SUPER EXPRESS: Polen und das griechische Szenario
Im Gespräch mit der Tageszeitung Super Express äußert sich der Wirtschaftswissenschaftler Marek Zuber zur Lage der polnischen Wirtschaft und zur wachsenden Staatsverschuldung. Er kritisiert die derzeitige Finanzpolitik scharf, zählt Fehler bei der Verwaltung des Staatshaushalts auf und warnt vor den Folgen des steigenden Defizits.
Die Politiker müssten einen Teil ihrer Wahlversprechen zurücknehmen und nach Einsparmöglichkeiten suchen. Die Regierenden würden die wachsende Staatsverschuldung verharmlosen. Ohne einen radikalen Kurswechsel bei den staatlichen Ausgaben könnte Polen seiner Ansicht nach ein ähnliches Szenario wie Griechenland erleben. Zudem werde das EU-Verfahren wegen eines übermäßigen Defizits die Regierung früher oder später zu Kürzungen und zum Einfrieren bestimmter Ausgaben zwingen.
Die Eigentümer polnischer Unternehmen bezeichnet Zuber als „Prügelknaben“. Die derzeitige Regierungskoalition halte Steuerbelastungen aufrecht, die noch von der Vorgängerregierung eingeführt wurden. Unternehmer müssten immer neue Abgaben zahlen und höhere Betriebskosten tragen. Das zusätzliche Geld fließe in die Schließung des Haushaltslochs. Eine solche Verlagerung der Kosten auf die Wirtschaft bremse Investitionen und schwäche die Position polnischer Unternehmen auf den Auslandsmärkten. Statt für Entlastungen zu sorgen, bürde der Staat kleinen Unternehmen immer neue Pflichten auf. Dies könne schon bald eine Welle von Insolvenzen unter den kleinsten Unternehmen auslösen, meint der Wirtschaftsexperte Marek Zuber in Super Express.
WPROST: „So gut geht es uns, dass jedes Jahr Lehrer fehlen“
Der 1. September rückt näher – und damit kehren auch die Fragen nach den größten Problemen des polnischen Bildungssystems und des Lehrberufs zurück.. „Uns geht es offenbar so gut, dass jedes Jahr Lehrer fehlen“, sagt eine pensionierte Lehrerin im Gespräch mit der Wochenzeitschrift Wprost. Die Strategie des Bildungsministeriums sei, als würde „ein Haus brennen und jemand auf die Idee kommen, zuerst die Wände neu zu streichen“.
Unterschätzt, unter den ältesten Lehrkräften Europas, belastet durch das Verhältnis zu Eltern und den Druck, für die Lernergebnisse verantwortlich zu sein: So präsentiert sich die Situation vieler polnischer Lehrer. Gleichzeitig verfügen sie über eine hohe innere Motivation, wollen ihre Kompetenzen erweitern und fühlen sich der jüngeren Generation gegenüber verantwortlich. Dieses Bild ergibt sich aus der internationalen Studie TALIS 2024, der weltweit größten Untersuchung dieser Art, die von der OECD durchgeführt wird, erklärt Wprost.
„Jedes Jahr am 1. September erinnern sich plötzlich alle an uns. Politiker halten dann große Reden darüber, welch wichtige Rolle wir im Bildungsprozess spielen, wie groß unsere Verantwortung ist und wie sehr sie sich für unsere Situation einsetzen. Eigentlich streiten sie sich nur darüber, wer mehr für uns getan hat“, sagt Helena, eine pensionierte Lehrerin. Ihren Nachnamen möchte sie nicht nennen. „Das System wird von denjenigen gerettet, die Überstunden machen, und von Menschen wie mir, die eigentlich schon ihren Ruhestand genießen könnten, aber eine so niedrige Rente beziehen, dass sie weiterarbeiten müssen“, kritisiert Helena.
Bildungsministerin Barbara Nowacka habe darauf hingewiesen, dass die Gehälter der Lehrer in den vergangenen drei Jahren um rund 40 Prozent gestiegen seien. Das klinge beeindruckend, müsse aber relativiert werden, sagt die Lehrerin. „Von welchem Ausgangsniveau sind wir gestartet? Von einem geradezu erbärmlich niedrigen. Selbst der größte prozentuale Anstieg ist bei einem kleinen Ausgangsbetrag immer noch eine geringe Gehaltserhöhung. Es ist gut, dass es überhaupt eine gab. Aber das Bildungsministerium sollte das wirklich nicht als großen Erfolg verkaufen“, fügt die weiterhin arbeitende Pensionärin im Gespräch mit Wprost hinzu.
DO RZECZY: Russland droht eine neue Mobilisierungswelle
Immer mehr Russen suchen nach Möglichkeiten, das Land zu verlassen. Hintergrund sind Befürchtungen vor einer neuen Mobilisierungswelle, informiert die Wochenzeitung Do Rzeczy. Medienberichten zufolge ist das Interesse an der Anmietung von Wohnungen in Georgien und Armenien deutlich gestiegen. Auch Organisationen, die russische Auswanderer unterstützen, verzeichnen eine Rekordzahl von Anfragen. Nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes könnte der Kreml nach den für September geplanten Wahlen zur Staatsduma die Einberufung von rund 300.000 Menschen anordnen.
Wie groß die Verunsicherung ist, zeigen die Zahlen der Organisation Kowczeg, die russische Auswanderer unterstützt. In den ersten 20 Augusttagen war die Zahl der Anfragen zur Ausreise mehr als sechsmal so hoch wie im gesamten Mai. Am häufigsten erkundigen sich Russen nach Armenien, Georgien und Serbien, aber auch nach Ländern Lateinamerikas. Der Kreml weist die Berichte über Vorbereitungen für eine neue Mobilisierung zurück. Dmitri Peskow, Sprecher von Präsident Wladimir Putin, bezeichnete die Informationen als Versuch, die Lage in Russland zu destabilisieren.
DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Olga Tokarczuk stellt ihren neuen Roman vor
Olga Tokarczuks bislang letzter Roman „Empusion. Ein Fiebertraum“ erschien im Jahr 2022. Seitdem sind mehr als vier Jahre vergangen. Nun müssen ihre Leser nicht länger auf ein neues Werk warten: Der Erscheinungstermin des nächsten Romans der polnischen Literaturnobelpreisträgerin steht fest, schreibt Dzeinnik/Gazeta Prawna. Ende Juni die Schriftstellerin an, dass das neue Buch, an dem sie derzeit arbeitet, der letzte große Roman ihrer Karriere sein werde.
Der neue Roman von Olga Tokarczuk mit dem Titel „Świata jest za dużo“ soll bereits im Herbst in die Buchhandlungen kommen. Die Veröffentlichung ist für den 14. Oktober geplant. Es ist ein episches Panorama über Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, über Vertriebene und Umsiedler. Niederschlesien, Breslau und Waldenburg werden darin zur Bühne für eines der größten sozialen Experimente der europäischen Geschichte. Bei der Beschreibung dieses Experiments geht die Autorin jedoch über die sogenannten Westgebiete hinaus. „Ich schreibe den Roman, den ich mir selbst und meinen Freunden und Bekannten versprochen habe, den Menschen, die irgendwo in meiner Nähe leben – nämlich die Geschichte einer der größten Umsiedlungen in der Geschichte Europas“, zitiert das Blatt die Nobelpreisträgerin.
Autor: Jakub Kukla