Navi Pillay erhält den Friedensnobelpreis. Die 85-jährige Juristin aus Südafrika wird für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht ausgezeichnet. Sie hat Gegner der Apartheid verteidigt. Zudem war sie Richterin am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda und am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Von 2008 bis 2014 war sie Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte. Außerdem hat sie im Auftrag der Vereinten Nationen die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission für die besetzten palästinensischen Gebiete geleitet. Deren Arbeit wurde wiederholt von Israel und den USA kritisiert.
Deutliches Signal an Trump
Prof. Tomasz Gajownik, Experte für internationale Beziehungen an der Universität Ermland-Masuren, kommentierte die Entscheidung des Nobelkomitees im Sender Polskie Radio 24. „Das ist ein deutliches Signal. Wir erleben derzeit sehr häufige Verstöße gegen geltendes Recht, insbesondere gegen das Völkerrecht“, sagte er.
Seiner Ansicht nach habe das Nobelkomitee seine Aufgabe erfüllt. „Wir sehen, wie Donald Trump mit dem Internationalen Strafgerichtshof umgeht und was er unternimmt, um das Ansehen dieser Institution zu schmälern.“ Gajownik betonte, das Komitee habe eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die auf dem Gebiet des Völkerrechts große Verdienste vorzuweisen habe. „Das lenkt den Blick erneut auf Afrika“, sagte er.
Der Experte äußerte sich auch dazu, welche Reaktion von Donald Trump auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an Navi Pillay zu erwarten sei. „Ich gehe davon aus, dass er entweder mit Schweigen darüber hinweggehen wird, was ich ebenfalls als eine Art Zeichen der Unzufriedenheit werten würde, oder dass er in seiner gewohnten Art etwas schreiben wird, das erneut zeigt, was er tatsächlich von internationalen Institutionen hält, die die Einhaltung der internationalen Rechtsordnung schützen wollen oder schützen sollten“, sagte Prof. Tomasz Gajownik.
Symbolischer Nobelpreis. Die Wirtschaft bestimmt die Weltpolitik
Nach Einschätzung von Professor Gajownik wird die Entscheidung des norwegischen Nobelkomitees jedoch kaum Auswirkungen auf unser Leben haben. „Die harte Realität, in der wir leben, zeigt, dass solche Entscheidungen heute wohl vor allem einen symbolischen Wert haben“, räumte er ein.
Er sehe nicht, dass sich dadurch das Verhalten der wichtigsten Akteure auf der internationalen Bühne ändern werde. „Die Welt wird vor allem von der Wirtschaft bestimmt. Sie gibt die Richtung der politischen Entwicklungen weltweit vor“, fasste er zusammen.
PR24/ps