Deutsche Redaktion
Folge uns auf Google

Folge uns auf Google, um unsere News immer ganz oben zu sehen.

„Skandal in Deutschland um das Massaker von Wola"

11.08.2026 13:25
Unter unserem Beitrag über den Befehlshaber des Massakers von Wola, Heinz Reinefarth, ist eine Welle von Kommentaren erschienen, in denen die deutsche Verantwortung infrage gestellt wird. Hanna Radziejowska, Leiterin des Pilecki-Instituts in Berlin, bezeichnet die Beiträge als „schockierenden Geschichtsrevisionismus“. Außerdem: Mit der Schwächung der Regierungen in Europa und dem Wechsel an der Spitze gibt es immer weniger bedingungslose Verbündete Kiews. Auch unter den Ukrainern selbst sinkt das Vertrauen in Wolodymyr Selenskyj. Eine Mehrheit der Bevölkerung rechne inzwischen mit einem neuen Präsidenten. Mehr dazu in der Presseschau.
Am 5. August 1944 erschoen deutsche Einheiten mehr als 60 Tausend Zivilisten im Warschauer Stadtteil Wola.
Am 5. August 1944 erschoßen deutsche Einheiten mehr als 60 Tausend Zivilisten im Warschauer Stadtteil Wola.domena publiczna

DoRzeczy: Skandal in Deutschland um das Massaker von Wola
Das rechtskonservative Portal DoRzeczy schreibt über einen Beitrag der deutschsprachigen Redaktion des Polnischen Rundfunks über Heinz Reinefarth, einen der Befehlshaber des Massakers von Wola. Dort sei eine Welle von Kommentaren erschienen, in denen die deutsche Verantwortung infrage gestellt werde. Behauptet werde, die während des Massakers von Wola ermordeten Zivilisten seien in Wirklichkeit legitime militärische Ziele gewesen. Einige Nutzer würden zudem argumentieren, die deutschen Truppen hätten während des Warschauer Aufstands versucht, die Zivilbevölkerung zu schonen. Die Polen selbst hätten ebenfalls Schuld für die Verbrechen getragen. In einigen Beiträgen werde Reinefarth nicht nur nicht verurteilt, sondern sogar verehrt.

Nach Angaben der Historikerin Hanna Radziejowska habe eine Analyse der Konten ergeben, dass es sich nicht um Bots oder Trolle, sondern überwiegend um echte Nutzer handele. Ihrer Einschätzung nach hätten einige Beiträge einen revisionistischen Charakter, andere seien „geradezu nationalsozialistisch“ gewesen. Die Leiterin des Pilecki-Instituts in Berlin bezeichnet die Beiträge als „schockierenden Geschichtsrevisionismus“.

Radziejowska nach werfen das Ausmaß und der aggressive Ton der Kommentare ernste Fragen über den Stand des historischen Wissens in Deutschland auf. Ihrer Ansicht nach trage der wachsende Einfluss der rechtsextremistischen AfD dazu bei, dass zuvor seltener in öffentlichen Debatten geäußerte Ansichten auftauchen. Dieses Phänomen könne allerdings nicht allein den Anhängern einer Partei zugeschrieben werden.

„Mangelndes Wissen, fehlende Aufklärung, die fehlende Bestrafung der Täter und ausbleibende Entschädigungen – all das schafft einen fruchtbaren Boden. Der Aufstieg und die Erfolge der AfD waren ein Katalysator. Sie haben eine Art Bruch mit der ‚politischen Korrektheit‘ ausgelöst, der sich sehr stark gegen historische Wahrheit und Fakten richtet“, erklärt Radziejowska. Sie kündigt an, dass das Pilecki-Institut in Berlin eine Kampagne in den sozialen Medien vorbereitet. Sie soll eine Antwort auf die Leugnung deutscher Verbrechen und deren Darstellung entgegen den Erkenntnissen der Geschichtswissenschaft sein, lesen wir auf DoRzeczy.

Rzeczpospolita: Ohne Zusammenarbeit mit der Ukraine wird Polen stärker von Deutschland abhängig

Mitteleuropa ist für Polen der natürliche Raum für Sicherheit und Entwicklung. Das sei eine der Säulen polnischer Staatsinteressen. Aus politischer Sicht habe dies nichts mit Romantik oder einem vermeintlichen Imperialismus zu tun, sondern sei eine Notwendigkeit und zugleich eine große Chance, schreibt Marek A. Cichocki in der liberal konservativen Rzeczpospolita. Polen sei heute das größte Land der Region und verfüge über die Mittel, ihre Entwicklung über Jahrzehnte hinweg mitzugestalten. Was Polen derzeit jedoch fehle, seien Mut, Vorstellungskraft und der politische Wille, lesen wir im Blatt.
Die reaktive und provinziell geprägte Politik Polens zeige sich in der fehlenden Vorstellungskraft, dass Polen sein Umfeld mutig mitgestalten könne. Statt eine eigene politische Linie zu entwickeln, schließe sich Polen lieber den Vorhaben anderer an. „Wir geben uns gerne als gleichberechtigte Partner Deutschlands oder Frankreichs aus, obwohl wir es nicht sind, und schaffen es zugleich nicht, eine eigene Position als regionaler Führungsmacht aufzubauen", schreibt der Autor.

