Deutsche Redaktion

Die Konservativen und die Klimapolitik: "Scheinheiligkeit wie aus dem Bilderbuch"

18.03.2026 10:56
Die Zeitung Dziennik/Gazeta Prawna berichtet über einen auffälligen Widerspruch im Verhalten führender konservativer Politiker. Sowohl Zbigniew Ziobro als auch Przemysław Czarnek nutzen private Photovoltaikanlagen – obwohl sie die europäische Klimapolitik und die Effizienz der Technologie öffentlich kritisieren. Außerdem: Polnische Senioren erhalten weitaus weniger Rente als Deutsche, sind finanziell aber trotzdem besser dran. Und: Während Polen will in die G20 will, haben Millionen von Bürgern weiterhin keinen Zugang zu öffentlichen Toiletten.
   .
Здымак мае ілюстрацыйны характар. Klas_lu/pixabay.com/CC0 Public Domain

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Scheinheiligkeit wie aus dem Bilderbuch

Die Zeitung Dziennik/Gazeta Prawna berichtet über einen auffälligen Widerspruch im Verhalten führender konservativer Politiker. Sowohl Zbigniew Ziobro als auch Przemysław Czarnek nutzen private Photovoltaikanlagen – obwohl sie die europäische Klimapolitik und die Effizienz der Technologie öffentlich kritisieren. Ziobro gehört zu den rund 1,5 Millionen Polen mit eigener Solaranlage. Laut seinen Vermögenserklärungen finanzierte er 2019 über einen „Öko-Kredit“ eine Anlage im Wert von etwa 21.000 Złoty für sein Hausdach. Inzwischen soll der Kredit vollständig zurückgezahlt sein.

Trotz dieser Investition äußert sich der frühere Justizminister kritisch über Photovoltaik. Medienberichten zufolge sieht er die Erwartungen an private Solaranlagen als nicht erfüllt an. Viele Bürger entschieden sich seiner Ansicht nach nur aus finanzieller Not angesichts hoher Energiepreise für diese Lösung. Ziobro argumentiert zudem, eine stärkere Nutzung heimischer Kohle könnte die Stromkosten um bis zu 50 Prozent senken.

Eine ähnliche Position vertritt Przemysław Czarnek, derzeitiger Kandidat der oppositionellen Partei PiS für das Amt des Ministerpräsidenten. Er kritisiert den europäischen „Green Deal“ sowie das Emissionshandelssystem (ETS) scharf und fordert eine Rückkehr zu stärkerer Kohlenutzung. Nachdem bekannt wurde, dass auch er eine Photovoltaikanlage besitzt, kündigte Czarnek an, diese abbauen zu wollen, um seine politische Haltung konsequent umzusetzen, schreibt Dziennik/Gazeta Prawna.

EURONEWS: Altersarmut in Deutschland und in Polen

Laut einem Bericht von Euronews wächst in Deutschland die Sorge um Altersarmut. Viele Rentner haben Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, obwohl die Renten im europäischen Vergleich relativ hoch sind. Eine Studie des Beratungsunternehmens Datapulse zeigt, dass Senioren in Ländern wie Spanien, Rumänien, Tschechien und auch Polen finanziell oft besser zurechtkommen – trotz niedrigerer Renten. Während die durchschnittliche Rente in Polen bei rund 700 Euro liegt, erhalten deutsche Rentner etwa doppelt so viel. Entscheidend sind jedoch die Lebenshaltungskosten.

So benötigt ein alleinlebender Rentner in Polen laut Studie etwas mehr als 8 Tausend Euro jährlich, in Deutschland hingegen fast 29 Tausend Euro. Damit deckt die durchschnittliche Rente in Polen nur etwa 66 Prozent der Lebenshaltungskosten ab, während sie in Polen rechnerisch über 100 Prozent liegt. Ein zentraler Kostenfaktor in Deutschland ist das Wohnen. Im EU-Vergleich lebt dort ein besonders hoher Anteil der Bevölkerung zur Miete, während in Polen mehr Menschen eine eigene Wohnung besitzen. Das reduziert die laufenden Ausgaben erheblich.

