Deutsche Redaktion

"Abkühlung der polnisch-ukrainischen Beziehungen"

29.08.2025 09:59
Das Veto von Karol Nawrocki gegen die Unterstützung für ukrainische Staatsbürger in Polen hat nicht nur hierzulande sondern auch in Tschechien große Aufmerksamkeit erregt, berichtet Business Insider Polska. Polen investiert unter den NATO-Ländern, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, am meisten in die Verteidigung. Und: Viele Polen fragen lieber Suchmaschinen um Rat, als Apotheker. Mehr dazu in der Presseschau.
Flagi Polski i Ukrainy na krakowskim Rynku Głównym
Flagi Polski i Ukrainy na krakowskim Rynku GłównymShutterstock

BUSINESS INSIDER POLSKA: Abkühlung der polnisch-ukrainischen Beziehungen

Das Veto von Karol Nawrocki gegen die Unterstützung für ukrainische Staatsbürger in Polen hat nicht nur hierzulande sondern auch in Tschechien große Aufmerksamkeit erregt, berichtet Business Insider Polska. Dortige Journalisten und Experten stellen fest, dass sich die Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine in letzter Zeit spürbar abgekühlt haben.

Kommentatoren zufolge ist der Hauptgrund für die Spannungen die weiterhin nicht vollständig aufgearbeitete Frage des Massakers von Wolhynien. Ein tschechischer Journalist bezeichnete die Ereignisse vor über 80 Jahren als Achillesferse der polnisch-ukrainischen Beziehungen. Dieses Thema sei nach wie vor höchst sensibel in der polnischen Gesellschaft und spiegele sich entsprechend in politischen Entscheidungen wider. Das Blatt erinnert daran, dass Karol Nawrocki bereits im Juli den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aufgefordert hatte, eine umfassende Exhumierung in Wolhynien zu genehmigen.

Weiter heißt es, dass sich im Programm von Nawrocki, einem Konservativen, der von der oppositionellen PiS unterstützt wird, auch andere antiukrainische Vorschläge finden. Dazu zählen etwa die Verschärfung der Strafen für illegale Migration, eine Verlängerung der Wartezeit auf die Staatsbürgerschaft sowie die rechtliche Gleichstellung ukrainischer nationalistischer Symbole mit nationalsozialistischen Symbolen.

Polen habe den Eindruck, der Ukraine bereits umfassend geholfen zu haben – durch die Aufnahme von Flüchtlingen, die Bereitstellung von Wohnungen und die Lieferung von Waffen. Nun aber fühle man sich von Selenskyj „verraten“, da dieser sich stärker an größere Partner wie Deutschland und Frankreich annähere, so der in Polen lebende tschechische Politologe Jan Lupomesky. Nach seiner Einschätzung wächst die Abneigung gegenüber der Ukraine in Polen im gesamten politischen Spektrum. Sowohl rechte als auch linke Politiker würden es heute kaum wagen zu behaupten, dass die Polen ihr Leben für die Ukrainer riskieren würden, lesen wir in Business Insider Polska.

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Polen als Vorzeigebeispiel

Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen erreicht die NATO ihr ehrgeiziges Ziel: Alle Mitgliedstaaten werden in diesem Jahr mindestens 2 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben. An der Spitze dieser Entwicklung steht Polen, das selbst mächtigere Verbündete überholt und zur Führungsnation aufsteigt, wie Dziennik/Gazeta Prawna berichtet.

Nach den neuesten NATO-Schätzungen werden in diesem Jahr alle Mitgliedstaaten mit Ausnahme Islands die 2-Prozent-Schwelle erreichen. Dies stellt einen erheblichen Fortschritt dar, verglichen mit dem NATO-Gipfel 2014 in Wales, als vereinbart wurde, dieses Ziel innerhalb von zehn Jahren anzustreben. Bereits 2024 haben 22 Staaten – darunter auch Deutschland – das Ziel erreicht. Für 2025 sind die Prognosen noch optimistischer: Selbst Spanien, Italien und Belgien planen, mindestens 2 Prozent ihres Haushalts in die Verteidigung zu investieren.

Polen hebt sich besonders hervor: Mit 4,48 Prozent seines BIP investiert es mehr als jedes andere NATO-Land. Damit liegt es noch vor Litauen (4 %) und Estland (3,38 %). Die USA, traditionell führend bei den absoluten Verteidigungsausgaben, erreichen 2025 voraussichtlich 3,22 Prozent. Deutschland hingegen wartet trotz politischer Ankündigungen weiterhin auf die endgültige Verabschiedung seines Haushalts.

Polens Präsident Karol Nawrocki kündigte vor kurzem am Tag der polnischen Armee an, sich sogar für 5 Prozent des BIP einzusetzen. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz formulierte das Ziel, Polen solle innerhalb von fünf Jahren einen Platz auf dem Podium der NATO in Bezug auf operative Fähigkeiten einnehmen, fasst Dziennik/Gazeta Prawna zusammen.

SUPER EXPRESS: Warum viele Polen eher Suchmaschinen als Apotheker um Rat fragen

Warum wenden wir uns häufiger an eine Suchmaschine als an einen Apotheker? Obwohl über 66 Prozent der Polen angeben, dass es sinnvoll sei, einen Apotheker zu konsultieren, tun dies gerade jüngere Menschen nur selten – oft aus Scham oder mangelndem Bewusstsein über das Fachwissen von Apothekern, berichtet Super Express.

Eine landesweite Umfrage zeigt: Apotheker bleiben ein unterschätzter Ansprechpartner in Gesundheitsfragen. 43 Prozent der Befragten – vor allem im Alter zwischen 25 und 44 Jahren – suchen vor dem Gang in die Apotheke lieber im Internet oder fragen KI-Assistenten. Gleichzeitig halten jedoch 67 Prozent der Polen die Beratung durch Apotheker für wertvoll; in der ältesten Altersgruppe steigt dieser Wert sogar auf 77 Prozent.

Apotheker sind leicht erreichbar, da sie ohne Termin zur Verfügung stehen und oft schneller helfen, als Patienten es erwarten. Häufig sind sie es, die erste Anzeichen einer Erkrankung erkennen und zu einer ärztlichen Abklärung raten. Zudem sind sie nach entsprechender Qualifikation befugt, Impfungen durchzuführen. „Der Apotheker sollte nicht nur als jemand gesehen werden, der Medikamente ausgibt, sondern als Fachmann im Bereich Gesundheitsvorsorge“, betont Artur Schab, Experte für den Pharmamarkt.

Bemerkenswert ist, dass jeder fünfte Befragte zugibt, bestimmte Produkte in der Apotheke mit einem Gefühl der Verlegenheit zu kaufen. In der jüngsten Altersgruppe betrifft dieses Unbehagen sogar die Hälfte der Kunden. Viele verzichten deshalb auf Rückfragen – obwohl gerade ein Gespräch mit dem Apotheker helfen könnte, das passende Produkt zu finden oder Unsicherheiten zu klären, so Super Express.

Autor: Jakub Kukla

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