Deutsche Redaktion

Ex-Außenminister Olechowski mit 78 Jahren gestorben

27.04.2026 06:37
Der frühere polnische Außenminister Andrzej Olechowski ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Olechowski galt als eine der prägenden Figuren der politischen und wirtschaftlichen Transformation Polens nach dem Ende des Kommunismus in den 1990er-Jahren.
Andrzej Olechowski nie żyje. Miał 78 lat
Andrzej Olechowski nie żyje. Miał 78 latBeata Zawrzel/East News

Olechowski war von 1993 bis 1995 Außenminister in der Regierung von Waldemar Pawlak. In dieser Funktion reichte er im April 1994 offiziell den Antrag Polens auf Beitritt zur Europäischen Union ein – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur späteren EU-Mitgliedschaft des Landes. Zuvor hatte er 1992 das Amt des Finanzministers im Kabinett von Jan Olszewski inne.

Im Jahr 2001 gehörte Olechowski gemeinsam mit dem heutigen Ministerpräsidenten Donald Tusk und dem konservativ-liberalen Politiker Maciej Płażyński zu den Mitbegründern der liberal-konservativen Partei Bürgerplattform (PO). Die Partei entwickelte sich zu einer der dominierenden politischen Kräfte in Polen und stellt heute im Bündnis der Bürgerkoalition (KO) die Regierung.

Tusk würdigte Olechowski in den sozialen Medien als „Politiker, Diplomaten und einen der drei Tenöre der Bürgerplattform“. Auch Verteidigungsminister und Vizepremier Władysław Kosiniak-Kamysz erklärte, Olechowski habe sich „zutiefst für öffentliche Angelegenheiten engagiert“ und maßgeblich an den Grundlagen der demokratischen Transformation Polens mitgewirkt.

Geboren am 9. September 1947 in Krakau, studierte Olechowski Wirtschaftswissenschaften in Warschau und promovierte dort. Weitere Studien führten ihn nach Genf. Er arbeitete unter anderem für die United Nations Conference on Trade and Development sowie für die World Bank.

Im Jahr 2000 kandidierte Olechowski als unabhängiger Bewerber bei der Präsidentschaftswahl und belegte mit 17,3 Prozent der Stimmen den zweiten Platz hinter Amtsinhaber Aleksander Kwaśniewski. Nach einer erfolglosen Kandidatur für das Amt des Warschauer Oberbürgermeisters im Jahr 2002 zog er sich schrittweise aus der Politik zurück und verließ 2009 die Bürgerplattform.

Neben seiner politischen Tätigkeit war Olechowski auch als Hochschullehrer aktiv und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zu wirtschafts- und außenpolitischen Themen. Der frühere Präsident Bronisław Komorowski bezeichnete ihn als „einen Mann von Format“ und „Vorbild im öffentlichen Dienst“.


PAP/jc