Deutsche Redaktion

„Europas Konklave" – ein Weckruf gegen die Entscheidungsparalyse

22.04.2026 12:33
Warum bleibt Europa trotz seines enormen Potenzials ein politischer Zwerg gegenüber Russland? Kann ein „Konklave" der Eliten die Entscheidungsblockade aufbrechen? Außerdem: Polen macht weiteren Schritt in Richtung europäischer Panzermacht. Und: Wohin führt der Weg von Robert Lewandowski? Mehr dazu in der Presseschau.
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Bild:Shutterstock/artjazz

RZECZPOSPOLITA: „Europas Konklave" – ein Weckruf gegen die Entscheidungsparalyse

Warum verhalte sich Europa – ein Kontinent mit gewaltigem Potenzial – wie ein politischer Zwerg? Warum führten offensichtliche Tatsachen nicht zu entschlossenem Handeln? Warum debattiere Europa angesichts einer realen Bedrohung, statt wirksame Entscheidungen zu treffen? Antworten auf diese Fragen sucht in einer aktuellen Analyse für die konservativ-liberale Rzeczpospolita Jan Zielonka, Professor an den Universitäten Oxford und Warschau.

Die übliche Erklärung verweise auf Populismus, Desinformation und „Postwahrheit". Das Problem liege jedoch tiefer, meint Zielonka. Die Ausgangslage sei eindeutig: Die Sicherheit Europas sei durch Russland bedroht, und Amerika stelle seine Beistandsbereitschaft infrage. Kein einzelner europäischer Staat könne einer Atommacht eigenständig die Stirn bieten. Als Ganzes betrachtet liege Europas gebündeltes wirtschaftliches und militärisches Potenzial jedoch deutlich über dem Russlands. Und dennoch gelinge es nicht, diesen Vorteil in glaubwürdige Abschreckung zu übersetzen.

Der Grund: Geht es nach dem Autor, agiere Europa in drei parallelen Welten, die einander kaum begegneten: erstens die Wirtschaft – global, rücksichtslos und dereguliert; zweitens die Politik – national, kurzsichtig und demagogisch; drittens die europäischen Institutionen – formalisiert, prozedural und auf die eigene Autonomie fixiert. Jedes dieser „Theater" habe eigene Akteure, eigene Spielregeln und eine eigene Definition von Erfolg. Investoren suchen Profit, Politiker Stimmen, Institutionen neue Kompetenzen. Das Ergebnis sei eine Entscheidungsparalyse.

Fazit: Europa sei nicht schwach, weil ihm Ressourcen fehlten, sondern weil es sie nicht zu koordinieren vermöge. Es reiche nicht, Politiker wie den polnischen Präsidenten Karol Nawrocki von einer gemeinsamen Verteidigungspolitik zu überzeugen. Man müsse auch die Wirtschaft dazu bewegen, in die europäische Rüstungsindustrie zu investieren, statt lukrativere US-Märkte zu bedienen. Und schließlich müsse der Widerstand jener EU-Institutionen überwunden werden, die flexiblen Koalitionen – etwa unter Einbeziehung Großbritanniens – misstrauisch gegenüberstehen.

Die einzige Lösung, so Zielonka halb ironisch, halb ernst, sei vielleicht ein europäisches „Konklave": Man müsse die politischen, wirtschaftlichen und institutionellen Eliten in der Sixtinischen Kapelle einschließen und nicht eher entlassen, bis sie sich auf ein reales Verteidigungsprogramm geeinigt hätten. Michelangelos Fresko des Jüngsten Gerichts könnte sie endlich disziplinieren. Denn die größte Gefahr für Europa sei heute nicht ein Mangel an Stärke – sondern der Mangel an Willen und Fähigkeit, historische Entscheidungen zu treffen, so Jan Zielonka in der Rzeczpospolita.

FORSAL: Polens Rückkehr in die Panzerliga

Das Wirtschaftsportal Forsal.pl berichtet indes über einen konkreten Schritt Polens in Richtung industrieller Eigenständigkeit im Verteidigungsbereich. Unter der Feder von Jakub Laskowski beschreibt das Blatt, wie mit der bevorstehenden Unterzeichnung eines Unterauftragnehmer-Vertrags zwischen den Mechanischen Werken „Bumar-Łabędy" und der südkoreanischen Hyundai Rotem Company (HRC) eine neue Ära des polnischen Rüstungsindustriestandortes beginne. Am 28. April, dem 75-jährigen Jubiläum von Bumar-Łabędy, solle das Dokument unterzeichnet werden, das die Gliwicer Werke in die Lieferkette und Produktion des Panzers K2PL einbinde.

