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Tusk wirft politischen Gegnern „Dummheit“ und „Verrat“ vor

31.10.2026 22:55
Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat seinen politischen Gegnern im eskalierten Streit um das Verfassungsgericht vorgeworfen, die Demokratie und den Rechtsstaat zu zerstören. In einer Fernsehansprache sprach er von möglichen Motiven wie „Gier, Dummheit oder Verrat“. In bestimmten Fragen könne es keinen Kompromiss geben, betonte der Regierungschef.
Premier Donald Tusk
Premier Donald TuskPAP/Paweł Supernak

Die Ereignisse vor dem Verfassungsgericht seien empörend, sagte Tusk. Er warf der nationalkonservativen PiS und den früheren sowie dem amtierenden Präsidenten Andrzej Duda und Karol Nawrocki vor, zur Zerstörung des Rechtsstaates beizutragen. „Geschrei, Lügen und Prügeleien können in Polen nicht die Quelle des Rechts sein – und sie werden es auch nicht sein“, sagte Tusk.

Zugleich verteidigte er das Vorgehen seiner Regierung. Diese habe wiederholt versucht, mit politischen Gegnern eine gemeinsame Lösung zur Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit zu finden. Vorschläge für entsprechende Beschlüsse und Gesetze seien jedoch von der PiS und dem Präsidenten blockiert worden. Die neu gewählten Verfassungsrichter hätten ihren Amtseid abgelegt, könnten ihre Arbeit aber nicht aufnehmen, weil der Präsident den Eid nicht entgegengenommen und Gerichtspräsident Bogdan Święczkowski sie daran gehindert habe.

Tusk kritisierte insbesondere den Auftritt Nawrockis am Sitz des Verfassungsgerichts. Ein Politiker dürfe nicht in ein Gericht eindringen, dort Anweisungen erteilen oder Richter einschüchtern – auch dann nicht, wenn er Staatsoberhaupt sei.

Der Konflikt war am Freitag eskaliert, nachdem die dienstälteste Richterin Anna Korwin-Piotrowska die Leitung der Arbeit des Verfassungsgerichts übernommen hatte. Sie löste damit den bisherigen Präsidenten Święczkowski ab. Vor dem Gebäude kam es zu Protesten und Auseinandersetzungen. PiS-Chef Jarosław Kaczyński sprach von einem Staatsstreich.

Präsident Nawrocki unterbrach wegen der Krise seine Reise nach Senegal und kehrte nach Polen zurück. Bei seinem Besuch am Verfassungsgericht kam es zu Rangeleien mit Richtern. Am Samstag führte er Gespräche mit Vertretern mehrerer Parlamentsparteien. Die Regierungsparteien Bürgerkoalition und Linke nahmen daran nicht teil.

Der Streit um das Verfassungsgericht schwelt seit 2015. Damals hatte die PiS-Regierung mehrere Richter berufen lassen, deren Ernennung von der Opposition und später auch von europäischen Institutionen kritisiert wurde. Seit dem Regierungswechsel Ende 2023 versucht die Koalition unter Tusk, die Folgen der damaligen Justizreformen rückgängig zu machen. 

IAR/PAP/jc

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