Deutsche Redaktion

Angriff auf Iran, Neustart mit Deutschland und Finnlands Comic-Offensive

02.03.2026 07:06
Die Wochenzeitung Do Rzeczy analysiert den koordinierten Angriff der USA und Israels auf iranische Ziele und stellt die offiziellen Begründungen der Intervention infrage. Dziennik/Gazeta Prawna blickt auf die veränderte politische Atmosphäre zwischen Warschau und Berlin im Schatten des Ukraine-Krieges. Und Tygodnik Powszechny berichtet über ein Bildungsprojekt in Helsinki, das mit Comics die Lesefähigkeit von Kindern stärken soll.
W wielu krajach Bliskiego Wschodu trwają protesty wsparcia dla Iranu. Członkowie szyickich bojówek wyszli na ulice m.in. w Bagdadzie (fot. Reuters)
W wielu krajach Bliskiego Wschodu trwają protesty wsparcia dla Iranu. Członkowie szyickich bojówek wyszli na ulice m.in. w Bagdadzie (fot. Reuters)Reuters

DO RZECZY: USA und Israel greifen Iran an

Am Samstagmorgen haben die Streitkräfte der USA und Israel einen koordinierten Angriff auf Iran durchgeführt, erinnert die Tageszeitung Do Rzeczy. Ziel der umfangreichen Luft- und Seeangriffe waren unter anderem militärische Einrichtungen, Regierungsgebäude und Objekte des Geheimdienstes. Die israelische Regierung sprach von einem Präventivschlag. US-Präsident Donald Trump bestätigte den Beginn einer großen Militäroperation. Als Reaktion griff der Iran Ziele in Israel sowie mehrere US-Stützpunkte im Nahen Osten an.

Der Chefredakteur von Do Rzeczy, Paweł Lisicki, erklärte, ein Angriff sei angesichts der ergebnislos gebliebenen Gespräche zwischen amerikanischen und iranischen Delegationen in Genf wahrscheinlich gewesen. Die USA hätten unter Zeitdruck gestanden. Zugleich betont Lisicki, die Wirksamkeit der militärischen Operation lasse sich derzeit nicht abschließend beurteilen.

Er äußert zudem Zweifel an der offiziellen Begründung der Intervention. Nach seiner Einschätzung habe vom Iran keine unmittelbare Bedrohung für die Vereinigten Staaten ausgegangen; vielmehr sei das Land vor allem für Israel ein sicherheitspolitischer Faktor gewesen. Lisicki verwies in diesem Zusammenhang auf das militärische Ungleichgewicht in der Region. Als zentrales Motiv des Angriffs nennt er Bestrebungen im politischen Umfeld des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, langfristig eine stärkere regionale Dominanz Israels zu sichern, lesen wir in Do Rzeczy.

 

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Neue Dynamik zwischen Warschau und Berlin

Nach Jahren politischer Spannungen haben sich die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland spürbar verbessert. Der Ton in der bilateralen Kommunikation hat sich verändert, neue symbolische Gesten sind hinzugekommen, und der russische Angriff auf die Ukraine hat die geopolitische Lage neu definiert. Im Gespräch mit der Zeitung Dziennik/Gazeta Prawna erläutert die in Berlin lebende Soziologin Maria Skóra vom Institut für Europäische Politik, dass bereits unter Bundeskanzler Olaf Scholz eine Veränderung auf bilateraler Ebene erkennbar gewesen sei – insbesondere nach dem Regierungswechsel in Warschau.

Während der Regierungszeit der Partei Prawo i Sprawiedliwość (PiS) habe eine teils scharfe antideutsche Rhetorik den politischen Diskurs geprägt. Diese sei vor allem an das inländische Publikum gerichtet gewesen, habe jedoch auch in Deutschland Wirkung gezeigt. Mit der neuen Regierung unter Donald Tusk habe sich vor allem der Kommunikationsstil verändert. Eine vollständige Angleichung nationaler Interessen gebe es jedoch nicht, lesen wir.

Skóra betont, dass zwischen zwei großen Nachbarstaaten mit einer über 450 Kilometer langen gemeinsamen Grenze ein dauerhafter Konflikt keine Option sei. Zudem habe der Krieg Russlands gegen die Ukraine die strategische Perspektive in Deutschland verändert. Russland werde inzwischen klar als sicherheitspolitische Bedrohung benannt. Zusätzliche Unsicherheit sei durch die Politik von US-Präsident Donald Trump entstanden, die in Europa als weniger berechenbar wahrgenommen werde. Dies verstärke den Druck, die europäische Zusammenarbeit neu zu ordnen.

Trotz symbolischer Gesten – etwa Reisen des Bundeskanzlers Friedrich Merz nach Paris und Warschau – bleibe aber die deutsch-französische Achse prägend. Auch Formate wie das Weimarer Dreieck gewinnen zwar an Bedeutung, doch die strukturelle Logik der engen Partnerschaft zwischen Berlin und Paris sei weiterhin bestimmend, lesen wir in Dziennik/Gazeta Prawna.

 

Helsinki setzt auf Donald Duck für bessere Lesekompetenz

In Helsinki erhalten Schülerinnen und Schüler der dritten Klassen eine kostenlose Comic-Abonnementreihe mit Geschichten rund um Donald Duck, informiert die Wochenzeitschrift Tygodnik Powszechny. Hintergrund ist ein in internationalen Bildungsstudien beobachteter Rückgang der Lese- und Schreibkompetenzen. Forschende einer finnischen Universität und der Initiative Education for the Future (EDUCA) sehen darin eine besorgniserregende Entwicklung. Mit dem Comic-Abonnement soll die Lesefreude gestärkt und damit langfristig die Lesefähigkeit verbessert werden.

Die Wahl fiel auf Donald Duck, da die Figur in Finnland seit Jahrzehnten große Popularität genießt und die Übersetzungen aus dem Englischen als besonders hochwertig gelten. Auch in Polen erfreuen sich die Comics wachsender Beliebtheit. Nach Angaben des Verlags Egmont sind Auflage und Verkauf der entsprechenden Publikationen in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen. Beobachter sehen darin ein mögliches Modell, um auch andernorts das Interesse junger Leser zu fördern, stellt die Wochenzeitschrift Tygodnik Powszechny fest.

 

Autor: Jakub Kukla

"Streitpunkt Entschädigungen"

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Die Ankündigung des Premierministers, Polen werde im Zweifel selbst Entschädigungen an NS-Opfer zahlen, schlägt hohe Wellen. Polen verzeichnet neue Migrationswelle aus der Ukraine. Und: Das Chopin-Museum schließt 2026 seine Pforten für Besucher. Mehr dazu in der Presseschau.

"Tiefe Risse im Westen"

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Deutschland sollte an einer Zusammenarbeit mit Polen interessiert sein

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