Seit dem Ersten Weltkrieg und der Neuordnung Mitteleuropas sei die Region für verschiedene Staaten und ehemalige Imperien wie Deutschland und Russland zu einem Hindernis geworden, heißt es weiter. Sie wollen die Region entweder zerstören oder vollständig kontrollieren. Deshalb sei ihre Zukunft unmittelbar mit der Unabhängigkeit und Eigenständigkeit Polens verbunden. Ohne Mitteleuropa könne Polen seine eigene Position langfristig nicht behaupten.

Die nach 2014 von einigen vertretenen Vorstellungen, Mitteleuropa durch eine Zusammenarbeit mit der Ukraine, verschiedene Lubliner Formate oder Visegrád Plus zu stärken, hätten sich nun angesichts der Politik Wolodymyr Selenskyjs als völlige Illusion erwiesen. Geht es nach dem Autor, gebe es in der Ukraine selbstverständlich Menschen, die die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Polen verstünden. Sie bilden jedoch eine deutliche Minderheit und hätten keinen wirklichen Einfluss auf die Politik in Kiew. Deshalb müsse Polen heute und auch künftig eigene Anstrengungen unternehmen, um die Zusammenarbeit in seinem natürlichen Raum für Sicherheit und Entwicklung, also in Mitteleuropa, auszubauen.

Polen sollten verstehen, dass sie ohne ein solches Umfeld anfälliger für eine russische Aggression sein werden. Zugleich würden sie den strategischen Entscheidungen Kiews stärker ausgesetzt sein. Polen würde damit aber auch in größerem Maße von seinen westeuropäischen Partnern abhängig sein, deren Interessen nie vollständig mit denen Warschaus übereinstimmen werden, schreibt Marek A. Cichocki am Schluss in der Rzeczpospolita.

Money: Koalition der Willigen ohne Willige

Die „Koalition der Willigen“, ein informelles Bündnis von Staaten, die die ukrainische Armee finanziell unterstützen und ihre Bereitschaft zur Beteiligung an einer möglichen Friedensmission erklären, sei immer mehr zersplittert, schreibt der Analytiker Piotr Arak für das Wirtschaftsportal money.pl. Von Anfang an haben Großbritannien und Frankreich den Kern des Bündnisses gebildet. Beteiligt waren auch Deutschland, Polen sowie die nordischen und baltischen Staaten. Das Problem heute sei, dass die größten Staaten ihre bisherigen Führungspersönlichkeiten verlieren. Keir Starmer ist zurückgetreten. Großbritannien kämpfe mit den Folgen des Brexit, hohen Lebenshaltungskosten und zunehmenden innenpolitischen Problemen.
In Frankreich ende Macrons Amtszeit 2027. Als Favoritin für die Nachfolge gelte die nationalistische und pro-russische Marine Le Pen. Heute spreche sie sich zwar für die Unterstützung der Ukraine aus, lehne jedoch weiterhin die Lieferung französischer Langstreckenwaffen für Angriffe tief auf russisches Gebiet sowie die Entsendung französischer Truppen ab. Hinzu komme Friedrich Merz. In Umfragen und bei Landtagswahlen spüre er jedoch zunehmend den Druck der AfD. Gleichzeitig kämpfe er mit den strukturellen Problemen der deutschen Wirtschaft.

Die Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen indes bleiben schwierig, heißt es weiter. Zu einem großen Teil sei dies auf Entscheidungen der Führung in Kiew zurückzuführen, die verbrecherische Ukrainische Aufständische Armee (UPA) und die Person Stepan Banderas hervorzuheben. Unter diesen Umständen sei Arak zufolge kaum zu erwarten, dass Polen die Lücke füllen wolle, die durch den Verlust der westlichen Führungspersönlichkeiten bei der Unterstützung der Ukraine entstehe. Auch für die Entsendung polnischer Truppen in die Ukraine gebe es in Polen keine Unterstützung. Die „Koalition der Willigen“ beruhe damit auf persönlichen Beziehungen einiger Staats- und Regierungschefs, die bald nicht mehr im Amt sein werden.

