Im Herzen des Frischen Haffs, nur 2,5 Kilometer vom Ufer der Weichsel-Nehrung entfernt, entsteht eine außergewöhnliche Konstruktion – die Estyjska-Insel, benannt nach dem altpreußischen Namen für das Haff: Estmere. Sie ist Teil eines großangelegten Infrastrukturprojekts – dem Bau des Schifffahrtskanals durch die Weichsel-Nehrung.
Die Arbeiten begannen im Jahr 2019 und schreiten seither zügig voran. Die Insel ist derzeit zu etwa 20 Prozent aufgeschüttet. Erste grüne Flächen zeichnen sich bereits auf ihrer Oberfläche ab. Das Material zur Aufschüttung stammt aus der Vertiefung der Wasserstraße sowie aus Baggerarbeiten im Rahmen des Durchstichs der Nehrung.
Die Estyjska-Insel soll letztlich eine Fläche von rund 200 Hektar erreichen und wird damit zu einem der größten Bauprojekte dieser Art in Polen. Der Umfang der Insel wird nahezu 5 Kilometer betragen und ihre Höhe 2 bis 3 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Für den Bau wurden bereits etwa 140.000 Tonnen Gestein verbraucht – das entspricht rund 3.500 Eisenbahnwaggons.
Für die Aufschüttung des Damms werden noch rund 1 Million Tonnen Sand benötigt – eine Menge, die etwa 37.000 Lastwagen füllen würde. Die Stahlspundwände, die der Insel ihre Form geben und den Sand halten sollen, bedecken eine Fläche von fast 112.500 Quadratmetern – so viel wie 16 Fußballfelder in Originalgröße.
Ingenieurkunst im Dienst der Natur
Die künstliche Insel ist nicht nur ein beeindruckendes Ingenieurprojekt, sondern auch eine bedeutende ökologische Initiative. Ihr Hauptzweck war zunächst die Lagerung des Aushubmaterials aus den Vertiefungsarbeiten. Man entschied sich jedoch das neue Land zu einem natürlichen Lebensraum für Vögel und Pflanzen zu machen. Bereits jetzt zieht die Insel zahlreiche Arten von Wasser- und Watvögeln an, darunter Haubentaucher, Höckerschwäne und verschiedene Entenarten. Der Entwicklungsprozess soll rund zehn Jahre dauern, der Abschluss des Projekts ist für das Jahr 2034 geplant. Die Insel hat das Potenzial, zu einem der wichtigsten Brut- und Rastplätze für Zugvögel in der Region zu werden.
RMF24/ps