Polens Vize-Verteidigungsminister Cezary Tomczyk kündigte im Sender Polsat News an, US-Soldaten würden binnen etwa acht Wochen nach Polen zurückkehren. „Wir werden diese Zahl von etwa 10.000 Soldaten erreichen“, sagte er. Ziel sei eine dauerhafte Präsenz amerikanischer Truppen im Land. Als mögliche Standorte einer künftigen US-Basis nannte Tomczyk die Umgebung von Posen und Breslau.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte im Juni eine Überprüfung der amerikanischen Truppen und Stützpunkte in Europa angekündigt, die bis zu sechs Monate dauern soll. US-Präsident Donald Trump sagte nach dem NATO-Gipfel in Ankara, über einen möglichen Abzug amerikanischer Soldaten aus Europa sei noch nicht endgültig entschieden. Viel hänge auch von einer Vereinbarung über Grönland und vom Krieg mit Iran ab.
Baltische Staaten sehen Polen als regionalen Testfall
In Litauen wird die polnische Entwicklung als regionaler Testfall gesehen. Der litauische Verteidigungsminister sagte dem öffentlichen Rundfunk LRT: „Es ist natürlich, dass, wenn günstige Entscheidungen gegenüber Polen fallen, angenommen werden kann, dass ähnliche Lösungen auch gegenüber Litauen angewendet werden.“ Seit 2019 stationieren die USA in Litauen rotierende Bataillone; nach Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine wurde daraus eine ununterbrochene Rotation von rund 1.000 US-Soldaten. Auch Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur erklärte, die rotierende Präsenz amerikanischer Truppen in Estland werde fortgesetzt. Eine neue Rotation solle noch in diesem Sommer eintreffen.
Für die baltischen Staaten gibt es zugleich nach Ankara eine konkrete sicherheitspolitische Änderung: Die NATO wandelt die seit 2004 bestehende Mission Baltic Air Policing in eine Luftverteidigungsmission um. Litauens Präsident Gitanas Nausėda wertete dies als eines der wichtigsten Ergebnisse des Gipfels in Ankara. Estlands Verteidigungsminister Pevkur relativierte die Wirkung für die Öffentlichkeit: Die Menschen in den baltischen Staaten würden die Veränderung nicht spüren; militärisch gehe es um mehr Flexibilität und kürzere Reaktionszeiten.
Litauen, Lettland und Estland hatten seit der russischen Vollinvasion in der Ukraine 2022 auf eine solche Aufwertung gedrängt. Bislang überwachen NATO-Kampfjets von Basen in Litauen und Estland aus den baltischen Luftraum und fangen unter anderem russische Militärflugzeuge ab oder begleiten sie, wenn diese nahe am Luftraum der baltischen Staaten operieren.
IAR/PAP/adn