Wie wir lesen, sei die Kriegsmüdigkeit längst nicht mehr nur unter einigen Politikern verbreitet. Umfragen zufolge bevorzugen viele westliche Bürger inzwischen Friedensverhandlungen statt einer Fortsetzung der militärischen Unterstützung. In Polen sei die Zustimmung zur militärischen Hilfe von mehr als 60 auf 52 Prozent gesunken. In der Ukraine würden laut Umfragen inzwischen 69 Prozent der Befragten ein möglichst schnelles Verhandlungsende des Krieges unterstützen. Nur 24 Prozent wollen einen Krieg bis zum Sieg. Das Vertrauen in den ukrainischen Präsidenten sei auf 49 Prozent gesunken. 67 Prozent der Ukrainer erwarten, dass ihr Präsident nach dem Ende des Krieges abgelöst werde.

Arak nach zeige sich in Polen die Kriegsmüdigkeit besonders deutlich nicht in Umfragen zur Ukraine selbst, sondern im wachsenden Zuspruch für die nationalistische Rechte. Radikale und offen ukrainefeindliche Positionen in Polen treffen heute auf eine reale Wählerschaft.. Selbst in einem Land, das geografisch stärker gefährdet sei und weniger zu einer solchen „Müdigkeit“ neige als London oder Paris, beginne die Grundlage für eine weitere bedingungslose Unterstützung zu bröckeln. Kiew sollte daher im Verhältnis zu Polen keine Fehler machen, die sich im nächsten Kriegsjahr als gefährlich erweisen könnten, lautet die Schlussfolgerung des Analysten im Online-Blatt.

Autor: Piotr Siemiński

„Polen fehlt vertiefte Debatte zur Ukraine"

08.06.2026 13:00
Die Politik der Ukraine zielt darauf ab, Polens Stellung in Mitteleuropa zu schwächen. Deshalb müsse bereits jetzt eine Strategie entwickelt werden, wie man mit einem schwierigen und wenig dankbaren Partner im Osten umgehen wolle, statt auf symbolische Gesten zu setzen. Armenischer Cognac, Fisch, Tomaten, Pfeffer und Gurken wurden zu Geiseln im Kampf um den Erhalt des russischen Einflusses in dem Land. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump könnte auf eine Verbesserung der Beziehungen zu Weißrussland hinarbeiten. Dahinter stehe offenbar die Hoffnung, dadurch Gespräche mit Russland über ein Ende seines Krieges gegen die Ukraine zu erleichtern. Mehr dazu im Pressespiegel.

Bulgarien verlässt Koalition der Willigen

15.07.2026 11:23
Bulgarien beendet seine Beteiligung an der sogenannten Koalition der Willigen. Sofia will künftig stärker auf Diplomatie setzen, um der Eskalation ein Ende zu setzen, sagt Ministerpräsident Rumen Radew in Paris. Sofia sei jedoch bereit, militärisches Gerät zu reparieren und sich an humanitären sowie diplomatischen Initiativen zu beteiligen.

Koalition der Willigen: Deutschland zu Herbstmanövern in Polen eingeladen

16.07.2026 11:08
Frankreich hat Deutschland zu Herbstmanövern der Koalition der Willigen in Polen eingeladen. Eine Teilnahme der Bundeswehr ist aber noch offen und soll beim deutsch-französischen Sicherheitsrat beraten werden.

„Die Ukraine wird niemals der NATO beitreten“

04.08.2026 14:00
Polen haben es sich in der angenehmen Erzählung vom „goldenen Zeitalter“ ihres wirtschaftlichen Aufstiegs und vom Status der 20. Volkswirtschaft der Welt zu bequem gemacht. Zu viele würden glauben, Polen sei bereits Teil des Westens – und seine Zukunft werde sich von selbst gestalten. Der frühere Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte und heutige Botschafter in Großbritannien, Walerij Saluschnyj, sagt, die Ukraine werde niemals NATO-Mitglied werden. Er ruft Kyjiw dazu auf, stattdessen andere Sicherheitsgarantien anzustreben. Und: Die Polonia hört auf, ausschließlich eine Gemeinschaft zu sein, die Sprache und Tradition pflegt. Die zwischen 18 und 20 Millionen Menschen zählende Diaspora kann zu einer der wichtigsten Entwicklungsressourcen der Republik Polen werden. Mehr dazu in der Presseschau.

Infomagazin aus Polen: Der Fall Heinz Reinefahrt

08.08.2026 13:30
In den ersten Augusttagen, kurz nach dem Ausbruch des Warschauer Aufstands 1944, ermordeten die deutschen Besatzer innerhalb weniger Tage schätzungsweise 15.000 bis 60.000 Zivilisten. 

Heinz Reinefarth und die Geschichte der Straflosigkeit

10.08.2026 11:58
Die Geschichte dieses Verbrechens ist zutiefst schmerzhaft – ebenso wie die Geschichte seiner Straflosigkeit. Das Massaker von Wola und der Fall Heinz Reinefarth zeigen, wie nach 1945 Mechanismen der „Normalisierung“ wirkten: Recht, Politik, lokale Interessen und Schweigen.