Höhere Ölpreise infolge der Spannungen um den Iran sowie der militärischen Aktionen der USA und Israels könnten die Haushaltslage Russlands im Jahr 2026 deutlich verbessern. Das geht aus einer Analyse des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts hervor. Dem Bericht zufolge versuche die russische, durch hohe Militärausgaben belastete Wirtschaft im Jahr 2025, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Dies spiegele sich unter anderem in der geplanten Begrenzung der Militärausgaben auf 6,3 Prozent des BIP wider.
Trotz höherer Einnahmen aus Öl und Gas bleibe die russische Wirtschaft jedoch in einer schwierigen Lage: Das BIP-Wachstum sei schwach, die Inflation steige, und die Exporterlöse aus Rohstoffen gehen infolge der Sanktionen zurück. Die Finanzierung des Krieges in der Ukraine sei dadurch jedoch nicht unmittelbar gefährdet. Bei sinkenden Energiepreisen sollen die Behörden die Steuerlast erhöhen und die Kosten auf Unternehmen und Gesellschaft abwälzen können. Parallel treibe der Kreml ehrgeizige, als wenig realistisch eingeschätzte Pläne zur Unabhängigkeit von westlichen Technologien und zum Umbau der Wirtschaft voran. Unter den Bedingungen eines anhaltenden Konflikts und innerer Spannungen könnte dies jedoch zu zusätzlichen politischen Auseinandersetzungen führen, so die Analyse.
Russland profitiert vom Krieg im Iran. „Mehr Geld für den Konflikt in der Ukraine“
Der Experte Marek Zuber betonte im Gespräch mit dem Polnischen Rundfunk, Moskau könne vom Krieg im Nahen Osten „in vielen Bereichen“ profitieren. „Der erste naheliegende Punkt im Zusammenhang mit den Entscheidungen von Donald Trump ist das Potenzial für höhere Verkäufe von Öl und Gas, insbesondere von Öl. Das bedeutet, dass Russland mehr Geld für die Finanzierung des Krieges in der Ukraine haben wird. Wir wissen schließlich, dass ein Großteil der Exporterlöse genau dafür verwendet wird“, sagte der Ökonom.
Ihm zufolge könne Russland derzeit mehr Energierohstoffe verkaufen deren Preise deutlich höher seien. „Zwar verkauft der Kreml Öl und Gas günstiger, in der Regel mit einem Abschlag von 15 bis 20 Prozent. Doch selbst mit diesem Rabatt verdient Russland mehr, wenn die Weltmarktpreise steigen. Anders gesagt: Wenn Brent-Öl 110 statt 70 Dollar kostet, wird auch russisches Öl teurer, bleibt aber entsprechend günstiger. Das führt zu höheren Einnahmen für den Kreml-Haushalt“, fügte Marek Zuber hinzu.
Der Experte betonte zudem, die Ukraine sei im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran „nicht mehr die Konfliktnummer eins weltweit“. „Das ist eine schlechte Nachricht für die Ukrainer – auch mit Blick auf die Wahrnehmung ihrer Lage in den Medien. Zugleich ist es gut für Russland“, so Zuber. Seiner Ansicht nach könnte deshalb auch die militärische Hilfe aus den USA für Kiew abnehmen. „Ein weiterer Punkt ist die Verfügbarkeit von Waffen, die nun mit Sicherheit geringer sein wird. Wir wissen allerdings nicht genau, wie viele Geschosse im Nahen Osten eingesetzt wurden“, resümierte der Gast des polnischen Rundfunksenders PR24.
PR24/ps