Deutsche Redaktion

"Putin spielt mit Trump „stilles Telefon“"

29.12.2025 12:30
Die polnische Presse analysiert das letzte Treffen zwischen Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj und Trump in Mar-a-Lago. Und: Welche Lehren zieht Tallinn aus dem Ukraine-Krieg? Und was bedeutet das für Polen? Mehr dazu in der Presseschau.
Ein Standbild aus einem Video, das am 27. Dezember 2025 vom Kreml.ru zur Verfgung gestellt wurde, zeigt den russischen Prsidenten Wladimir Putin whrend eines Besuchs in einem Kommandoposten der russischen Armee inmitten des russisch-ukrainischen Konflikts an einem unbekannten Ort. Russische Streitkrfte haben die Stadt Dimitrov (Mirnograd) in de
Ein Standbild aus einem Video, das am 27. Dezember 2025 vom Kreml.ru zur Verfügung gestellt wurde, zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin während eines Besuchs in einem Kommandoposten der russischen Armee inmitten des russisch-ukrainischen Konflikts an einem unbekannten Ort. Russische Streitkräfte haben die Stadt Dimitrov (Mirnograd) in deEPA/KREMLIN.RU / HANDOUT HANDOUT NUR FÜR REDAKTIONELLE ZWECKE/KEIN VERKAUF

RZECZPOSPOLITA: Putin spielt mit Trump „stilles Telefon“

Rusłan Szoszyn analysiert in seinem Kommentar für die konservativ-liberale Rzeczpospolita die festgefahrenen Friedensverhandlungen rund um den Krieg in der Ukraine. Der amerikanische Präsident, so der Autor, habe offensichtlich damit gerechnet, den Krieg in der Ukraine noch vor Jahresende beenden zu können – er habe sich einmal mehr verrechnet.

Nach dem Treffen Trumps mit Selenskyj in Mar-a-Lago und dem vorangegangenen Telefonat mit Putin zeige sich, dass das umstrittenste Thema – die Frage des Donbass – weiterhin ungelöst bleibe. Putin spiele seit Monaten mit Trump „stilles Telefon“. Er präsentiere seine Forderungen und erwarte, dass die Amerikaner die Ukrainer zu territorialen Zugeständnissen zwingen. Wenn seine Vorschläge, korrigiert durch die Ukraine und Europa, über Trump zu Putins Ohren zurückkehrten, wiederhole der Kreml-Chef einfach seine ursprünglichen Thesen von Neuem.


Um seinen amerikanischen Gesprächspartner nicht zu entmutigen, täusche Putin Kompromissbereitschaft vor, indem er seine Zustimmung zu zweitrangigen Fragen signalisiere – etwa zur künftigen Nutzung der Energie aus dem Kernkraftwerk Saporischschja. Die fundamentalen Fragen blieben jedoch unverändert: Russland fordere den Rückzug der ukrainischen Streitkräfte aus dem gesamten Donbass und stimme nicht einmal einem Waffenstillstand für die Dauer eines möglichen Referendums in der Ukraine zu.

Dies bedeute, so Szoszyn, dass der russische Diktator seine Strategie in keiner Weise ändere. Mit Bomben, Drohnen und Marschflugkörpern wolle er Kiew zur Annahme ungünstiger Bedingungen zwingen, was zu Unruhen in der Ukraine führen und das seit über drei Jahren tapfer kämpfende Land destabilisieren oder gar zum Zerfall bringen könnte. „Uns bleibt nur, den Auftritt des amerikanischen Illusionisten weiter zu beobachten und die Hoffnung auf ein Wunder nicht zu verlieren“, schließt Rusłan Szoszyn in der Rzeczpospolita.

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Selenskyj im Theater für einen Zuschauer

Auch Michał Potocki vom Wirtschaftsblatt Dziennik/Gazeta Prawna präsentiert in der aktuellen Ausgabe eine schonungslose Analyse der gegenwärtigen Diplomatie. Im Jahr 2025 habe sich die Welt in ein „Theater für einen Zuschauer“ verwandelt – nach dem Motto aus Mickiewiczs „Redoute Ordon“: „Der Zar ist zornig: Wir sterben, um den Zaren zu erheitern.“



Die Staatschefs täten so, als stimmten sie Friedenslösungen zu, weil sie wüssten, dass es Trump nicht um den Frieden gehe, sondern um ein Stück Papier und eine Rechtfertigung für seine Prahlereien über acht beendete Kriege. Die FIFA stifte einen Friedenspreis, um Trumps Tränen nach der Enttäuschung über den ausgebliebenen Nobelpreis zu trocknen, und dieser hänge sich die Medaille – wie einst Napoleon die Krone – selbst um den Hals. Auch Selenskyj müsse so tun, als glaube er an das Genie des Zaren, nur damit dieser nicht wieder wütend werde wie am 28. Februar im Oval Office.

Im ganzen Lärm gehe eine Sache unter, so der Autor: Der Adressat aller Friedensbemühungen sei ausschließlich Trump. Selenskyj müsse dieses Spiel mitspielen, damit Trump glaube, er wolle mitspielen. Kiew habe gehofft, dies würde dazu führen, dass letztlich Putin den Plan ablehne, Trump sich ärgere und die Unterstützung auf die Ukraine verlagere. Doch Putin lehne den Plan ab – und nichts geschehe. Im Gegenteil: Russland werde immer brutaler. Man denke nur an den Beschuss Kiews vom 26. Dezember.

