Deutsche Redaktion

Streit um das Rüstungsprogramm SAFE: Wieso ein bloßes Veto Nawrocki nicht reicht

06.03.2026 13:38
Der polnische Präsident ist wegen des Gesetzes zum europäischen Rüstungsinstrument SAFE unter Druck geraten. PiS-Chef Kaczyński will morgen seinen Kandidaten für das Amt des Premierministers vorstellen. Und: Polnischer Schauspieler Jakub Gierszał über seinen Kulturschock zwischen deutschem und polnischem Schulsystem. Mehr dazu in der Presseschau.
Adam Glapiński i Karol Nawrocki na wspólnej konferencji prasowej
Adam Glapiński i Karol Nawrocki na wspólnej konferencji prasowejAndrzej Iwanczuk/REPORTER/East News

RZECZPOSPOLITA: Streit um das Rüstungsprogramm SAFE

Der polnische Präsident Karol Nawrocki ist wegen des Gesetzes zum europäischen Rüstungsinstrument SAFE unter Druck geraten. Deshalb versucht er nun, der nationalkonservativen Opposition entgegenzukommen und schlägt eine „polnische“, stärker souveränitätsorientierte Version des Programms vor. Dahinter steht jedoch eine unbequeme Wahrheit: Der Aufbau einer starken Armee wird teuer – und erfordert Opfer, über die Politiker nur ungern sprechen, stellt in seinem Kommentar in der Tageszeitung Rzeczpospolita der Publizist Michał Szułdrzyński fest.

Die gemeinsame Initiative von Präsident Nawrocki und dem Präsidenten der polnischen Nationalbank Adam Glapiński, die einen polnischen SAFE mit null Prozent Zinsen vorsieht, so der Autor, sei in der polnischen Politik wie ein Meteor eingeschlagen. Die Überraschung sei umso größer gewesen, als dass das SAFE-Instrument keineswegs neu ist. Der Mechanismus sei während der polnischen EU-Ratspräsidentschaft vor fast einem Jahr entstanden, und die Regierung habe ihre Liste geplanter Investitionen bereits Ende November nach Brüssel geschickt. Umso unerwarteter sei nun dieser neue Vorschlag aus der Nationalbank und dem Präsidentenpalast.

Der Zeitpunkt sei jedoch kaum zufällig, urteilt der Publizist. Auf dem Schreibtisch des Präsidenten liege inzwischen das Gesetz zur Umsetzung des Mechanismus für die Verwendung der europäischen Kreditmittel. Nawrocki müsse darüber entscheiden – und habe dafür nur etwas mehr als zwei Wochen Zeit. Plötzlich sei daher die Idee präsentiert worden, die rund 185 Milliarden Złoty an Reserven der Nationalbank für Rüstungskäufe zu nutzen.

Dabei, erinnert der Autor, habe sich die Bank zuvor nicht bereit gezeigt, vergleichbare Vorhaben zu finanzieren: weder beim Kauf der Kampfjets Lockheed Martin F-35 Lightning II im Jahr 2020 noch zwei Jahre später beim Erwerb südkoreanischer Panzer oder 2023 bei der Bestellung zusätzlicher Raketenwerfer M142 HIMARS. Der Krieg an Polens Ostgrenze dauere inzwischen seit vier Jahren an, und die Aufrüstung laufe längst auf Hochtouren – doch erst jetzt erscheine diese „geniale“ Finanzierungsidee, ironisiert Szułdrzyński.

Die Situation zeige, wie schwierig die Lage für Nawrocki sei. Umfragen zufolge würden fast 60 Prozent der Befragten eine Unterzeichnung des Gesetzes unterstützen. Gleichzeitig müsse der Staatspräsident Rücksicht auf sein eigenes politisches Lager nehmen – insbesondere auf Anhänger von PiS und der Konfederacja. PiS-Vorsitzender Jarosław Kaczyński habe den Präsidenten bereits zum Veto aufgefordert. Doch um auch Wähler der Konfederacja anzusprechen, reiche ein bloßes Veto nicht aus. Nawrocki habe zeigen müssen, dass er eine Alternative anbieten kann – ein „besseres“, souveräneres SAFE. Genau diese Rolle soll der neue Vorschlag erfüllen, lesen wir in der Rzeczpospolita.

