Deutsche Redaktion

Experte: Russlands Desinformation zielt auf Umkehr der Verantwortung

02.03.2026 10:31
Nach der Verletzung des polnischen Luftraums durch russische Drohnen im September 2025 hat Moskau umgehend eine koordinierte Desinformationskampagne gestartet. Ziel sei es gewesen, „die Verantwortung umzudrehen und Polen als eskalierende Konfliktpartei darzustellen“, sagte der Experte Wojciech Kotowicz von der Universität Ermland-Masuren.
Desinformation zielt nicht immer auf berzeugung  oft reicht es, Zweifel zu sen, meint der Experte.
Desinformation zielt nicht immer auf Überzeugung – oft reicht es, Zweifel zu säen, meint der Experte.PR

Der Vorfall in der Nacht vom 9. auf den 10. September, als russische Drohnen im Zuge eines massiven Angriffs auf die Ukraine auch in den polnischen Luftraum eindrangen, sei ein Beispiel dafür, wie russische Informationsoperationen in Echtzeit funktionierten. „Innerhalb von buchstäblich Stunden“ nach der Bestätigung des Zwischenfalls hätten russische Staatsmedien und Trollfabriken eine Kampagne gestartet, um von der eigenen Aggression abzulenken, sagte Kotowicz.

Dabei seien mehrere alternative Narrative verbreitet worden. Eines habe suggeriert, die Drohne könne ukrainisch gewesen sein und werde bewusst als russisch dargestellt, um eine Eskalation zu rechtfertigen und die Nato in einen direkten Konflikt hineinzuziehen. Ein zweites – „ebenso absurd, aber effektiv verbreitet“ – habe selbst im Fall einer russischen Drohne von einem „technischen Fehler“ oder einer „versehentlichen Kursabweichung“ gesprochen. Die polnische Reaktion sei als „hysterisch“ und „provokativ“ bezeichnet worden.

„Es geht nicht darum, alle Polen von einer prorussischen Haltung zu überzeugen“, sagte der Wissenschaftler. Russland wisse, dass das unmöglich sei. „Ziel ist es, Verwirrung zu stiften, das Vertrauen in offizielle Informationsquellen zu untergraben, politische Spaltungen zu vertiefen und die polnische Einheit angesichts der Bedrohung zu schwächen.“

Nach seinen Angaben zeichnet die russische Propaganda Polen systematisch als „Aggressor“ und „Provokateur“ sowie als russophoben, unsouveränen Staat, der lediglich ein Instrument der USA sei. Zu den dominierenden Narrativen gehörten auch Behauptungen über eine angebliche Annexion der Westukraine durch Warschau sowie Darstellungen Polens als Land in einer tiefen Wirtschaftskrise infolge der Unterstützung für die Ukraine und der Sanktionen gegen Russland.

„Das Ziel ist die vollständige Diskreditierung Polens als Führungsnation in der Region Osteuropa und als verlässlicher Partner in der Nato“, sagte Kotowicz.


PAP/jc

 

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