Nach Recherchen der Tageszeitung „Rzeczpospolita“ seien Anteile an der Kryptowährungsbörse Zondacrypto an drei in den Vereinigten Arabischen Emiraten registrierte Gesellschaften übertragen worden. Diese wurden wiederum von Firmen aus Luxemburg kontrolliert, die Sylwester Suszek gehören – dem unter mysteriösen Umständen verschwundenen Gründer der Börse. Alle drei mit Zondacrypto verbundenen Gesellschaften in Dubai seien über anonyme Treuhänder gegründet worden. Solche Schemata würden häufig von russischen Oligarchen genutzt, um illegale Mittel zu investieren und internationale Sanktionen zu umgehen. Der russische Kontext sei, so die Einschätzung im Artikel, mehr als deutlich.
Marionette für Bitcoins
Die Vereinigten Arabischen Emirate sind in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Hub für „graues“ Kapital aus dem Osten geworden. Wie „Rz“ berichtet, sei ein Staatsbürger der VAE Anteilseigner der Gesellschaften. Er habe seine Staatsbürgerschaft „zur Verfügung gestellt“ und lediglich als Marionette ohne realen Zugang zu den Bankkonten fungiert. Nach Angaben der Zeitung habe sich Suszek nicht zufällig für diese Form der Vermögensanlage entschieden. Hinter den Firmen in Dubai würden Gesellschaften mit Sitz in Luxemburg stehen, darunter eine mit Investitionen in Immobilien und eine weitere an der Börse. Nach von den Diensten erhalten Informationen seien über Suszeks Kryptowährungsbörse enorme Geldsummen von Kriminellen aus der Mafia und von dubiosen Geschäftsleuten geflossen. Ziel dieser Operationen soll die Legalisierung der Mittel gewesen sein. Suszek soll für den Schutz gezahlt haben.
Der „Schlüssel" ist der Schlüssel zu Suszeks Schicksal
Eine zentrale Rolle in der Angelegenheit würden private Schlüssel zu Kryptowährungs-Wallets spielen. Sie ermöglichen den Zugang zu den angesammelten Mitteln. Ein solcher Schlüssel bestehe aus einer langen Zeichenfolge, die manche Menschen sich auf die Haut tätowieren oder auf charakteristischen Gegenständen festhalten. Wenn nur Suszek den Schlüssel zu einer enormen Menge an Bitcoins kannte und diese bis heute nicht abgehoben wurden, stelle sich die Frage nach seinem Schicksal. „Beantworten Sie sich die Frage, was geschehen sein könnte und warum“, sagt ein Gesprächspartner der „Rz“.
Zondacrypto-Affäre
Die Krise rund um Zondacrypto spitzt sich seit Freitag zu, als die Staatsanwaltschaft in Südpolen Ermittlungen gegen die Börse eingeleitet hat. Nach Angaben der Ermittler können derzeit Hunderte Menschen nicht auf die von ihnen in Kryptowährungen eingezahlten Mittel zugreifen. Zum Zeitpunkt der Einleitung des Verfahrens am 17. April belief sich der geschätzte Schaden auf rund 80 Millionen Euro. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft dürfte sowohl diese Summe als auch die Zahl der mutmaßlich Geschädigten weiter steigen. „Der Fall Zondacrypto ist eindeutig eine Affäre. Würde er eine Bank betreffen, würden wir von dem größten Finanzskandal des Jahrzehnts sprechen. Würde er Investmentfonds betreffen, würden wir von einem großen Betrug sprechen", sagte Finanzminister Andrzej Domański zu der Affäre gegenüber Medien.
Die Affäre entwickelt sich zu einem wachsenden Problem für den polnischen Sport, da Zondacrypto als Sponsor in mehreren Disziplinen präsent ist. Zu den Betroffenen, die keinen Zugriff auf ihre Guthaben haben, gehören auch Sportler. Das Unternehmen sollte ihnen Prämien in Form von Token im Wert von 320.000 Euro auszahlen. Zondacrypto ist weiterhin Sponsor des Erstligisten Lechia Gdańsk und an mehreren internationalen Sportpartnerschaften beteiligt, darunter mit italienischen Fußballvereinen sowie bei Radsportveranstaltungen.
Zur Börse Zondacrypto gehört ein Wallet mit 4,5 Tausend Bitcoins im Wert von über 300 Millionen US-Dollar. Die Schlüssel dazu befinden sich im Besitz des verschwundenen Gründers des Vorgängers von Zondacrypto - der Börse BitBay, Sylwester Suszek. Der als der „König der Kryptowährungen“ bezeichnete Pole ist im März 2022 verschwunden.
Rz/businessinsider/ps