Deutsche Redaktion

Musik aus deutschen NS-Lagern wird in Polen aufgeführt

12.06.2026 08:00
Von Häftlingen in Nazi-deutschen Konzentrationslagern und anderen Haftstätten während des Zweiten Weltkriegs komponierte Musik wird am Freitag in der südpolnischen Stadt Bielsko-Biała aufgeführt. Das Konzert soll das musikalische Erbe der Holocaust-Zeit bewahren.
Lotoro wurde 1964 geboren. Er studierte am Konservatorium Niccol Piccinni in Bari in Sditalien sowie an der Franz-Liszt-Musikakademie in der ungarischen Hauptstadt Budapest.
Lotoro wurde 1964 geboren. Er studierte am Konservatorium Niccolò Piccinni in Bari in Süditalien sowie an der Franz-Liszt-Musikakademie in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Bellatrovata, CC0, via Wikimedia Commons

Die Veranstaltung unter dem Titel „Musik, die nicht zum Schweigen gebracht wurde“ findet in der Trauerhalle des jüdischen Friedhofs der Stadt statt. Zu den Mitwirkenden gehört der italienische Musikwissenschaftler und Pianist Francesco Lotoro. Er sammelt und restauriert seit mehr als drei Jahrzehnten Musikwerke, die während des Zweiten Weltkriegs von Häftlingen komponiert wurden.

Nach Angaben des Kulturzentrums von Bielsko-Biała umfasst das Programm eine Auswahl bislang nicht aufgeführter Werke aus Lotoros Archiv. Die Organisatoren bezeichnen die Musik – die oft auf Papierfetzen niedergeschrieben oder aus dem Gedächtnis rekonstruiert wurde – als „bewegendes Zeugnis der Kraft von Kultur, Erinnerung und Menschlichkeit“. Das Konzert werde „ein Abend der Besinnung und der Musik sein, die die dunkelste Zeit der Geschichte überdauert hat“, erklärten die Veranstalter.

Lotoro wurde 1964 geboren. Er studierte am Konservatorium Niccolò Piccinni in Bari in Süditalien sowie an der Franz-Liszt-Musikakademie in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Einen Großteil seines Lebens hat Lotoro der Wiederentdeckung von Musik gewidmet, die zwischen 1933 und 1945 in Konzentrationslagern, Internierungslagern, Zwangsarbeitslagern, Durchgangslagern und Kriegsgefangenenlagern entstand.

Sein Archiv umfasst mehr als 10.000 Partituren. Darunter befindet sich die 8. Symphonie für Klavier des deutsch-tschechischen Komponisten Erwin Schulhoff, die im Internierungslager Wülzburg in Bayern entstand, wo er 1942 starb. Ebenfalls Teil der Sammlung ist ein Nonett des tschechischen Komponisten Rudolf Karel, das während seiner Haft im Prager Pankrác-Gefängnis geschrieben wurde.

Lotoro zählt zudem zu den wichtigsten Mitwirkenden an „KZ Musik“, einer 48 CDs umfassenden Sammlung von Werken, die während der NS-Zeit von Häftlingen komponiert wurden.

PR/BielskiRynek/ps

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