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Warschauer Ausstellung thematisiert Grenzkrise mit Belarus durch Gerüche

19.10.2026 12:22
Mit Gerüchen und einem ungewöhnlichen Experiment mit einem Spürhund zeigt eine Ausstellung in Warschau die Erfahrungen von Migranten an der polnisch-belarussischen Grenze. Die Schau „Odwrażliwianie“ („Desensibilisierung“) der Künstlerin Karolina Grzywnowicz ist bis zum 10. Januar 2027 in der Nationalgalerie Zachęta zu sehen.
Die Ausstellung Odwrażliwianie (Desensibilisierung) der Knstlerin Karolina Grzywnowicz ist noch bis zum 10. Januar 2027 in der Nationalgalerie Zachęta in Warschau zu sehen.
Die Ausstellung „Odwrażliwianie“ („Desensibilisierung“) der Künstlerin Karolina Grzywnowicz ist noch bis zum 10. Januar 2027 in der Nationalgalerie Zachęta in Warschau zu sehen. PAP/Szymon Pulcyn

Im Mittelpunkt steht eine Installation, die in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Geruchsforscherin Pamela Dalton vom Monell Chemical Senses Center in Philadelphia entstanden ist. Gemeinsam rekonstruierten sie den sogenannten „Geruch der Reise“, der mit Migranten verbunden wird, die vor einigen Jahren nach wiederholten Versuchen, nach Polen zu gelangen, tagelang oder wochenlang im Wald von Białowieża ausharrten. Der Geruch setze sich aus Cortisol, der Feuchtigkeit des Waldes und nasser Kleidung zusammen, erklärte die Kuratorin Katarzyna Kołodziej-Podsiadło.

Der rekonstruierte Duft befindet sich in Glasgefäßen, die auf moosbewachsenen Felsbrocken aus dem Wald angebracht sind. Ein begleitender Film zeigt ein Experiment mit einem Spürhund. Das Tier wird zunächst darauf trainiert, den Geruch zu erkennen, und anschließend dafür belohnt, ihn zu ignorieren. Das Verfahren der Desensibilisierung wird auch in der Traumatherapie eingesetzt, um die Reaktion auf belastende Reize schrittweise zu verringern.

Die Ausstellung zieht eine Parallele zwischen diesem psychologischen Prozess und der Gefahr, dass sich die Öffentlichkeit an menschliches Leid gewöhnt und zunehmend gleichgültig darauf reagiert. Weitere Arbeiten zeigen unter anderem Wärmebildaufnahmen aus dem Wald, in dem die Temperaturen nachts bis nahe an den Gefrierpunkt sinken.

Humanitäre Krise an der Grenze

Die polnisch-belarussische Grenze wurde 2021 zum Schauplatz einer lang anhaltenden humanitären Krise. Migranten aus dem Nahen Osten und Afrika gerieten zwischen die Grenzschutzmaßnahmen, wiederholte Zurückweisungen und die gefährlichen Bedingungen im Wald. Die polnische Regierung und die EU warfen Belarus vor, Migration gezielt als politisches Druckmittel einzusetzen. Heute wird die Grenze durch einen Stahlzaun sowie elektronische Überwachungssysteme mit Kameras und Sensoren gesichert. Polens Innenminister Marcin Kierwiński erklärte im Juni, im ersten Quartal 2026 habe es keine erfolgreichen illegalen Grenzübertritte von Belarus nach Polen gegeben.

Bei der Entwicklung der Ausstellung wurde die Künstlerin von der Stiftung Ocalenie beraten, die Migranten an der Grenze humanitäre und rechtliche Unterstützung geleistet hatte. Grzywnowicz beschäftigt sich in ihren Arbeiten regelmäßig mit Geruch, Sehen und Hören als Ausdruck menschlicher Erfahrungen und Formen des Widerstands.

Ihre früheren Projekte thematisierten unter anderem palästinensische Mütter, die angesichts von Bombardierungen Schlaflieder singen, sowie improvisierte Schutzmasken gegen Tränengas bei Protesten in Myanmar, Venezuela und im Westjordanland.

Die Ausstellung in der Warschauer Nationalgalerie Zachęta läuft bis zum 10. Januar 2027.


IAR/jc

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