Deutsche Redaktion

Freigelassener Poczobut will zurück nach Belarus

11.05.2026 10:48
Der aus belarussischer Haft freigekommene Journalist Andrzej Poczobut, hat die Folgen seiner fünfjährigen Gefangenschaft als tiefe persönliche und familiäre Belastung beschrieben. „Man hat mir etwas genommen, das sich nicht zurückholen lässt“, sagte Poczobut im Interview mit dem Nachrichtenportal Wirtualna Polska. Besonders schwer wiege für ihn die verlorene Zeit mit seinen Kindern.
Andrzej Poczobut zamieścił wpis, w którym poinformował o swoim stanie zdrowia
Andrzej Poczobut zamieścił wpis, w którym poinformował o swoim stanie zdrowiaANDRZEJ IWANCZUK/REPORTER

Poczobut war Ende April im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen worden. Der Journalist der „Gazeta Wyborcza“ hatte seit März 2021 in belarussischen Gefängnissen und Straflagern gesessen und war 2023 wegen angeblicher „Extremismus“-Vorwürfe zu acht Jahren Haft verurteilt worden.

Der 53-Jährige befindet sich derzeit in einem Krankenhaus in Warschau. Die Freiheit empfinde er bislang „als schwierig“, sagte er. Noch immer leide er unter Schlafstörungen und den psychischen Folgen der Haft. „Ich funktionierte jahrelang in ständiger Anspannung“, erklärte Poczobut. In Einzelhaft habe er nachts Liegestütze gemacht, um sich bei Kälte warmzuhalten.

Besonders belastend sei für ihn die Trennung von seiner Familie gewesen. Als er verhaftet wurde, sei sein Sohn noch ein Kind gewesen. „Er brauchte mich damals am meisten“, sagte Poczobut. Heute sei der Sohn erwachsen. „Im Gefängnis dachte ich, dass gerade er das größte Opfer ist. Das schmerzt am meisten.“

Zugleich kündigte Poczobut an, nach Belarus zurückkehren zu wollen, obwohl er erneute Repressionen fürchtet. „Die Gefahr ist real“, sagte er. Er hoffe dennoch, wieder nach Grodno zurückkehren zu können. Dort lebten seine Familie und die polnische Minderheit, für die er sich seit Jahrzehnten engagiere.

Über seine Haftbedingungen berichtete Poczobut von Isolation, Hunger und psychischem Druck. In der Strafkolonie in Nowopolazk habe die Gefängnisverwaltung versucht, ihn systematisch zu brechen. Mehrfach sei er wegen angeblicher Regelverstöße in den Karzer gesteckt worden. „In einem belarussischen Gefängnis hat man keine Rechte“, sagte er. Dennoch habe ihm sein Glaube geholfen, die Zeit zu überstehen.

Trotz der Haft empfinde er keinen Hass auf Machthaber Alexander Lukaschenko. „Ich sehe darin vor allem ein System der Unterdrückung“, erklärte Poczobut.

 

WP/jc

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