Der Autor verweist zudem auf ein neues Interview des stellvertretenden russischen Außenministers Sergej Riabkow für Interfax, in dem zu lesen sei, dass Russland die diskutierten Ideen nicht akzeptiere. Die russischen Ziele seien unverändert: die Kapitulation Kiews und die Degradierung Polens und seiner Nachbarn zurück in eine „Grauzone der Sicherheit“. Wie der Propagandist Wladimir Solowjow bei der Entgegennahme eines Ordens aus Putins Händen am 24. Dezember gesagt habe: „Der Krieg hat unserer Generation einen Sinn zurückgegeben.“ Dieser Sinn sei – so die bewusste Tautologie – der Krieg selbst, ohne den die Legitimation des Regimes zu Staub zerfallen würde, so Michał Potocki in Dziennik/Gazeta Prawna.

SUPER EXPRESS: Estlands Verteidigungsstrategie – ein Vorbild für Polen?

Marek Budzisz widmet sich in einer Analyse für das Boulevardblatt Super Express indes den Verteidigungsvorbereitungen Estlands und zieht daraus Schlussfolgerungen für Polen. Wie das Handelsblatt berichte, so Budzisz, habe die estnische Rüstungsindustrie 2020 einen Umsatz von 46 Millionen Euro erzielt – kein beeindruckender Wert. Doch 2024 seien es bereits 350 Millionen gewesen, und für 2030 plane man 30 Milliarden Euro. In dem Land mit 1,3 Millionen Einwohnern gebe es über 100 junge Rüstungsunternehmen, darunter viele mit ukrainischen Wurzeln.

Die estnischen Verteidigungsvorbereitungen, so der Autor, ruhten auf drei Säulen. Erstens baue Tallinn sein Artilleriepotenzial aus – mit südkoreanischen K9-Haubitzen, HIMARS-Raketensystemen und vor allem der Anlage bedeutender Munitionsvorräte. Die Aufgabe der Artillerie sei es, den Vormarsch des Gegners maximal zu verzögern und ihm hohe Verluste zuzufügen. Zweitens konzentriere sich Estland auf die Drohnenabwehr und entwickle seinen eigenen Produktionssektor. Drittens lege man großen Wert auf die Vorbereitung der Gesellschaft, ihre Widerstandsfähigkeit und Bereitschaft zum Widerstand.


Wie Budzisz betont, zähle die estnische Freiwillige Landesverteidigungsliga (Kaitseliit) 38.000 Mitglieder. Übertragen auf Polen müsste eine vergleichbare Organisation etwa 1,1 Millionen vorbereitete, ausgebildete und ausgerüstete Mitglieder haben. Estland verfüge über 7.000 Soldaten, 40.000 aktive Reservisten und ein Mobilisierungspotenzial von 85.000 Personen. Während Polens Streitkräfte proportional vergleichbar seien, hinke man bei der vorbereiteten Reserve und den Mobilisierungsmöglichkeiten deutlich hinterher.

Budzisz zitiert die Lehren aus dem Ukraine-Krieg: In der gegenwärtigen Phase der Kriegskunst sei die Verteidigung die „stärkere“ Form des Kampfes als der Angriff. Artillerie bleibe der „Gott des Krieges“, und Drohnen sowie Loitering Munition führten zu revolutionären Veränderungen auf dem Schlachtfeld. Entlang der Frontlinie sei eine kilometerweit tiefe „Todeszone“ entstanden, die die Manövrierfähigkeit einschränke und die Verteidigung zusätzlich stärke.

Der Autor zitiert den Experten Sandor Fabian, demzufolge die NATO ihr bisheriges Konzept überdenken müsse. Kleine Frontstaaten sollten sich auf den Ausbau ihrer Verteidigungsfähigkeiten konzentrieren und eine mehrschichtige, schwer zu durchbrechende Verteidigung aufbauen, anstatt universelle Streitkräfte zu schaffen. „Wenn die Russen angreifen, werden viele kleine europäische Armeen innerhalb weniger Tage vollständig vernichtet“, warnt Fabian. Man müsse davon ausgehen, dass die Russen in das Territorium der angegriffenen Ostflankenstaaten eindringen werden – was die Bedeutung einer mehrschichtigen Verteidigung und der gesellschaftlichen Widerstandsfähigkeit erhöhe, so Marek Budzisz in Super Express.

Autor: Adam de Nisau

RZECZPOSPOLITA: Vier Herausforderungen für Polen nach einem Waffenstillstand

28.12.2025 12:36
Bogusław Chrabota von der Rzeczpospolita skizziert vier zentrale Herausforderungen für Warschau, falls es zu einem Waffenstillstand in der Ukraine kommen sollte.

Trump: Ukraine-Friedensdeal nach Treffen mit Selenskyj „deutlich näher“

29.12.2025 07:00
Ukraines Selenskyj erklärte, Kiew und Washington stünden kurz vor einer Einigung über Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Trump sprach von einem Fortschritt von rund 95 Prozent. Eine zentrale Rolle sollen europäische Staaten übernehmen – mit Unterstützung der USA.

Ukrainische Presse: Treffen mit Trump ohne konkrete Ergebnisse

29.12.2025 10:22
Besonders kritisch bewerten Kommentatoren die Donbas-Frage. Das Portal Ukrajinska Prawda schreibt, Trump und Selenskyj hätten hier keine Lösung erzielt. Der Kiewer Publizist Witalij Portnikow sieht Anzeichen dafür, dass die US-Position in territorialen Fragen russischen Forderungen nahekommt.

Vize-Außenminister Bosacki: Ukraine muss keine Gebiete für Frieden aufgeben

29.12.2025 10:52
Die Ukraine sei derzeit nicht gezwungen, territoriale Zugeständnisse zu machen, um Frieden zu erreichen, meint Polens Vize-Außenminister Marcin Bosacki.