Deutsche Redaktion

Russische Desinformation über baltischen Luftraum erreicht Afrika und Lateinamerika

20.06.2026 12:30
Eine neue russische Desinformationskampagne über den baltischen Luftraum hat sich über Europa hinaus ausgebreitet und erreicht inzwischen auch ein Publikum in Afrika und Lateinamerika. Pro-russische Online-Quellen verbreiten nach Angaben von Analysten die falsche Behauptung, die baltischen Staaten hätten der Ukraine die Nutzung ihres Luftraums für Angriffe auf Russland erlaubt.
Nach Angaben der Analysten haben pro-russische Quellen zwischen Ende Mrz und Anfang Mai massenweise Berichte ber eine angebliche Welle von Drohnenvorfllen im Baltikum verbreitet. Damit wurde ein neues Narrativ gesttzt, wonach Lettland, Estland und andere baltische Staaten ihren Luftraum geffnet htten, um der Ukraine Angriffe auf Ziele in Russ
Nach Angaben der Analysten haben pro-russische Quellen zwischen Ende März und Anfang Mai massenweise Berichte über eine angebliche Welle von Drohnenvorfällen im Baltikum verbreitet. Damit wurde ein neues Narrativ gestützt, wonach Lettland, Estland und andere baltische Staaten ihren Luftraum geöffnet hätten, um der Ukraine Angriffe auf Ziele in RussФота: Casimiro PT/Shutterstock

Das Digital Forensic Research Lab (DFRLab) des in Washington ansässigen Thinktanks Atlantic Council untersucht Desinformation, Online-Einflusskampagnen und die Manipulation digitaler Informationen. Nach Angaben der Analysten haben pro-russische Quellen zwischen Ende März und Anfang Mai massenweise Berichte über eine angebliche Welle von Drohnenvorfällen im Baltikum verbreitet. Damit wurde ein neues Narrativ gestützt, wonach Lettland, Estland und andere baltische Staaten ihren Luftraum geöffnet hätten, um der Ukraine Angriffe auf Ziele in Russland zu ermöglichen.

Die Behauptungen stützten sich auf zwei tatsächliche Vorfälle. Am 25. März stürzten zwei ukrainische Drohnen auf dem Weg zu Zielen in Russland in Lettland und Estland ab. Am 7. Mai gingen weitere Drohnen in Lettland nieder. In einer im Juni veröffentlichten Studie erklärte das DFRLab, pro-kremlnahe Quellen hätten den zweiten Vorfall genutzt, um Falschmeldungen zu verbreiten. Demnach sollen Drohnen einen Personenzug und ein Wohnhaus getroffen haben. Zudem sei behauptet worden, bei dem Vorfall vom 7. Mai seien fünf Menschen ums Leben gekommen. Der Drohnenabsturz in Lettland hatte eine politische Krise ausgelöst. Der Verteidigungsminister und Ministerpräsident des Landes sind zurückgetreten. Am 28. Mai wurde eine neue Regierung gebildet.

Der Studie zufolge habe Russland seine aggressive Rhetorik insbesondere gegenüber Lettland verschärft. UN-Botschafters Wassili Nebensja habe demnach bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am 19. Mai. behauptet, Lettland habe sein Staatsgebiet ukrainischen Streitkräften zur Verfügung gestellt. Die lettische Außenministerin Baiba Braže hatte diese Vorwürfe zurück. Auch andere Teilnehmer der Sitzung haben diese Darstellung ignoriert. Am 22. Mai haben die Außenminister von acht nordischen und baltischen Staaten in einer gemeinsamen Erklärung die russische Desinformation verurteilt.

Russische Desinformation in Lateinamerika und Afrika
Nach Angaben des DFRLab wurden bei einer mehrsprachigen Analyse von Inhalten in sozialen Medien 795 Erwähnungen des Vorfalls vom 25. März und 2.496 Erwähnungen des Vorfalls vom 7. Mai registriert. Mehr als die Hälfte der ausgewerteten Beiträge stammte aus Russland und habe sich gegen die Ukraine, die NATO oder gegen beide gerichtet. Den Analysten zufolge seien die meisten Beiträge russischen Ursprungs auf Spanisch und Portugiesisch veröffentlicht worden. Sie seien auch auf Englisch, Französisch und Estnisch erschienen.

Portugiesischsprachige russische Desinformation habe sich vor allem an Brasilien gerichtet. Spanischsprachige Inhalte waren auf Länder Lateinamerikas ausgerichtet. Französischsprachiges Material erreichte die frankophonen Bevölkerungsgruppen in Kamerun, der Elfenbeinküste und Algerien. Ein Teil dieser Inhalte, darunter auch Beiträge aus kamerunischen Medien, wurde später von chinesischen Staatsmedien aufgegriffen und weiterverbreitet. Nach Angaben des DFRLab zeige diese Praxis, wie russische und chinesische Akteure zusammenarbeiten, um russische Urheberschaft in den BRICS-Staaten, darunter Brasilien, Indien und Südafrika, sowie im weiteren Globalen Süden zu verschleiern. US-Analysten hatten bereits 2024 über ähnliche russische und chinesische Desinformationsaktivitäten berichtet.

PR/ps

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