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EU-Beitritt der Ukraine, chinesische Produktpiraterie und Litauens Blick auf Polen

21.07.2026 12:18
Die Dziennik Gazeta Prawna kommentiert den Fortschritt der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine. Der Autor Michał Litorowicz hält Forderungen aus dem rechten politischen Lager, den ukrainischen EU-Beitritt wegen des Streits um Wolhynien zu blockieren, für kontraproduktiv. In der konservativen Gazeta Polska kritisiert Hanna Shen den mangelnden Schutz der traditionsreichen Keramik aus Bolesławiec vor chinesischen Nachahmungen. Und: Die Rzeczpospolita beschäftigt sich mit der Wahrnehmung Polens in Litauen. Der Baltikum-Experte Bartosz Chmielewski vom Zentrum für Oststudien betont, dass Litauen Polen im Falle eines Konflikts als wichtigsten Verbündeten betrachte.
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Bild:THIERRY MONASSE/REPORTER

Dziennik/Gazeta Prawna: Nicht wir sollten den Ukrainern etwas über Wolhynien erzählen 

Die Dziennik/Gazeta Prawna beschäftigt sich mit den Fortschritten der Ukraine auf dem Weg in die Europäische Union und warnt davor, historische Konflikte mit dem Beitrittsprozess zu vermischen. Der Autor Michał Litorowicz bezeichnet den jüngsten Verhandlungstag in Brüssel als wichtigen Erfolg für die EU-Erweiterung. Er erinnert daran, dass die Ukraine und Moldau nach dem Regierungswechsel in Ungarn erstmals neue Verhandlungskapitel eröffnen konnten. Während der frühere ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán den Prozess blockiert habe, halte sich sein Nachfolger Péter Magyar an die europäischen Kompromisse.

Vor diesem Hintergrund kritisiert der Autor Forderungen polnischer Oppositionspolitiker, Warschau solle den EU-Beitritt der Ukraine wegen des Streits um das Wolhynien-Massaker blockieren. Ein frühes Veto würde aus seiner Sicht weder die ukrainische Erinnerungspolitik verändern noch Kiew zu Zugeständnissen bewegen. Stattdessen könne Polen seine starke Position innerhalb der Europäischen Union nutzen, um die historischen Streitfragen im Rahmen der offiziellen Beitrittsverhandlungen zu internationalisieren. Gerade als langjähriges EU-Mitglied verfüge Warschau über bessere Möglichkeiten als die Ukraine, andere Mitgliedstaaten für seine historische Sichtweise zu gewinnen. Ein diplomatischer Konflikt zwischen Polen und der Ukraine außerhalb der EU-Institutionen würde hingegen vor allem Polen schaden. 

Rzeczpospolita: Die Litauer verstehen die polnische Politik nicht 

Die Rzeczpospolita analysiert unterdessen die Wahrnehmung Polens in Litauen. Im Gespräch mit der Zeitung erklärt der Baltikum-Experte Bartosz Chmielewski vom Zentrum für Oststudien, dass Litauen den Streit zwischen Polen und der Ukraine mit großer Sorge beobachte. Aus Sicht von Vilnius seien beide Länder unverzichtbare Partner: Polen gelte als wichtigster militärischer und wirtschaftlicher Verbündeter, während die Ukraine als Schutzschild gegen Russland angesehen werde. Deshalb liege es im Interesse Litauens, dass sich die Beziehungen zwischen Warschau und Kiew nicht weiter verschlechtern.

Chmielewski erklärt außerdem, dass die litauische Sicht auf die Ukrainische Aufstandsarmee historisch von den eigenen Erfahrungen mit dem bewaffneten Widerstand gegen die sowjetische Besatzung geprägt sei. Die sogenannten Waldbrüder seien ein wichtiger Bestandteil der litauischen Erinnerungskultur, weshalb in Litauen teilweise mehr Verständnis für die ukrainische Perspektive bestehe.

Gleichzeitig betont der Experte, dass Litauen seine eigene Geschichte sehr kritisch diskutiere – etwa die Rolle litauischer Kollaborateure während des Holocausts. Trotz der engen historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen verstünden Polen und Litauer die politische Debatte des jeweiligen Nachbarn häufig nur unzureichend.


Rzeczpospolita: Polen wird von Drogen überschwemmt

Unter dieser Überschrift berichtet Rzeczpospolita über einen dramatischen Anstieg der Drogenkriminalität. Der Zeitung liegen Polizeistatistiken vor, nach denen seit Jahresbeginn bereits dreimal so viele Drogen sichergestellt wurden wie im gesamten Jahr 2025.

Allein im ersten Halbjahr beschlagnahmte das Zentrale Ermittlungsbüro der Polizei (CBŚP) 84 Tonnen Drogen. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 29 Tonnen gewesen – damals bereits ein Rekordwert.

Nach Ansicht der Zeitung ist der starke Anstieg des Drogenkonsums vor allem auf die bessere Verfügbarkeit illegaler Substanzen zurückzuführen. Polen zählt inzwischen zudem zu den führenden Herstellern synthetischer Drogen in Europa. In diesem Jahr wurden bereits 51 illegale Labore ausgehoben, in denen unter anderem Mephedron und Klephedron produziert wurden.

Auch die sichergestellten Mengen an Kokain steigen deutlich. Allein in den vergangenen sechs Monaten beschlagnahmten die Ermittlungsbehörden fünf Tonnen Kokain – deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren.

Der wachsende Kokainkonsum entspricht einem gesamteuropäischen Trend. Während die Strafverfolgungsbehörden in der Europäischen Union vor rund zehn Jahren jährlich etwa 70 Tonnen Kokain sicherstellten, waren es im vergangenen Jahr bereits 330 Tonnen.

Gazeta Polska: Der Preis der Naivität 

Die konservative Gazeta Polska widmet sich der chinesischen Produktpiraterie. Hanna Shen beschreibt, wie billige Nachahmungen aus China den traditionsreichen Keramikherstellern aus Bolesławiec zusetzen. Nach Ansicht der Autorin ist der Diebstahl geistigen Eigentums in China kein Einzelfall, sondern seit Jahren Bestandteil des dortigen Wirtschaftsmodells.

Gleichzeitig kritisiert sie jedoch vor allem die polnische Regierung. Obwohl seit Dezember ein europäisches Schutzsystem für geografische Herkunftsangaben handwerklicher Produkte gilt und andere Staaten dieses bereits nutzen, habe Polen bislang keinen einzigen Antrag gestellt. Während China polnische Keramik kopiere, produziere Warschau vor allem bürokratische Untätigkeit, schreibt die Autorin.


Autor: Joachim Ciecierski