St. Petersburg zurückgreifen müsse, könne dies zu Unruhe innerhalb der politischen Elite führen. Viele wüssten, wie hoch die Verluste an der Front seien, betonte Sikorski.
Als zweite Möglichkeit nannte der Außenminister einen besonders harten Winter. Russland könne versuchen, die ukrainische Energie- und Wärmeversorgung gezielt zu zerstören. „Er glaubt, dass er die Ukraine damit irgendwann brechen kann“. Deshalb sei es entscheidend, die Ukraine bereits jetzt auf den Winter vorzubereiten. Polen bereite unter anderem zusätzliche Gaslieferungen vor. Auch die Lieferung von Generatoren und warmer Kleidung sei wichtig, sagte der Minister.
„Wenn Putin die Ukrainer in diesem Winter nicht brechen kann, dann denke ich, dass Bedingungen für eine Waffenruhe entstehen werden“.
Sikorski betonte zugleich, dass das Ende des Krieges nicht von der Ukraine allein herbeigeführt werden könne. „Das liegt nicht in der Macht des Opfers, diesen Krieg zu beenden“, sagte der Außenminister. Beenden könne ihn nur der Aggressor, indem Russland seine Angriffe und Offensiven einstelle.
Nach Ansicht Sikorskis macht Putin zudem einen strategischen Fehler, wenn Russland ukrainische Städte angreift. Dadurch werde die Kampfkraft der ukrainischen Armee nicht entscheidend geschwächt. „Er terrorisiert nur die Zivilbevölkerung“.
Der Außenminister äußerte sich auch zur militärischen Bedrohung durch Russland. Moskau verfüge derzeit nicht über die Fähigkeiten für eine konventionelle Offensive gegen den Westen oder Polen. Für einen solchen Angriff müsste Russland Hunderttausende zusätzliche Soldaten zusammenziehen. Dies würde von Polen und seinen Verbündeten rechtzeitig erkannt werden.
Gleichzeitig warnte er vor weiteren russischen Aktivitäten unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges. Hybride Kriegsführung beschränke sich nicht auf Cyberangriffe, Propaganda oder Manipulation in sozialen Netzwerken. Dazu gehörten auch „Todeskommandos“, sagte der Minister. Russland plane weitere Eskalationen, über die man in Polen bereits informiert sei. Nähere Einzelheiten nannte Sikorski nicht.
TVN24/jc