Deutsche Redaktion

Kiew kämpft mit Eiseskälte

21.01.2026 10:22
In Kiew sorgen massive Ausfälle der Heiz- und Stromversorgung seit Tagen für große Sorgen. Aus den USA kommen neue handelspolitische Drohungen: Präsident Trump kündigt Zölle von zunächst zehn Prozent auf Waren aus acht europäischen Ländern an – mit der Aussicht auf eine Erhöhung auf bis zu 25 Prozent ab Juni. Und aus deutscher Perspektive richtet sich der Blick erneut positiv nach Polen.
Przerwy w dostawie prądu w Kijowie
Przerwy w dostawie prądu w KijowiePAP/EPA/MARIA SENOVILLA

SUPER EXPRESS: Alltag eines Kindes im Winterkrieg

Seit mehreren Tagen leidet Kiew unter massiven Ausfällen der Heiz- und Stromversorgung. Nach russischem Beschuss sind Hunderttausende Menschen ohne Elektrizität geblieben, vielerorts funktioniert auch die Fernwärme nicht. Die Bevölkerung versucht, sich mit improvisierten Mitteln zu wärmen, berichtet die Tageszeitung Super Express.

Die neunjährige Sofia verbringt ihre Tage in der Wohnung bei Kerzenlicht und in Winterkleidung. Für den Schulunterricht sitzt sie am Tisch in mehreren Pullovern und einer Jacke, neben sich ein Tablet, das über eine Powerbank geladen wird. Sie besucht die vierte Klasse; ihre gesamte Schulzeit fällt bislang in die Jahre des Krieges. Sofia träumt davon, später Schriftstellerin und Übersetzerin zu werden und widmet viel Zeit dem Lernen und Lesen. Im Herbst sei es noch leichter gewesen, weil es länger hell war. Nun erschwert die frühe Dunkelheit das Lesen und Schreiben, zudem funktioniert das Internet nicht immer zuverlässig.

Die Familie lebt in einem 14-stöckigen Hochhaus im Norden der Stadt. Seit Tagen gibt es dort keine Heizung, Strom steht nur für wenige Stunden täglich zur Verfügung. In dieser Zeit werden Geräte geladen, Mahlzeiten zubereitet und schulische Aufgaben erledigt. Laut Sofias Mutter liegt die Temperatur in der Wohnung zwischen sieben und elf Grad Celsius. Die Wohnung befindet sich im neunten Stock, weshalb bei Stromausfällen der Weg über das Treppenhaus führt. Der große Balkon dient mangels funktionierendem Kühlschrank als Lager für Lebensmittel, lässt jedoch Kälte herein und wurde daher provisorisch abgedichtet. Gekocht wird mit Gas, allerdings nur für den sofortigen Verzehr. Um sich aufzuwärmen, hält sich die Familie häufig in der kleinen Küche auf – dem wärmsten Raum der Wohnung.

Der Alltag verläuft gleichförmig: Der Vater arbeitet außer Haus, die Mutter im Homeoffice, Sofia lernt. Besonders belastend sind die Abende. Das Waschen erfolgt in einer Schüssel, warmes Wasser wird je nach Stromlage mit dem Boiler oder auf dem Herd erhitzt. Vor dem Schlafengehen legen die Eltern mit warmem Wasser gefüllte Flaschen ins Bett. Am schwierigsten ist die Nacht: Bei Luftalarm muss Sofia in den kalten Schutzraum gehen. Warme Kleidung und Schuhe stehen deshalb stets griffbereit, lesen wir in der Tageszeitung Super Express.


DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Lob und Kritik an Polen

Deutsche Medien berichten erneut positiv über Polens wirtschaftliche Entwicklung, freut sich die Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna. Die Welt beschreibt das Land als einen Staat, der sich seit Jahren in außergewöhnlichem Tempo entwickelt und zunehmend selbstbewusst auftritt. Zugleich, so die Kritik, nutze Polen die daraus entstehenden Chancen politisch nur unzureichend.

Hintergrund ist unter anderem die Einladung Polens durch US-Außenminister Marco Rubio zur Teilnahme am G20-Gipfel im Mai in Miami. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds überschritt Polens Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar. Damit würde das Land die Schweiz aus dem Kreis der zwanzig größten Volkswirtschaften verdrängen. Dank seines beeindruckenden Wirtschaftswachstums ist Polen in die Top 20 der Weltwirtschaft aufgestiegen. Dies wecke in Warschau den Anspruch auf eine Führungsrolle in der Region – sowohl innerhalb der EU als auch in der NATO, lesen wir.

Als sichtbare Zeichen des Fortschritts nennt das Blatt neue Verkehrswege, den Wandel Warschaus zu einer Hochhausmetropole, die Digitalisierung der Verwaltung, Investitionen in Hochtechnologie sowie den Bau eines Atomkraftwerks und eines neuen Großflughafens. Auch die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte wird hervorgehoben.

Kritisch merkt die Zeitung jedoch an, dass Polen seine politischen Forderungen selten mit konkreten Initiativen untermauere. Insbesondere innerhalb der EU habe das Land bislang weder durch eigene Vorschläge noch durch Koalitionsbildung eine treibende Rolle bei der europäischen Integration übernommen. Als Beispiel wird Polens fehlende Beteiligung an der Initiative zur gemeinsamen Waffenbeschaffung für die Ukraine genannt. Dies zeige, so die Einschätzung, dass Polen international weniger Einfluss ausübe, als es seiner wirtschaftlichen und militärischen Bedeutung in Europa entspreche, lesen wir in Dziennik/Gazeta Prawna.


GONIEC.PL: Grönland-Streit spaltet Europa

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, Zölle von zunächst zehn Prozent auf Waren aus acht europäischen Ländern zu verhängen, mit einer möglichen Erhöhung auf bis zu 25 Prozent ab Juni. Betroffen sind Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Finnland. Als Begründung nennt Washington den Widerstand dieser Staaten gegen eine stärkere amerikanische Kontrolle über Grönland, informiert das Portal Goniec.pl.

Besonders sensibel sind die möglichen Folgen für die NATO. Europäische Politiker warnten, dass der Versuch, das Territorium eines Bündnispartners durch Druck oder Zwang zu übernehmen, das Bündnis in seiner bisherigen Form infrage stellen könnte.

Der Geopolitik-Experte Radosław Pyffel ordnet die Entwicklung als Teil einer umfassenden Neuordnung der internationalen Beziehungen ein. Der Konflikt um Grönland verschärfe dabei die inner­europäischen Spannungen: Die Kritik an der US-amerikanischen Administration könne zu wachsendem Unmut in stark proamerikanischen Ländern wie Polen oder Ungarn führen, die sich fragen könnten, warum sie die Kosten eines Konflikts zwischen Westeuropa und den USA tragen sollten.

Auch das in Polen diskutierte Konzept einer Allianz der östlichen NATO-Flanke – von der Türkei bis nach Skandinavien – gerate dadurch unter Druck. Denn es erscheint laut Pyffel fraglich, ob Donald Trump ein strategisches Interesse an einer starken östlichen NATO-Flanke hat. Stattdessen setze er offenbar stärker auf Gespräche mit Russland und Präsident Wladimir Putin.


Autor: Jakub Kukla

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„Für Grönland kämpfen" oder „unter die Goldene Kuppel"?

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