RZECZPOSPOLITA: Zwei Pole in einer Partei
Die konservativ-liberale RZECZPOSPOLITA seziert den Riss innerhalb der PiS zur Ukraine-Politik. Michał Szułdrzyński hält die Positionen von Przemysław Czarnek und Mateusz Morawiecki zum Krieg in der Ukraine für heute schlicht unvereinbar: Der eine verlange ein sofortiges Ende der militärischen Unterstützung, der andere sei überzeugt, der ukrainische Widerstand schwäche Russland wirksam und erhöhe damit Polens Sicherheit. Czarneks Auftritt bei TV Republika, so der Autor, treffe den Kern der polnischen Staatsräson, die verlange, den Krieg in einer breiteren geopolitischen Perspektive zu betrachten. Der PiS-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten habe gefordert, die EU müsse gezwungen werden, jegliche Finanzierung von Aufrüstung und Wiederaufbau der Ukraine vorerst einzustellen, solange Kiew nicht „den Weg prohumaner Werte" einschlage. Zur Erinnerung, schreibt Szułdrzyński, unterstütze der gesamte Westen die Ukraine solidarisch und sehe den größten Feind in Russland, nicht in der Ukraine.
Immer deutlicher, so der Publizist, nähere sich Czarnek in seinen Aussagen der russischen Propaganda an, die von Beginn an behaupte, Ziel der „militärischen Spezialoperation" sei die Entnazifizierung der Ukraine. Eine Ukraine, die eine „mit dem deutschen Nazismus identische Bandera-Ideologie" verherrliche, habe in Europa keinen Platz, habe der frühere Bildungsminister erklärt. Szułdrzyński erinnert daran, dass es die sowjetische Propaganda gewesen sei, die den Begriff des „Banderismus" auf den gesamten ukrainischen Untergrund ausgeweitet habe, der sich der Sowjetmacht widersetzte. Außenminister und Vizepremier Radosław Sikorski kommentierte den Vorstoß auf der Plattform X mit den Worten, der Wettlauf mit den rechtsnationalen Konföderations-Gruppierungen um antiukrainische Töne raube den Beteiligten den Verstand.
Am entgegengesetzten Pol stehe Morawiecki, der in einem „flammenden" Eintrag vom vergangenen Freitag seine Entscheidung vom Februar 2022 verteidigt habe. Die Ukraine sei für Polen ein Pufferstaat, eine strategische Sicherheitstiefe, die sich geopolitisch auszahle und das russische Offensivpotenzial tausend Kilometer von der polnischen Grenze binde. Seit 2022 verschaffe der Krieg der NATO-Ostflanke Zeit für die eigene Aufrüstung, während Russland Menschen und Material verliere. Die Strategie „Eisen für Blut", bei der Polen Gerät geliefert habe und ukrainische Soldaten im Kampf gegen den gemeinsamen Feind gefallen seien, habe Warschau Zeit erkauft. Wenn sich Morawiecki und Czarnek in einer derart fundamentalen Frage unterschieden, dann verbinde die beiden — theoretisch in einer Partei — politisch eigentlich nichts mehr, so Michał Szułdrzyński in der Rzeczpospolita.
DO RZECZY: „Keinerlei Widerspruch"
Die nationalkonservative DO RZECZY lässt Czarnek selbst auf die Empörung antworten. Zwischen dem, was Parteichef Jarosław Kaczyński geschrieben habe, und dem, was er selbst seit Jahren vertrete, bestehe kein Widerspruch, betont der Politiker. Kaczyński hatte zuvor klargestellt, die PiS stehe und habe stets auf dem Standpunkt gestanden, dass militärische Hilfe für die Ukraine — auch über die EU — unbedingt nötig sei; dies sei eine Schlüsselfrage der polnischen Staatsräson und Sicherheit. Er habe bereits mit Kaczyński gesprochen, so Czarnek, und niemals bestritten, dass es polnische Staatsräson sei, dass die Ukraine den Krieg gegen Russland gewinne — das sei völlig offensichtlich.
Zugleich beharrt Czarnek darauf, es liege im polnischen Interesse, „den Banderismus aus der Ukraine zu vertreiben", denn eine von Hass auf Polen und das Polentum durchdrungene Bandera-Ukraine sei auch eine tödliche Bedrohung für Polen. Den Vorwurf, er begünstige mit seinen Worten Russland, weist er zurück; der Verteidigungsminister hatte ihm vorgeworfen, sich „offen gegen die NATO" gestellt zu haben. Die „Unverschämtheit" jener, die die PiS eine prorussische Partei nennen, sei so groß, dass Kaczyński seinen Eintrag habe veröffentlichen müssen — ein einzelner Satz, ein einzelnes Wort werde eben so gedeutet, wie es gerade passe, so Czarnek in Do Rzeczy.