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Wen zeigt Kaczyński auf?

Der Vorsitzende der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jarosław Kaczyński, will morgen bekannt geben, wer im Falle eines Wahlsiegs 2027 als Kandidat seiner Partei für das Amt des Premierministers antreten soll. Seit Wochen kursieren zahlreiche Spekulationen über mögliche Namen, stellt die Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna fest.

Zu den diskutierten Kandidaten gehört unter anderem Lucjusz Nadbereżny, Bürgermeister der Stadt Stalowa Wola, der im Umfeld der Partei als erfolgreicher Kommunalpolitiker gilt. Auch andere Politiker tauchten in den Spekulationen auf, darunter der Europaabgeordnete Tobiasz Bocheński, der ehemalige Warschauer Oberbürgermeisterkandidat Patryk Jaki, der Chef der Präsidialkanzlei Zbigniew Bogucki sowie der frühere Ministerpräsident Mateusz Morawiecki. Nach jüngsten Medienberichten setzt Kaczyński jedoch auf einen anderen Kandidaten: den früheren Bildungsminister Przemysław Czarnek. Innerhalb der Parteiführung soll er derzeit die besten Chancen haben.

Für seine Kandidatur sprechen mehrere Faktoren, urteilt die Zeitung. Czarnek gelte als Politiker mit besonders gutem Zugang zum sogenannten „harten Kern“ der PiS-Wählerschaft, der für die Mobilisierung im Wahlkampf entscheidend ist. Zudem handele es sich um eine Figur, die politisch und medial bereits umfassend geprüft wurde. Wie Gesprächspartner aus der Partei sagen, sei „über ihn bereits alles bekannt“. Das verringere das Risiko neuer kompromittierender Enthüllungen während des Wahlkampfs. Parteiintern werde jedoch auch auf mögliche Risiken hingewiesen. Einige PiS-Abgeordnete befürchten, dass eine Kandidatur Czarneks die Partei zu stark auf ihren ideologischen Kern ausrichten könnte. Ob das die richtige Strategie sei, um neue Wähler zu gewinnen, sei fraglich.

WRTUALNA POLSKA/ZWIERCIADŁO: Schauspieler Jakub Gierszał über seine Schulzeit in Deutschland und Polen

Der polnische Schauspieler Jakub Gierszał hat im Interview für Wirtualna Polska über seine Kindheit in Deutschland und die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem polnischen Schulsystem gesprochen. Gierszał wurde in Kraków geboren, zog jedoch bereits als Säugling mit seinen Eltern nach Deutschland. Die Familie ließ sich in Hamburg nieder, wo er seine ersten Lebensjahre verbrachte und auch eingeschult wurde. Mit elf Jahren kehrte er gemeinsam mit seiner Mutter nach Polen zurück und ließ sich in Toruń nieder.

Die Jahre in Deutschland prägten sein Weltbild nachhaltig. In Interviews erinnerte sich Gierszał daran, dass in seiner Schule Lehrer mit dem Vornamen angesprochen wurden. Als er nach Polen kam, erlebte er einen deutlichen Kulturschock: Vor dem Unterricht mussten die Schüler zunächst in einer Reihe vor dem Klassenzimmer warten, dann eintreten und gemeinsam den Lehrer begrüßen, bevor sie sich setzen durften.

Auch andere Unterschiede fielen ihm auf. In Deutschland hätten die Schüler ihre feste Klasse gehabt, in die verschiedene Lehrer kamen. In Polen hingegen wechselten die Schüler zwischen den Räumen, während jeder Lehrer seinen Klassenraum hatte. Gierszał räumte ein, dass er zeitweise darüber nachgedacht habe, wieder nach Deutschland zu ziehen. Letztlich entschied er sich jedoch, in Polen zu bleiben. Hamburg sei zwar ein Ort, an dem er sich wohlfühle, doch in Polen lägen seine familiären Wurzeln, so Gierszał im Gespräch mit Wirtualna Polska.

Autor: Jakub Kukla


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