Olsztyn – Der belarussische Friedensnobelpreisträger Aleś Bialacki sieht in der jungen Generation seines Landes eine wichtige Grundlage für einen künftigen demokratischen Wandel. „Die Jugend hat bewiesen, dass sie eine normale europäische Jugend ist, dass sie in einem normalen Land leben will“, sagte der Menschenrechtsaktivist beim Auftakt des Campus Polska Przyszłości in Olsztyn.
Die Lage in Belarus bleibe nach seiner Einschätzung formal unverändert repressiv. „Die Gesellschaft steht unter enormem Druck, die Menschen haben Angst, aber die Menschen sind wütend auf dieses Regime“, sagte Bialacki. Er sprach von einem totalitären System und anhaltender Verfolgung. Etwa 1000 Menschen säßen als politische Gefangene in Haft. „Ich bin stolz auf mein Volk, auf meine Jugend“, sagte er. Diese Menschen hätten entschieden, „dass sie nicht aufgeben“.
"Veränderungen werden kommen"
Bialacki, Leiter des Menschenrechtszentrums Wjasna, sagte, junge Belarussinnen und Belarussen bereiteten sich trotz der Repressionen auf Veränderungen vor. „Die belarussische Jugend verschwendet keine Zeit. Man muss lernen und sich auf Veränderungen vorbereiten. Ich bin sicher, dass sie kommen werden.“ In Belarus könnten Menschen nicht frei handeln und nicht einmal offen in sozialen Netzwerken schreiben. Dennoch gehe die Arbeit weiter – „wie ein Fluss, der unter der Erde fließt“. Wenn sich die Situation ändere, werde dieser Fluss an die Oberfläche treten.
Der Menschenrechtler berichtete auch über seine Haft. Insgesamt verbrachte er sieben Jahre in belarussischen Gefängnissen, zuletzt vier Jahre und fast fünf Monate. Im Dezember 2025 wurde er freigelassen und unmittelbar nach Litauen gebracht. In Olsztyn sprach er von schwierigen Bedingungen, Kälte und Repressionen gegen politische Gefangene. Zugleich hätten Häftlinge untereinander Beziehungen aufgebaut und geteilt, was sie besaßen – etwa Kaffee, Tee oder Schokolade.
Nach seiner Freilassung sei er überrascht gewesen, wie viele Jugendinitiativen für Menschenrechte in Litauen, Polen und anderen europäischen Ländern entstanden seien, sagte Bialacki. Er rief junge Menschen dazu auf, sich in Menschenrechtsorganisationen zu engagieren und Betroffene praktisch zu unterstützen. Mit Blick auf Schwierigkeiten einzelner belarussischer Studierender in Polen sagte er: „Man muss solche Menschen unterstützen. Zum Glück sind das Einzelfälle.“
Vor einigen Monaten wurde in Warschau die Aleś-Bialacki-Stiftung registriert. Sie befasst sich mit Menschenrechten im regionalen Kontext, organisiert Workshops für junge Menschen, erstellt Analysen, will Publikationen herausgeben und Stipendien vergeben.
PAP/adn