SUPER EXPRESS: Zwei Konföderationen überholen die PiS
Indes habe das gemeinsame Ergebnis der beiden Konföderations-Gruppierungen in einer Umfrage erstmals die Partei Kaczyńskis übertroffen, berichtet Super Express unter Berufung auf eine aktuelle Erhebung des Meinungsforschungsinstituts IBRiS für Wirtualna Polska. Zwar führe weiterhin die Bürgerkoalition mit 28,6 Prozent, habe seit Mitte Juni aber 1,1 Punkte eingebüßt; genauso viel habe die PiS verloren, die nun bei 23 Prozent liege. Die Konfederacja von Sławomir Mentzen und Krzysztof Bosak komme auf 15,7 Prozent (plus 3,5 Punkte), die Konfederacja Korony Polskiej von Grzegorz Braun auf 10,2 Prozent — zusammen 25,9 Prozent und damit 2,9 Punkte mehr als die PiS. Die Linke erreiche 7,5 Prozent, die PSL mit 5,2 Prozent knapp über der Sperrklausel; Polska 2050 (0,6 Prozent) und Razem (4 Prozent) blieben draußen.
Eine Mandatssimulation mit dem Rechner von Professor Jarosław Flis ergebe folgendes Bild: KO 158 Sitze, PiS 125, Konfederacja 83, Konfederacja Korony Polskiej 51, Linke 34, PSL neun. Das gegenwärtige Regierungslager aus KO, Linker und PSL käme damit auf 201 Mandate — 30 zu wenig für die erforderliche Mehrheit von 231. PiS, Konfederacja und die Partei Brauns verfügten gemeinsam über 259 Stimmen, eine Mehrheit von 28 über dem Minimum. Das Blatt betont, dies präjudiziere keine gemeinsame Regierung, sondern zeige lediglich, wie sich die Mandate bei einer Zusammenarbeit aller drei Parteien verteilen würden. Die Erhebung sei vom 10. bis 12. Juli 2026 nach den Methoden CATI und CAWI an 1.000 Personen durchgeführt worden.
FORSAL: Polens Online-Handel wächst schneller als der europäische
Und neue eine Meldung aus dem Wirtschaftsportal FORSAL, das Polen als einen der dynamischsten E-Commerce-Märkte Europas bezeichnet. Zwischen 2025 und 2029 solle der Online-Umsatz in Polen um durchschnittlich neun Prozent pro Jahr wachsen — Platz acht in Europa und deutlich über dem für den Kontinent prognostizierten Mittel von 7,7 Prozent. Zugleich habe der Anteil des E-Commerce am gesamten Einzelhandel 2025 erst bei 9,1 Prozent gelegen (nach 8,9 Prozent im Vorjahr), während der europäische Durchschnitt 17,3 Prozent und Nordamerika 28,5 Prozent erreiche. Genau darin liege das Potenzial, meint Arkadiusz Filipowski, Vorstandschef des Logistikunternehmens Fulfilio: Es gehe nicht nur darum, Kunden zwischen Online-Shops abzuwerben, sondern Einkäufe weiter vom stationären in den digitalen Handel zu verlagern. Als Treiber nennt er Marktplätze, darunter chinesische Plattformen, den Social-Selling-Trend mitsamt TikTok Shop sowie die Professionalisierung traditioneller Geschäfte.
Im europäischen Maßstab solle der Markt laut dem ECDB-Bericht „eCommerce in Europe 2026" von 824 Milliarden US-Dollar (2025) auf 1,119 Billionen Dollar (2029) wachsen, wobei die Schwelle von einer Billion 2028 überschritten werde. Global liege Europa zwischen Asien und Amerika: Für 2025 bis 2029 werde ein Wachstum von 36 Prozent erwartet, gegenüber 38 Prozent in Asien und 32 Prozent in Amerika. In der Rangliste der am schnellsten wachsenden europäischen Märkte würden unter anderem die Türkei, Bulgarien, Bosnien und Herzegowina, Malta, Russland, Moldau und Portugal vor Polen liegen, so Forsal.
Autor: Adam de Nisau