„Russland wird höchstwahrscheinlich einen Teil seiner strategischen Artilleriemunitionsbestände wieder aufbauen und sich damit auf einen weiteren Krieg vorbereiten – trotz der anhaltenden Aggression gegen die Ukraine“, heißt es in dem Bericht. Der Leiter des estnischen Auslandsgeheimdienstes, Kaupo Rosin, sagte gegenüber Journalisten, Europa müsse in seine Verteidigungsfähigkeit investieren. Nach seiner Einschätzung könnten umfassende Aufrüstungsmaßnahmen der europäischen Staaten dazu führen, dass Moskau künftig „zu dem Schluss kommt, keine Chance in einer Konfrontation mit den NATO-Staaten zu haben“. In dem Bericht heißt es weiter, ein möglicher russischer Angriff auf Estland würde den „Einsatz von Drohnen an Land, in der Luft und auf See“ im gesamten Staatsgebiet umfassen.
Geheimdienst: Kreml simuliert Friedensbereitschaft
Der Geheimdienstchef hat sich auch zu den Reaktionen Moskaus auf die europäische Aufrüstung als Antwort auf die anhaltende militärische Bedrohung durch den Kreml geäußert. „Wir sehen, dass die russischen Behörden sehr besorgt sind über die europäische Aufrüstung. Sie gehen davon aus, dass Europa in zwei oder drei Jahren in der Lage sein könnte, eigenständige militärische Schritte gegen Russland zu unternehmen“, sagte Rosin laut der Nachrichtenagentur Reuters. Das derzeitige Ziel des Kremls sei es, diesen Prozess „zu verzögern und zu behindern“.
Der Bericht geht auch auf die Haltung Moskaus zu den anhaltenden Friedensgesprächen ein. „Der Kreml gibt nur vor, an Frieden interessiert zu sein“, heißt es darin. Betont wird zudem, Russland vertrete die Ansicht, dass „jedes mögliche Abkommen der Ukraine und ihren Verbündeten schaden muss“. Zu diesem Zweck versuche Moskau fortlaufend, Gespräche als Instrument der Manipulation zu nutzen und den guten Willen des Westens zur Rechtfertigung neuer und weitergehender Forderungen auszunutzen, warnt der Geheimdienst.
Der Chef des estnischen Geheimdienstes erklärte, Präsident Wladimir Putin habe weiterhin das Ziel, die Kontrolle über die gesamte Ukraine zu übernehmen. Nach Einschätzung Rosins sei dieser Gedanke „so tief im Kopf“ des russischen Diktators verankert, dass er alle anderen Fragen überschatte – einschließlich wirtschaftlicher Aspekte. Zugleich deutete der Geheimdienstchef an, der Krieg in der Ukraine werde in der einen oder anderen Form noch mehrere Jahre andauern.
dziennik/PAP/ps