Deutsche Redaktion

Streit um SAFE spitzt sich weiter zu: "Veto wäre ein unverzeihlicher Fehler"

10.03.2026 15:54
Ministerpräsident Donald Tusk sagte vor der Kabinettssitzung, seiner Regierung lägen Informationen vor, wonach Präsident Karol Nawrocki die Vorlage mit einem Veto stoppen wolle. Der Präsidentenpalast dementiert. Und Experten sind sich uneins, wie ernst es Nawrocki mit seiner Skepsis gegenüber SAFE meint.
Regierungswagen vor dem Prsidentenpalast in Warschau, 10. dieses Monats. Prsident Karol Nawrocki lud Premierminister Donald Tusk zu einem Treffen bezglich des Vorschlags polnisches SAFE 0  ein, das laut dem Prsidenten und dem Chef der Polnischen Nationalbank eine Alternative zum EU-Programm SAFE darstellen soll. An dem Treffen sollen auch de
Regierungswagen vor dem Präsidentenpalast in Warschau, 10. dieses Monats. Präsident Karol Nawrocki lud Premierminister Donald Tusk zu einem Treffen bezüglich des Vorschlags „polnisches SAFE 0 %” ein, das laut dem Präsidenten und dem Chef der Polnischen Nationalbank eine Alternative zum EU-Programm SAFE darstellen soll. An dem Treffen sollen auch deFoto: PAP/Albert Zawada

Der Streit um das polnische SAFE-Gesetz spitzt sich weiter zu. Ministerpräsident Donald Tusk sagte vor der Kabinettssitzung, seiner Regierung lägen Informationen vor, wonach Präsident Karol Nawrocki die Vorlage mit einem Veto stoppen wolle. „Uns haben Informationen erreicht, dass der Präsident beschlossen hat, SAFE zu blockieren“, erklärte Tusk. Das sei „eine sehr schlechte Nachricht“ sagte Tusk im Vorfeld des für heute angesetzten Treffens mit dem Staatspräsidenten. 

Ein Veto wäre aus seiner Sicht „ein unverzeihlicher Fehler“. Angesichts der internationalen Krisen und des Krieges in Polens Nachbarschaft könne er nicht nachvollziehen, „wie man überhaupt daran denken kann, solche Maßnahmen zu blockieren“. Gleichzeitig kündigte der Regierungschef an, an einem Ersatzplan zu arbeiten. Die Regierung werde, so Tusk, einen Weg finden, damit die vorgesehenen Mittel trotzdem bei den Menschen und in den Betrieben ankämen.

Das Präsidialamt wies den Eindruck zurück, die Entscheidung sei bereits gefallen. Sprecher Rafał Leśkiewicz erinnerte daran, dass allein der Präsident über Gesetze entscheide und die Frist im Fall von SAFE erst am 20. März ende. 

Im Kern geht es um das Gesetz zur Umsetzung des europäischen Verteidigungsprogramms SAFE, das vom Parlament bereits verabschiedet wurde. Nawrocki hatte dem zuletzt mit „SAFE null Prozent“ ein eigenes Modell entgegengestellt. Nach seinen Angaben soll es rund 185 Milliarden Złoty für die Verteidigung mobilisieren, ohne auf EU-Kredite zurückzugreifen. Wie dieses Konzept konkret finanziert werden könnte, bleibt bislang jedoch offen.

Die Politologin Renata Mieńkowska-Norkiene sieht ein mögliches Veto vor allem als innenpolitisches Signal. Bei TVN24 sagte sie, das wäre „ein rein politisches Veto, eine rein politische Entscheidung“. Sie verwies auf Umfragen, wonach die Ablehnung von SAFE vor allem unter Wählern von PiS und des Braun-Lagers stark ausgeprägt sei. Der Präsident habe „in dieser Frage keine gesellschaftliche Unterstützung“.

Nach Einschätzung der Politologin wäre ein Veto Teil einer breiteren Strategie im rechten Lager. Es könnte dazu dienen, den Kurs weiter nach rechts zu verschieben und Wähler am Rand des konservativen Spektrums anzusprechen.

Der frühere Botschafter in Südkorea und Oberst Andrzej Derlatka glaubt nicht, dass Nawrocki am Ende tatsächlich ein Veto einlegen wird. Wahrscheinlicher sei, dass der Präsident das Gesetz unterschreibt und anschließend dem Verfassungsgericht vorlegt. Das sei „die einzige vernünftige Lösung“, sagte Derlatka. Ein Veto wäre für den Präsidenten „eine persönliche Tragödie“. Nawrocki würde „sein Gesicht verlieren“ — gegenüber der Bevölkerung ebenso wie gegenüber den Streitkräften, deren Oberbefehlshaber er ist. 

PAP/tvn24/adn


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