Deutsche Redaktion

RZECZPOSPOLITA: Vier Herausforderungen für Polen nach einem Waffenstillstand

28.12.2025 12:36
Bogusław Chrabota von der Rzeczpospolita skizziert vier zentrale Herausforderungen für Warschau, falls es zu einem Waffenstillstand in der Ukraine kommen sollte.
Donald Trump i Wołodymyr Zełenski
Donald Trump i Wołodymyr ZełenskiHANDOUT/AFP/East News

Die konservativ-liberale Rzeczpospolita widmet sich den Konsequenzen eines möglichen Waffenstillstands in der Ukraine für Polen. Bogusław Chrabota räumt ein, es sei schwer, an einen Waffenstillstand zu glauben, während Bomben auf Kiew fielen und Zivilisten stürben. Dennoch könne man nicht ausschließen, dass der blutige Konflikt an Polens Ostgrenze langsam auf eine Feuerpause zusteuere.

Das bevorstehende Treffen zwischen Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump in Mar-a-Lago könnte ein Schritt nach vorn sein, so der Autor, auch wenn kaum noch jemand glaube, dass der amerikanische Präsident über echte Druckmittel gegenüber Wladimir Putin verfüge. Dennoch könne Trump Maßnahmen ergreifen, die den Friedensprozess beschleunigten: einerseits wachsenden Zolldruck und potenzielle Sanktionspakete, andererseits zunehmende Unterstützung des Weißen Hauses für Sicherheitsgarantien nach dem Vorbild des Artikels 5 des NATO-Vertrags.

Chrabota skizziert vier zentrale Herausforderungen für Warschau. Erstens würden nach einem Waffenstillstand weder Polens Gegner noch die Sicherheitsfrage an der nordöstlichen NATO-Flanke verschwinden. Polen müsse seine Position als Führungsmacht im Sicherheitssystem und sein eigenes Verteidigungspotenzial viel intensiver ausbauen als bisher. Zweitens müsse Warschau seine Beteiligung an der Koalition der Willigen und am Sicherheitsgarantiesystem für die Ukraine neu durchdenken – denn es gelte: so viel polnische Beteiligung am Wiederaufbau der Ukraine, wie Engagement für Kiews Sicherheit.

Drittens werde die Beruhigung der Lage und der Wiederaufbau der Ukraine einen Teil der in Polen arbeitenden Ukrainer abziehen, was Turbulenzen auf dem Arbeitsmarkt verursachen werde. Die zunehmenden antiukrainischen Stimmungen – „politischer Treibstoff der Rechten, vor allem der Konfederacja und Grzegorz Brauns" – würden dem nicht entgegenwirken. Viertens werde der Friedensprozess Russlands internationale Position verändern. Putin werde den Erfolg seiner „Spezialoperation" verkünden und die schnelle Aufhebung der Sanktionen fordern. „Das wird prorusssischen Formationen in Europa Auftrieb geben. Wir haben eine solche bei uns; Braun wird diese Linie in Polen mit hybrider Unterstützung Moskaus vorantreiben. Und weil er immer stärker wird, kann er immer effektiver werden. Und vor dieser Effektivität sollten wir uns fürchten", warnt Bogusław Chrabota in der Rzeczpospolita.

rp/adn

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