In der Praxis bedeute dies den Eintritt Polens in den engen Kreis jener Staaten, die schweres Panzergerät eigenständig herstellen können. Nach Informationen des Portals Defence24.pl solle die Produktion der K2PL-Panzer in Polen im ersten Quartal 2028 anlaufen. Zunächst gehe es um Montage und Systemintegration, perspektivisch jedoch um die schrittweise Übernahme der Komponentenfertigung. Dies bedeute einen realen Transfer von Technologie und Kompetenzen, der den heimischen Rüstungssektor mittelfristig von ausländischen Lieferungen unabhängiger machen könne.

Das April-Abkommen, so der Autor weiter, sei nur ein Etappenschritt in einem größeren Prozess. 2025 sei der zweite Ausführungsvertrag über die Lieferung von 180 K2-Panzern im Wert von rund 6,5 Milliarden Dollar unterzeichnet worden. Die Lieferungen seien für die Jahre 2026 bis 2030 geplant und umfassten sowohl die Übergangsversion K2GF als auch die Zielvariante K2PL, von der über 60 Exemplare bereits in Polen entstehen sollten. Hinzu kämen Lizenzverträge vom 15. Dezember 2025 über den Technologietransfer im Bereich Wartung, Reparatur und Instandhaltung – „das Fundament für eigene Servicekapazitäten" sei damit formal gelegt.

Der K2PL, betont Laskowski, sei keine bloße Kopie des südkoreanischen Originals. Das Programm sehe eine fortgeschrittene, an die Anforderungen der polnischen Armee angepasste Variante vor: zusätzliche Panzerung, ein ferngesteuertes Waffenmodul, ausgebaute elektronische Systeme, das aktive Schutzsystem Trophy sowie Lösungen zur Bekämpfung unbemannter Flugsysteme. Nach dem Ende der T-72- und PT-91-Produktion habe Polen die Fähigkeit zur Fertigung schwerer Panzerplattformen verloren – nun kehre das Land „sofort auf dem Niveau der modernsten Konstruktionen der Welt" ins Spiel zurück, schließt Forsal.pl.

SUPER EXPRESS: Lewandowskis geheimes Treffen in Italien

Abschließend ein Blick auf die Sportseiten der Boulevardzeitung Super Express. Piotr Lekszycki berichtet über Spekulationen um die Zukunft des polnischen Stürmers Robert Lewandowski. Zwar sei „Lewy" seit geraumer Zeit mit dem AC Mailand in Verbindung gebracht worden, wohin er nach Ende der laufenden Saison wechseln könnte. Tatsächlich, so das Blatt, scheine der Stürmer jedoch einer anderen italienischen Großmacht näher zu sein.

Wie der italienische Sportjournalist Nicolò Schira berichte, werde in den kommenden Tagen ein Treffen zwischen Juventus Turin und Lewandowski erwartet, um die Bedingungen eines Vertrags als ablösefreier Spieler zu besprechen. Juve könne dem Polen demnach einen Vertrag bis 2027 mit einem Gehalt von sechs Millionen Dollar anbieten. Hintergrund sei, dass der FC Barcelona seinem Kapitän zwar ein neues Angebot unterbreitet habe, jedoch mit einer Gehaltskürzung um nahezu 50 Prozent und einem Abstieg in der Hierarchie der Stürmer.

Wie Super Express beobachtet, solle bei Juventus in Kürze ein anderer polnischer Stürmer abgehen – Arkadiusz Milik, der seit Längerem mit schweren Verletzungen zu kämpfen habe. Sowohl die „Alte Dame" als auch der AC Mailand suchten seit Langem nach einem klassischen Mittelstürmer. Interessanterweise stehe bei den „Rossoneri" nicht Lewandowski an erster Stelle, sondern der sieben Jahre jüngere Norweger Alexander Sørloth von Atlético Madrid, heißt es zum Schluss im Super Express.

Autor: Adam de Nisau


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