Das polnische Rentensystem wird über die staatliche Sozialversicherungsanstalt ZUS finanziert. In Deutschland gilt ein steigendes Renteneintrittsalter seit Jahren als unausweichlich. In Polen hingegen wird eine solche Reform politisch gemieden. Frauen gehen hier im Schnitt mit 60, Männer mit 65 Jahren in Rente – teilweise sogar noch früher. Nach Angaben der Konrad-Adenauer-Stiftung treten viele Polinnen und Polen bereits mit 57 Jahren in den Ruhestand ein. Aktuell finanzieren rund 14 Millionen Erwerbstätige die Renten von 5,6 Millionen Menschen – ein Verhältnis, das langfristig als nicht tragfähig gilt, lesen wir in Euronews.

TYGODNIK POWSZECHNY: Fehlende öffentliche Toiletten als Alltagsproblem

Polen strebt danach, zu den wohlhabendsten Volkswirtschaften der Welt aufzuschließen. Gleichzeitig sehen sich Millionen Bürger im Alltag mit einer ganz grundlegenden Frage konfrontiert: ob sie unterwegs Zugang zu einer geöffneten Toilette finden. Das Wochenmagazin Tygodnik Powszechny macht auf ein oft übersehenes Problem aufmerksam: den Mangel an öffentlichen Toiletten in Polen. Für viele Menschen hat dies spürbare Folgen im Alltag. Schwangere Frauen planen ihre Wege so, dass sie stets in der Nähe einer Toilette bleiben. Ältere Menschen verzichten vor Arztbesuchen darauf, ausreichend zu trinken. Angehörige von Menschen mit Behinderungen finden oft keine geeigneten Orte für grundlegende hygienische Bedürfnisse.

Schätzungen zufolge sind rund 10 Millionen Menschen in Polen auf häufige Toilettengänge angewiesen. Gleichzeitig leben mehr als 5,5 Millionen in Regionen ohne Zugang zu öffentlichen Toiletten. Im Durchschnitt kommt derzeit eine ganzjährig zugängliche Toilette auf etwa 30.000 Einwohner.

Autor Marek Rabij beschreibt dieses Phänomen als sanitäre Ausgrenzung und stellt die Frage, warum grundlegende Infrastruktur weiterhin als Tabuthema behandelt wird – und wie sich diese Situation verbessern ließe, so Tygodnik Powszechny.

Autor: Jakub Kukla


Britischer Experte: Grüne Ideologie gefährdet Europas Sicherheit

30.10.2025 15:06
Als Alternative forderte Maurice Cousins, Europas ungenutzte Rohstoffvorkommen – etwa in der Nordsee oder im britischen Bergbau – zu erschließen und parallel die Kernenergie auszubauen.

Klimapolitik der EU: Ziel bis 2040 fixiert, Steuer vertagt

05.11.2025 10:22
Polen stimmte – wie angekündigt – gegen die Vereinbarung, hatte jedoch zuvor Erleichterungen ausgehandelt, die die Umsetzung der neuen Vorschriften abmildern sollen.

"Polen im Aufwind"

13.01.2026 10:46
Polen entwickelt sich rasant und könnte mittelfristig sowohl Großbritannien als auch Deutschland überholen, schreibt Business Insider Polska. Außerdem: Das politische Asyl für Ex-Justizminister Ziobro in Ungarn wird für die PiS zum Problem. Und: Wird der radikale Grzegorz Braun langfristig an Bedeutung verlieren? Mehr dazu in der Presseschau.

Umfrage sieht Bürgerkoalition klar vor PiS

17.03.2026 10:42
Eine neue Analyse deutet auf deutliche Verschiebungen im polnischen Parteiensystem hin. Vor allem am rechten Rand könnten neue Kräfte ins Parlament einziehen. Außerdem: Immer mehr Polen müssen auch im Ruhestand arbeiten. Und: Neuer Bericht sieht Polens Jugend zunehmend unter Druck. Einzelheiten in der Presseschau.

Vor EU-Gipfel: Präsident fordert Ausstieg aus dem Emissionshandelssystem ETS

17.03.2026 11:02
Nawrocki drängt zu Maßnahmen, die die Bürger vor den Folgen der Klimapolitik schützen und die Energiekosten senken sollen. Nach seiner Darstellung hat das ETS-System in den vergangenen 20 Jahren zur Deindustrialisierung Europas beigetragen, während die weltweiten CO2-Emissionen weiter gestiegen seien, vor allem wegen des Produktionswachstums in China.