Deutsche Redaktion

Polen will alle Informationen über Militärhilfe für die Ukraine freigeben

06.07.2026 07:22
Polens Verteidigungsminister hat angekündigt, sämtliche Angaben zu den zwischen 2022 und 2026 an die Ukraine gelieferten Militärgütern freizugeben. Hintergrund sind Berichte, wonach Warschau der Ukraine Anfang des Jahres heimlich Patriot-Abfangraketen geliefert haben soll.
Der stellvertretende Parlamentsprsident und Vorsitzende der rechtsgerichteten Konfderation, Krzysztof Bosak, schrieb auf X, die Regierung habe der Ukraine im Mrz heimlich teure und schwer zu beschaffende Patriot-Abfangraketen bergeben, ohne das Parlament zu informieren. Vize-Regierungschef und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz e
Der stellvertretende Parlamentspräsident und Vorsitzende der rechtsgerichteten Konföderation, Krzysztof Bosak, schrieb auf X, die Regierung habe der Ukraine im März heimlich „teure und schwer zu beschaffende“ Patriot-Abfangraketen übergeben, ohne das Parlament zu informieren. Vize-Regierungschef und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz eFoto: PAP/Paweł Supernak

Polens Vize-Regierungschef und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz erklärte auf X, er habe die Entscheidung nach Rücksprache mit dem Ministerpräsidenten getroffen, um „der Öffentlichkeit gegenüber Rechenschaft abzulegen“.

Die Vorwürfe wurden erstmals am Samstag öffentlich. Der stellvertretende Parlamentspräsident und Vorsitzende der rechtsgerichteten Konföderation, Krzysztof Bosak, schrieb auf X, die Regierung habe der Ukraine im März heimlich „teure und schwer zu beschaffende“ Patriot-Abfangraketen übergeben, ohne das Parlament zu informieren. Die Raketen seien von Polen in den USA gekauft worden, um ein mehrschichtiges Luftverteidigungssystem aufzubauen, erinnerte Bosak. Es handle sich um die einzigen Flugkörper im Bestand der polnischen Streitkräfte, die russische Iskander-Raketen abfangen könnten.

Ähnliche Vorwürfe erhob auch der frühere Verteidigungsminister und heutige PiS-Abgeordnete Mariusz Błaszczak. Sollte die Regierung die Waffen tatsächlich ins Ausland geliefert haben, obwohl sie zugleich vor möglichen russischen Provokationen gewarnt habe, wäre dies „ein Vorgehen, das im völligen Widerspruch zur grundlegenden Pflicht des Staates steht, die Sicherheit seiner eigenen Bürger zu gewährleisten“, sagte er.

Präsidialminister Marcin Przydacz erklärte dem Privatsender Polsat News am Sonntag, es sei „sehr wahrscheinlich“, dass die Lieferung erfolgt sei. Das Präsidialamt sei an einer entsprechenden Entscheidung jedoch nicht beteiligt gewesen. Vizeverteidigungsminister Cezary Tomczyk wollte die Berichte nicht bestätigen. Die Liste der an die Ukraine gelieferten Militärhilfe unterliege weiterhin der Geheimhaltung, sagte er.

Bei der Ankündigung der Freigabe am Sonntag erklärte Kosiniak-Kamysz, der Militärische Abschirmdienst werde untersuchen, wer versucht habe, in dieser Angelegenheit Staatsgeheimnisse preiszugeben. An Błaszczak gerichtet sagte er: „An unserer Grenze herrschen Kriegsbedingungen. Jede Handlung gegen die Interessen Polens gefährdet die Sicherheit der polnischen Bürger. (...) Sie haben das schon einmal getan, Herr Błaszczak. Wir werden alle Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen – unabhängig von ihrer Immunität.“

Kosiniak-Kamysz fügte hinzu, dass Staatspräsident Karol Nawrocki sowie zuvor Andrzej Duda über jede Waffenlieferung an die Ukraine informiert worden seien. Der Streit verschärft die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Warschau und Kyjiw.

PAP/PR/ps

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